Merlin Songwriter statt Mittelstürmer

Von Uli Meyer 

Der Trophäen-Gewinner des Abends beeindruckte mit seinem beachtlichen Stimmumfang. Foto: Uli Meyer
Der Trophäen-Gewinner des Abends beeindruckte mit seinem beachtlichen Stimmumfang. Foto: Uli Meyer

Beim Songslam im Merlin macht der 17-jährige Heidenheimer Frederik Schulz das Rennen. Eine Profikarriere strebt er nicht an. Die Musik soll sein Hobby bleiben.

S-West - Am Eingang hing ein Fernseher. Doch kaum einer der Gäste des Merlin interessierte sich am Freitag für Fußball und die Übertragung der EM-Auftaktpartie Frankreich gegen Rumänien. Wer an diesem Abend in das Kulturzentrum gekommen ist, kam wegen eines anderen Wettbewerbs. Songwriter statt Mittelstürmer, Lieder statt Tore, Publikumsjury mit Notenkärtchen statt Schiedsrichter mit Pfeife.

Klangvolle Mundpropaganda

Dabei war der Abend im Merlin durchaus sportlich. Vorrunde, Halbfinale, Finale – der Songslam bedient sich der Regularien, wie sie auch bei der Fußball-EM herangezogen werden, um am Ende einen Sieger zu haben. Und der Moderator Markus Vogt alias Häns Dämpf wechselte während der zweieinhalb Stunden auch ganz gern mal in die Sportreportersprache. „Du hast im Elfmeterschießen gewonnen“, beglückwünschte der Spielleiter die Sängerin Mirja Danielle, als diese im Halbfinale gegen die Zweimann-Combo Stevie Maine und Herr Charmantski nach Punktgleichheit die notwendige Stichwahl für sich entschieden hatte.

Seit vier Jahren läuft der Songslam im Merlin mit fünf bis sechs Terminen im Jahr. Häns Dämpf lädt sechs Künstler ein. „Ich versuche, vorrangig lokale Leute zu nehmen“, sagt der Moderator über seine Kandidaten, die sich über die Homepage oder Mundpropaganda für einen Startplatz bewerben. Jeder Kandidat hat sieben Minuten Zeit, auf der Bühne einen oder zwei selbst gefertigte Songs vorzutragen. Zur Stilrichtung gibt es keine Vorgaben. Das Publikum entscheidet, wer wie weit kommt. Dazu wählt der Moderator unter den Besuchern fünf Punktrichter. Mit Zahlentäfelchen in der Hand werden die Vorträge von den Juroren bewertet. Die niedrigste und die höchste Zahl werden gestrichen, die drei verbleibenden zur Wertung addiert. Vom Turnen, Eiskunstlauf oder Skispringen kennt man so ein Vorgehen.

Für eine Schale voll Futter

Nun also die 21. Auflage des Stuttgarter Songslams, mit „ausnahmsweise mehr Frauen als Männern“, sagte Häns Dämpf. Als erste Hürde für die sechs Kandidaten galt es, zu den vier Punktbesten zu zählen. Aurélie mit ihrem Gitarristen Andy verpasste trotz souliger Stimme den Sprung ins Halbfinale ebenso wie die Tübingerin Mareike Fichtner mit ihrer frechen Wortspiel-Musik.

Mit ausgewechselten Publikumspunktrichtern ging es in zwei Halbfinalduelle. Mirja Danielle am E-Piano hatte mit ihrem gefühlvollen Gesang einen Minivorsprung gegenüber dem schmissigen Vortrag der Gießener Truppe Stevie Maine und Herr Charmantski. Etwas deutlicher verteilt lag die Gunst der Juroren danach auf der Seite des Heidenheimers Frederik Schulz im Halbfinale gegen das Stuttgarter Frauenduett Peaceful Peas.

Alle Gäste im Publikum durften schließlich über den Tagessieger befinden. „Applausometer“ nennt Häns Dämpf das, wenn Lautstärke und Länge des Beifalls die Vorträge der beiden Finalisten bewerten sollen. Die 19-Jährige Mirja aus Reutlingen legte sich mit „Hold me“ noch einmal voll ins Zeug, fand aber in Frederik Schulz mit „Still I am lost“ ihren Meister. Mit für einen 17-Jährigen beachtlichem Stimmumfang und virtuosem Gitarrenspiel war der Junge aus Sontheim an der Brenz der Publikumsliebling. Ein Musikprofi will der angehende Abiturient nicht werden. Bei allem Talent soll die Liedermacherei ein Hobby bleiben.

Reich geworden ist Frederik Schulz am Freitagabend nicht. Als Preis übergab Häns Dämpf mal wieder eine blaue Salatschüssel, gefüllt mit ein paar Lebensmitteln. Der nächste Songslam im Merlin geht am 23. September über die Bühne.

Redaktion Stuttgart-West

Ansprechpartnerin
Kathrin Wesely
s-west@stz.zgs.de

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