Michael Stürzenberger, der am Freitag bei einem Messerangriff in Mannheim verletzt wurde, ist kein Unbekannter. Einst als Journalist tätig, radikalisierte sich der Anti-Islam-Aktivist zunehmend. Mehrmals stand er bereits vor Gericht.
Mitten in der Mannheimer Innenstadt hat ein Mann am Freitag mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen. Gegolten haben soll der Angriff dem Aktivisten und Islam-Kritiker Michael Stürzenberger, der aus München stammt und in der Isar-Metropole eine bekannte Person ist.
Einst hatte der heute 59-Jährige als Journalist gearbeitet, war Mitglied der CSU und Sprecher des Münchner Bezirksverband der Partei. Von etwa 2010 an radikalisierte er sich aber und wurde zu einem ausgeprägten Islam-Feind. Er schloss sich der rechtsextremen Kleinpartei „Die Freiheit“ an, die sich 2016 auflöste, und agitierte vor allem in München gegen den Islam. Zudem war er führender Kopf des Münchner Ablegers des anti-muslimischen Blogs „Political Incorrect“ (PI).
Verfassungsschutz beobachtete Stürzenberger
Über Jahre hinweg fungierte Stürzenberger als ein Teil des Münchner Stadtbildes. Er hielt regelmäßig Kundgebungen ab und hetzte – meist vor wenigen Zuhörern – gegen den Islam. Zudem sammelte er Unterschriften für ein Bürgerbegehren, das ein geplantes neues Islam-Zentrum in München verhindern sollte. Die Planungen dafür wurden allerdings wegen Geldmangels eingestellt.
Stürzenberger sprach etwa von einer „Inflationierung von Muslimen“. Er meinte: „Der Islam ist gleich Terrorismus.“ Oder er warnte vollkommen aus der Luft gegriffen: „Al-Qaida will eine Zentrale am Stachus bauen.“ Das rief auch den bayerischen Verfassungsschutz auf den Plan, der Stürzenberger und seinen harten Unterstützerkern aus etwa fünf Personen von 2013 bis 2022 in seinen Jahresberichten nannte und beobachtete wegen „verfassungsschutzrelevanter Islamfeindlichkeit“. Ein Verfassungsschutzsprecher meinte 2013 gegenüber dieser Zeitung, dass es in München eine „besondere Situation Stürzenberger“ gebe. Anderswo würden sich keine solch redegewaltigen „Agitatoren“ zeigen.
Seine Umtriebe brachten ihn auch immer wieder vor Gericht. Dort zeigte er sich als gut gekleideter Mann, der ausgesucht höflich dem Richter etwa erklären wollte, dass der Islam eine „Monokultur“ sei. Es ging um Verunglimpfung einer Religionsgemeinschaft, verurteilt wurde er zu Geldstrafen unter anderem wegen Verunglimpfung einer Religionsgemeinschaft und Beleidigung eines Polizisten.
In den 2010er Jahren Pegida angeschlossen
Seine aus seiner Sicht erfolgreichste Zeit hatte er Mitte der 2010er-Jahre, als er sich den Wutbürger von „Pegida“ anschloss. In München waren Anfang 2015 um die 1500 Demonstranten gekommen, 20 000 Menschen hatten dagegen demonstriert. Stürzenberger marschierte mit Neonazi-Größen wie dem damaligen NSU-Angeklagten André E. oder Karl-Heinz Statzberger, der wegen des geplanten Anschlags auf das neue jüdische Zentrum in München im Gefängnis gesessen hatte. Von den Neonazis wollte Stürzenberger im Nachhinein nichts mitbekommen haben.
Laut Verfassungsschutz hatte Stürzenberger zumindest 2020 Kontakt zu dem österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner, Anführer der „Identitären Bewegung“. In jüngster Zeit betätigte er sich als Zugpferd des rechten, anti-islamischen Vereins „Bürgerbewegung Pax Europa“.