Es ist dieses Rahmenprogramm mit Vorträgen, Kinderaktivitäten, Mineralienbestimmung und Livepräparation, das aus der Messe eine auch für Laien interessante Veranstaltung macht. Foto: Patricia Sigerist

Wegen einer konkurrierenden Ausstellung lockt die 49. Auflage der Internationalen Stuttgarter Herbstbörse etwas weniger Aussteller in die Schwabenlandhalle, glänzt aber einmal mehr mit ihrem Rahmenprogramm.

Fellbach - Von der Frühstücksgabel am Morgen bis zur Nachttischlampe, die abendliche Lektüre ermöglicht, begleitet uns der omnipräsente Werkstoff. Enthält Eisen weniger als zwei Prozent Kohlenstoff, dann nennt man es nicht mehr Gusseisen, sondern Stahl. Dessen Eigenschaften lassen sich durch chemische Elemente variieren. Welche Farben und Formenvielfalt diese Legierungsbestandteile annehmen können, das gab es bei der 49. Internationalen Herbstbörse für Mineralien, Fossilien und Edelsteine in der Schwabenlandhalle zu sehen.

Das Mineral aus China enthält Wolfram, ein wichtiges Legierungsmetall für Stahl

Erich Roth von den die Messe veranstaltenden Stuttgarter Mineralien- und Fossilienfreunden hat die Sonderschau zum Thema Stahl kuratiert und darf als echter Experte bezeichnet werden: Er ist beruflich Mineralienhändler und war davor Exportsachbearbeiter bei einem Metallverarbeiter. In seiner Hand hält der 64-Jährige einen orangefarbenen Scheelitkristall. Das Mineral aus China enthält Wolfram, ein wichtiges Legierungsmetall für Stahl. „Wolfram ergibt eine sehr große Härte und Hitzebeständigkeit“, sagt Erich Roth und nennt als Beispiel Klingen für Multifunktionswerkzeuge, die aus dem angereicherten Stahl hergestellt werden. Nebenan in der Vitrine leuchtet ein knallig orangener Krokoit von seinem Sitz aus schwarzem Manganerz. Das im Krokoit gebundene Chrom macht aus Stahl einen rostfreien Edelstahl.

Erich Roth zeigt einen wolframhaltigen Kristall in der Mineralien-Börse. Foto: Michael Käfer

„Mollusken sind eine große Gruppe von Tieren“, sagt Robert Schweizer, der Kurator der zweiten Sonderschau. Muscheln, Schnecken und Tintenfische gehören dazu – und das Fossil schlechthin, der Ammonit. Bis zur Größe eines Autoreifens ist er in der Schwabenlandhalle zu sehen. „Mir war wichtig zu zeigen, wie erfolgreich die Mollusken sind“, sagt Schweizer. In der Tat haben die Weichtiere einigen Veränderungen standgehalten: Das älteste Exponat, ein Kopffüßler namens Orthoceras, ist 460 Millionen Jahre alt. Es ist dieses Rahmenprogramm mit Vorträgen, Kinderaktivitäten, Mineralienbestimmung und Livepräparation, das aus der Messe eine auch für Laien interessante Veranstaltung macht.

Hinzu kommt in diesem Jahr eine um zehn auf 85 gesunkene Ausstellerzahl

Trotz der rund 2000 Besucher ziehen wegen der steigenden Hallenmiete dunkle Wolken über der Herbstbörse auf. „Wir können das in der Zukunft möglicherweise finanziell nicht mehr stemmen“, sagt der Vorsitzende Thomas Jachmann. Zwar gibt es Unterstützung von der Stadt und Sonderkonditionen vom Management der Schwabenlandhalle. Weil aber nur wenige der 150 Vereinsmitglieder in Fellbach wohnen, fallen die in der Stuttgarter Straße residierenden Mineralien- und Fossilienfreunde aus der Vereinsförderung weitgehend heraus.

Hinzu kommt in diesem Jahr eine um zehn auf 85 gesunkene Ausstellerzahl, weil bereits am Freitag die konkurrierenden Münchner Mineralientage beginnen. Wie groß das Engagement der 55 Helfer ist, dafür bietet Günther Langer ein gutes Beispiel. Statt mit Familienangehörigen am Samstag seinen 77. Geburtstag zu feiern, hält er bei der Herbstbörse Referate und präsentiert die von ihm gestaltete Sonderschau über Brasilien und seine Mineralien. „Es macht Freude und wenn etwas Freude macht, fällt es nicht schwer“, sagt der Jubilar.

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