Das Merkel’sche Schwimmbad soll frühestens ab 2023 für Kosten von etwa zehn Millionen Euro saniert werden. Foto: Ines Rudel

Das Neckarfreibad und das Hallen-Freibad in Berkheim haben es bereits hinter sich. Aber auch das Merkel’sche Schwimmbad sollte saniert werden. Doch die Maßnahmen werden wegen der angespannten Finanzlage der Stadt auf das Jahr 2023 verschoben.

Esslingen -

 

Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann nichts wie raus nach . . .“ – ja, wohin? Wohin sollten Badefans gerade gehen? Jedenfalls nichts ins Merkel’sche Schwimmbad. Die Einrichtung in der Mühlstraße in Esslingen hat nämlich während der Sommerferien ihre Pforten geschlossen. Von Montag, 13. September, an können sich Schwimmfreunde dort wieder einfinden, sagt Dominik Völker von den Stadtwerken Esslingen (SWE), der Betreibergesellschaft der Bäder. Zu diesem Termin würden die Freibäder schließen und das Merkel’sche Schwimmbad öffnen, „sofern es die aktuelle Corona-Verordnung zulässt“. Eine Schließung wegen Bauarbeiten müssen Fans in naher Zukunft nicht fürchten. Denn die geplanten Maßnahmen sollen frühestens im April oder Mai 2023 starten.

Bauarbeiten für etwa zehn Millionen Euro

Das pure Urlaubsfeeling! Raus aus dem Alltagsstress und hinein ins kühle Nass! Im Neckarfreibad und im Hallen-Freibad Berkheim ist das möglich. Doch das Merkel’sche Schwimmbad hat während der großen Ferien geschlossen, da das Servicepersonal in der Urlaubszeit in den anderen Bädern eingesetzt wird. Nach den Sommerferien kann es wieder von Schwimmfreunden für Schwimmfreuden genutzt werden. Doch eigentlich ist das Merkel’sche Schwimmbad sanierungsbedürftig. Dominik Völker verweist auf den nicht mehr aktuellen Stand der Technik, die angegriffene Bausubstanz, Störanfälligkeiten und geänderte Anforderungen an einen modernen Badebetrieb. Etwa 9,6 Millionen Euro würde die Behebung der Mängel nach einer Berechnung aus dem Jahr 2020 kosten, erklärt der Prokurist der Stadtwerke Esslingen.

Aufschub könnte Reparaturaufwand erhöhen

Zu erledigen wären verschiedene Dinge. So müsste die Badewassertechnik verbessert, ein Edelstahlschwimmbecken im Schwimm- und Lehrschwimmbecken angebracht sowie die technische Gebäudeausstattung saniert werden. Zudem würde durch die Sanierungsmaßnahmen Barrierefreiheit geschaffen. Der Umfang der Bauarbeiten sei kein Klacks, sagt Völker. Es handele sich um aufwendige Umbauten.

Doch die angespannte Haushaltslage der Stadt lässt die Bauarbeiten derzeit nicht zu. Frühestens im April oder Mai 2023 könnten sie im Merkel’schen Schwimmbad starten. Ist ein Aufschub der Sanierung problemlos möglich? „Bei einer Verschiebung ist ein erhöhter Reparaturaufwand zu erwarten, der schwer planbar ist“, räumt Völker ein.

