Kanzlerin Angela Merkel warnte auf dem Deutschlandtag der Jungen Union davor, eine Große Koalition wegen der Mindestlohn-Frage platzen zu lassen. Sie stimmte die Union auf Kompromisse in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD ein.

Kanzlerin Angela Merkel warnte auf dem Deutschlandtag der Jungen Union davor, eine Große Koalition wegen der Mindestlohn-Frage platzen zu lassen. Sie stimmte die Union auf Kompromisse in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD ein.

Erfurt - Mit Spannung war der Auftritt von Angela Merkel beim Deutschlandtag der Jungen Union in Erfurt erwartet worden. Was würde die Kanzlerin dem CDU-Nachwuchs sagen? Was würde sie über die Koalitionsverhandlungen mit der SPD berichten? Und das lieferte Merkel: Sie verteidigte den Kurs der Union in der Frage der Mütterrente, die bei der Jungen Union auf Vorbehalte stößt. Zudem rief sie die Sozialdemokraten zur Zurückhaltung bei Forderungen auf. Während letzteres auf Zustimmung stieß, konnte Merkel die Junge Union in anderen Fragen nicht überzeugen.

Mit Blick nach Leipzig, wo die SPD ihren Parteitag abhielt, sagte Merkel, eine Koalition, bei der die einen für die Einnahmen und die anderen für die Ausgaben zuständig seien, könne nicht funktionieren. Alle Beteiligten müssten sich für alle Belange zuständig fühlen, also sowohl für wirtschaftlichen Aufschwung wie für den sozialen Ausgleich. Deutschland solle es im Jahr 2017 noch besser gehen als dies heute bereits der Fall sei, sagte Merkel.

Merkel: Beim Thema Mindestlohn auf SPD zugehen

Doch dann räumte die amtierende Kanzlerin ein, dass die Union beim Thema Mindestlohn auf die SPD werde zugehen müssen. „In dieser Frage werden wir einen Kompromiss eingehen müssen“, sagte sie. Auch die von der SPD geforderten 8,560 Euro in der Stunde würden eine Rolle spielen. Kein Einlenken werde es dagegen bei der Frage von Steuererhöhungen geben. „Wir wollen zeigen, dass wir mit dem Geld auskommen, dass wir einnehmen“, erklärte Merkel. Deshalb würden keine neuen Schulden aufgenommen.

Viele JU-Mitglieder zeigten sich entsetzt über die Rentenpläne, die CDU, CSU und SPD derzeit in Berlin aushecken. Zu den SPD-Vorstellungen kommen die Unionspläne für eine Armutsrente und höhere Mütterrenten. Alles zusammen würde wohl einen satten zweistelligen Milliardenbetrag zu Lasten der jüngeren Beitragszahler ausmachen. Merkel versuchte, die Gemüter zu beruhigen. An der Rente mit 67 werde nicht gerüttelt, sagte sie. Doch da hatte sie die Aufmerksamkeit eines Teils der Delegierten offenbar schon verloren: Diese unterhielten sich lieber miteinander, als der CDU-Chefin zu lauschen. Nach einem umjubelten Einmarsch zum Beginn war der Auszug der Kanzlerin dann eher kurz und unspektakulär. Offenbar hatte sich die Junge Union mehr erhofft.

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