Beim Nixen-Kurs im Stadionbad Ludwigsburg: Das macht Spaß und ist ganz schön sportlich. Ein Selbstversuch.
Arielle hätte sich vermutlich kaputt gelacht: Ein Zweibeiner, der schwimmen will wie eine Meerjungfrau. Mit einer Flosse zum Anschnallen im Kinderbecken im Stadionbad. Das ist in der Tat gar nicht so einfach, wie es im Disney-Film aussieht. Immerhin endet der Selbstversuch halbwegs glimpflich.
Schwimmen – zumindest so ähnlich wie eine Meerjungfrau – ist zwar nicht ganz einfach und nicht jedem in die Wiege gelegt. Aber es macht Spaß. Gymnastiklehrerin Annett Vetter zeigt im Stadionbad in Ludwigsburg, wie es geht. Die sogenannte Monoflosse zieht man am besten am Beckenrand über Füße und Beine. Da ist der Weg ins Wasser nicht so weit. Dann lässt man sich so elegant wie möglich ins Wasser gleiten.
Einfach mal ausprobieren
Drinnen im 1,35 Meter tiefen Lehrschwimmbecken heißt es dann: einfach mal ausprobieren. Hände nach vorne ausstrecken oder am Körper anlegen, tief Luft holen, Kopf unter Wasser, mit den Flossen auf und ab paddeln. Die wellenartige Bewegung kommt aus dem Rücken und ist auf Dauer durchaus anstrengend. Aber auch gut und stärkend für die Muskeln in Rücken, Bauch, Beckenboden und Beinen. Und Übung macht bekanntlich den Meister.
Ganz schön flott und beweglich mit Flosse sind zum Beispiel fünf junge Damen im Alter von sieben bis 13 Jahren, die an diesem Nachmittag bereits zum dritten Mal den vierteiligen Nixen-Kurs besuchen. Annett Vetter leitet die Übungsstunden und gestaltet sie abwechslungsreich.
Mal dürfen die Teilnehmerinnen um Algen herum Slalom schwimmen, mal wird unter Wasser gepuzzelt. Aber erst einmal ist Einschwimmen angesagt. Dann wird auf Strecke getaucht – wie eine Meerjungfrau. Sara schafft das ganze Becken mit seinen 16 Metern, Sophie und Belinda immerhin die Hälfte, und auch Lea und Nora haben ihre Strecke von der Vorwoche noch einmal verbessert.
„Der Trainingserfolg ist immer wichtig“, sagt Annett Vetter. Es geht aber neben dem sportlichen und dem spaßigen Faktor beim Nixen-Kurs auch darum, den Kindern Vertrauen zu sich zu vermitteln, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie im wahrsten Wortsinn in eine ganz andere Welt abtauchen zu lassen. „Es macht Spaß zu sehen, wie die Mädchen in den 45 Minuten mit ihren Gedanken ganz weit weg vom Alltag sind“, sagt die Gymnastiklehrerin.
Männer sind in der Disziplin eher selten zu finden
Annett Vetter hat bis zu dessen Schließung Wassergymnastik im Heilbad Hoheneck angeboten und gibt nun Kurse im Stadionbad. Das Meerjungfrauen-Schwimmen ist einer davon. Vor ein paar Jahren sei das schon einmal ein Trend gewesen, damals wurden auch Kurse für Erwachsene angeboten. Dann flaute das Ganze ab. „Jetzt ist es wieder im Kommen.“ Annett Vetter hat selbst eine Schulung im Mermaiding – so wird das Meerjungfrauen-Schwimmen auch genannt – mitgemacht. Bundesweit, aber auch international gibt es sogar einige Meerjungfrauen-Schulen.
Gelehrt wird auch dort, wie man wie eine Meerjungfrau schwimmt. Oder wie ein Wassermann. Wobei die Herren in der Disziplin zwar ausdrücklich erwünscht, aber eben doch eher selten zu finden sind.
Die fünf Mädels im Stadionbad Ludwigsburg tauchen derweil an den Grund des Beckens. Dorthin hat Annett Vetter viele, viele Ringe versenkt. Es gilt, möglichst viele zu ertauchen. Sophie holt tief Luft, lässt sich vom Beckenrand kopfüber ins Wasser gleiten und sammelt ganz schnell neun Ringe ein. Auch die anderen punkten prima.
Nebenbei spricht die Kursleiterin bei den Kindern immer wieder auch noch ein anderes Thema an – eines, mit dem Meerjungfrauen und ihre Freunde in den Ozeanen zu kämpfen haben, nämlich die Verschmutzung der Meere. „Eine Plastiktüte im Wasser braucht 1000 Jahre, bis sie zersetzt ist.“ Vetters Erfahrung: „Die Kinder sind ganz angeregt dadurch und denken darüber nach, was verbessert werden könnte.“
Eleganter Flossenschlag
Im Wasser wird es im Stadionbad dann noch knifflig: Es müssen die passenden Zahlen aus dem Wasser gefischt werden. Die Kursleiterin sagt zum Beispiel „neun“, und dann geht es ans Rechnen und gleichzeitig ans Tauchen – und schon kommt ein Mädchen nach dem anderen mit zwei passenden Plastikzahlen wieder an die Oberfläche – gern auch mit eleganter Drehung samt ebensolchem Flossenschlag zwischendurch.
Das mit der Eleganz ist ja so eine Sache. Was die Mädels nach drei Kursstunden schon ganz gut draufhaben, muss sich die Redakteurin im Wasser noch etwas erarbeiten. Immerhin: Es haben sich erwachsene Anfänger schon blöder angestellt, lobt Annett Vetter wohlwollend. Und das Tauchen durch einen Ring am „Meeresgrund“ klappt auch schon – zumindest im Kinderbecken. Arielle hätte also ihre helle Freude.
Und es kommt Verständnis für die Meeresbewohnerin auf, die ja in der Geschichte ihre liebe Müh’ mit dem Prinzen auf zwei Beinen hatte. Denn an Land ist man mit Flosse ziemlich aufgeschmissen. Fortbewegung geht hopsend oder auf dem Po rutschend. Oder – ein Tipp von Annett Vetter: „Am besten lässt man sich als Meerjungfrau tragen.“
Mermaiding – schwimmen wie eine Meerjungfrau
Geschichte
„Die kleine Meerjungfrau“ ist ein Märchen von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1837 und basiert auf der Sage der Undine. Das schöne Wasserwesen lebt im Meer und ist neugierig auf die Menschenwelt. Eines Tages rettet sie einen Prinzen, dessen Schiff sank, das Leben und verliebt sich in ihn. Auf dieser Geschichte basiert auch der Disney-Film „Arielle, die Meerjungfrau“ von 1989. Für dieses Jahr ist eine gleichnamige Neuverfilmung als Realfilm angekündigt. Die Rolle der Arielle spielt Halle Bailey.
Kurse
Im Stadionbad in Ludwigsburg gibt es derzeit nur Mermaiding-Kurse für Kinder, solche für Erwachsene sind aktuell noch in der Planung. Aktuell beginnt ein Kurs am 10. Januar. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.swlb.de/stadionbad. sl