Neckarfreibad wurde für 2,6 Millionen saniert

Die Sanierung des Schwimmbades ist Teil eines ehrgeizigen Bäderkonzepts in Esslingen. Zwei Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Neun Monate lang wurde vom Spätsommer 2018 bis Frühsommer 2019 das Neckarfreibad für Kosten in Höhe von etwa 2,6 Millionen Euro saniert, rechnet Dominik Völker vor. Das umfangreiche Maßnahmenpaket sah auch die Errichtung eines neuen Eingangsgebäudes an anderer Stelle, die Schaffung von 40 Auto- und 100 Zweiradstellplätzen sowie einen barrierefreien Neubau für Duschen und sanitäre Anlagen vor. Eine neue Schwimmbadgastronomie mit großer Terrasse hinter dem Eingang, der Bau eines Bademeisterhäuschens sowie die Entkernung und Sanierung des Kiosks wurden ebenfalls erledigt. „Die Umkleiden wurden durch die Sanierung näher an die Becken herangerückt, und für Blinde und Sehbehinderte wurde ein Leitsystem angelegt, das vom Eingang bis zum Becken führt“, beschreibt Dominik Völker weitere Arbeiten im Neckarfreibad. An den Becken selbst habe sich nichts verändert. Das Sportbecken mit Sprungturm und das Nichtschwimmerbecken mit der Riesenrutsche und Eltern-Kind-Bereich stünden den Gästen weiterhin zur Verfügung. Bei den Arbeiten im Neckarfreibad habe es keine Probleme gegeben, denn der Zeit- und Kostenrahmen seien eingehalten worden.

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Auch Berkheim kann wieder baden gehen. Das Hallen-Freibad hatte als zweiter Teil des Esslinger Bäderkonzepts in dem fast zweijährigen Zeitraum zwischen Spätsommer 2019 und Frühsommer 2021 zahlreiche bauliche Verbesserungen für Ausgaben in Höhe von etwa zehn Millionen Euro erfahren. Dominik Völker kann einige der Maßnahmen aufzählen – ein komplett neuer Eingangsbereich, Sanierung der Umkleiden, Dusch- und Sanitärräume, die Schaffung neuer Familienumkleiden und eines Wickelraums. Das große Außenbecken wurde erneuert und hat eine Edelstahlwanne erhalten, das Becken wurde mit modernen Wassertechnik ausgestattet, eine neue Fünf-Meter-Plattform, ein Ein- und Drei-Meter-Brett sind entstanden. Barrierefreiheit wurde geschaffen, das Hallenbad hat ein neues Innenbecken erhalten, die Halle wurde saniert. Das Hallenbad kann laut Dominik Völker wohl im Herbst wieder seine Pforten öffnen und dann von Vereinen, Schulen sowie für Schwimmkurse genutzt werden. Weitere Baumaßnahmen seien nicht geplant, der Zeit- und Kostenrahmen sei eingehalten worden.

Das Merkelsche Schwimmbad

Der Stifter
Der Esslinger Fabrikant Oskar Merkel ließ nach Angaben der Stadtwerke Esslingen zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein Schwimmbad bauen – für die Allgemeinheit, zum Wohle der Volksgesundheit und für seine Angestellten, denen er verbilligte Eintrittspreise gewährte. Wenige Wochen vor seinem Tod im Jahr 1912 schenkte der Unternehmer das Bad der Stadt. Oskar Merkel wurde 1836 geboren, 1858 trat er in das von seinem Vater 1830 gegründete Unternehmen „Merkel & Wolf“ ein und übernahm ab 1870 die Leitung des Betriebs.

Die Geschichte
Das Merkel’sche Schwimmbad wurde nach Angaben der Stadtwerke Esslingen im Jahr 1907 eröffnet. In den 1960er Jahren wurde die Einrichtung in der Mühlstraße um ein Sport- und ein Lehrschwimmbecken erweitert. 2006 stand eine große Sanierung an. Die Jugendstilelemente wurden damals in ihren Original-Zustand zurückversetzt und ein modernes Wellnessangebot geschaffen.

Weitere Spuren
An Oskar Merkel und seine Familie erinnern laut SWE nicht nur das Schwimmbad, sondern auch der Merkelpark mit der Villa Merkel, die der Unternehmer in der Nähe seiner Fabrik bauen ließ, sowie der von Merkel gestiftete und nach seiner Tochter benannte Alicensteg. 1970 kam die Wollfabrik mit Villa und Landschaftspark in den Besitz der Stadt Esslingen, und das Fabrikgelände wurde in eine öffentliche Parkanlage umgewandelt.

Mehr Infos unter www.swe.de