Direkt neben der Autobahn 8 verläuft die neue Schellbahntrasse bei Merklingen. Das Vorbild für den geplanten Bahnhalt steht im bayerischen Kinding Foto: Ing.-Büro Vössing GmbH

Zu klein, zu verstreut: Kein Planer der ICE-Neubaustrecke hatte an die Gemeinden der mittleren Alb gedacht. 2013 haben acht erschreckte Bürgermeister begonnen, Lobby für einen Bahnhof in Merklingen zu machen. Jetzt ist der Spatenstich gefeiert worden.

Merklingen - Blasmusik am Rand der Autobahn 8, ein Festzelt auf staubigem Grund, darin feierliche Politikerreden, in denen vom Stolz und der Zukunft der „mittleren Alb“ die Rede gewesen ist: das war der Spatenstich für den neuen Bahnhof Merklingen-Schwäbische Alb am Donnerstag. Anstatt der angekündigten Spatenschwünge gab es dann aber nur die weniger effektvolle Enthüllung eines Bahnhofsschildes mit der Aufschrift „Merklingen“ zu sehen. Irgendwie passte das, weil der Bahnhof Merklingen ja auch ohne stolzes Gebäude auskommen muss, vielmehr ein offener Streckenhalt mit Bahnsteigen an der ICE-Strecke Wendlingen-Ulm wird.

Die Merklinger werden zudem, um vom Jahr 2022 an die Interregiozüge zu erreichen – und nur sie halten später hier auf der Alb – auf Busse, Taxis oder Autos angewiesen sein, denn der Bahnhof liegt völlig ausgesetzt knapp zwei Kilometer westlich des Ortszentrums. Architektonisch adaptiert die Bahn als Bauherrin hier in den nächsten Jahren das Modell des 2006 eröffneten Bahnhofs Kinding (Altmühltal) auf der Bahnstrecke Nürnberg-Ingolstadt.

Vier Meter nach links, vier Meter nach rechts

Um acht Meter wird nun zunächst der Geländeeinschnitt für die ICE-Gleise bei Merklingen verbreitert, beidseitig werden je 215 Meter lange Außenbahnsteige gebaut. Rund 44 Millionen Euro kostet der Zughalt, einschließlich eines noch zu bauenden Parkplatzes auf der grünen Wiese für rund 400 Fahrzeuge.

Die Summe ist scheinbar eine Nichtigkeit angesichts der gesamten ICE-Neubaukosten von rund 3,2 Milliarden Euro. Aber der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann hat, was ihn mit sämtlichen Bürgermeistern aus der Region verbindet, eine ganz andere Einordnung. „Dies ist ein historischer Tag für die Gemeinden auf der mittleren Alb“, sagte er. Die Idee eines Alb-Bahnhofs an der ICE-Neubaustrecke sei ja eigentlich „schon abgefahren gewesen“. Tatsächlich hatten sieben Alb-Gemeinden sowie die Stadt Laichingen sehr spät bemerkt, dass sie die einzige Region bildeten, durch die hindurch sich Baden-Württembergs Mega-Verkehrsprojekt frisst, aber deren rund 60 000 Bewohner später von der schnellen Zugverbindung abgetrennt bleiben würden. Dass es dazu nicht kommen wird, ist am Ende einem überparteilichen politischen Bündnis der Landespolitik zu verdanken gewesen. Von den Baukosten übernimmt das Land 30 Millionen Euro, die acht Alb-Kommunen plus der Alb-Donau-Kreis zahlen 13 Millionen Euro, den schmalen Rest die Deutsche Bahn.

In nur vier Jahren von der Idee zum Baubeginn

Schon jetzt ist der Bahnhof Merklingen trotz aller noch unbearbeiteten Erdmassen überaus bestaunenswert. Das hat mit dem Tempo zu tun, mit dem ein geballter kommunalpolitischer Wille die sonst so hartleibigen Verkehrsplanungsbürokratien in Land und Bund bewegt hat. Vom ersten Bürgermeister-Gespräch mit Winfried Hermann in Stuttgart bis zum Spatenstich sind gerade einmal vier Jahre vergangen. Profitieren sollen später täglich bis zu 1600 Fahrgäste, die Hoffnungen auf Neubürger und prosperierende Wirtschaftsbetriebe sind in Merklingen und dem Umland geweckt. Spatenstiche sind eben immer auch Momente des Schwelgens und Träumens.

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