Seit Jahren kaum zu schlagen ist die Symbiose von Rennfahrer und Rennstall bei Mercedes. Weltmeister Lewis Hamilton profitiert von der schwachen Konkurrenz, meint unser Redakteur Dominik Ignèe.
Austin - Lewis Hamilton prägt die Formel 1 wie einst die Legenden Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio. Und Mercedes verdient sich kraft des Rekordes von sechs Konstrukteurs- und Fahrertiteln nacheinander eine Eins mit Stern. Der glänzende Teamspirit wird seit Jahren rauf und runter gelobt, und die Formel-1-Experten sind sich einig: Teamchef Toto Wolff und seine Top-Ingenieure machen einen überragenden Job. Vor allem die Fähigkeit, sich nach Niederlagen zusammenzureißen und wieder aufzustehen, zeichnet die Silberpfeil-Mannschaft in höchstem Maße aus.
Schwache Konkurrenz
Aber: das alles funktioniert nur so gut, weil die Konkurrenz seit sechs Jahren überwiegend ein trauriges Bild abgibt. Damit sind nicht die kleinen Teams gemeint, die als sogenannte arme Schlucker in der Königsklasse ihr Dasein fristen und gerade so über die Runden kommen. Die Kritik richtet sich vielmehr an die Formel-1-Topadressen Ferrari, Red Bull und McLaren. Auch dort wird wie bei Mercedes mit Etats jenseits der 300-Millionen-Euro-Grenze gearbeitet, auch dort laufen die Windkanalarbeiten im Schichtbetrieb – doch für einen WM-Titel reichen Geld und Mühen nicht aus, seit sechs Jahren nun schon.
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Red Bull und McLaren hatten während der erfolgreichen Mercedes-Ära unter anderem Schwierigkeiten mit Motorenpartnern – und Ferrari überwiegend Probleme mit sich selbst. Mal fehlte die Power, dann die richtige Strategie, und im Hinblick auf die Rivalität zwischen den ehrgeizigen Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc war eher ein kommunikativer Eiertanz erkennbar statt einer klaren Linie. Überdies ist es Vettel nie wirklich gelungen, die sensible und mitunter schwierige rote Truppe so hinter sich zu bringen wie seinerzeit ein Michael Schumacher. Das kann kein Vorwurf an Vettel sein, denn jede Persönlichkeit ist anders. Aber es zeigt eben, dass das Ferrari-Pferdchen nicht bei jedem Dompteur gleich hoch springt.
Der aus Mercedes und Lewis Hamilton bestehenden Gemeinschaft soll es recht sein.
dominik.ignee@stzn.de