Schon wieder ein Doppelerfolg der Mercedes-Piloten Hamilton und Bottas. Hört das denn nie auf? Foto: AFP

Valtteri Bottas gewinnt den Saisonauftakt vor seinem Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton – und Ferrari schaut in die Röhre. Das ist seit fünf Jahren so und droht auch 2019.

Stuttgart - Das wunderbar Neue am Formel-1-Auftakt in Melbourne war, dass Valtteri Bottas die erste Wettfahrt des Jahres gewonnen hat – und ausnahmsweise mal nicht Lewis Hamilton. Doch die Tatsache, dass Bottas ebenso in einem Silberpfeil sitzt wie der Dauersieger der vergangenen Jahre, lässt befürchten, dass die Rennserie wieder in den Trott chronischer Mercedes-Dominanz verfällt. Nährten die Testfahrten noch die Hoffnung, Sebastian Vettel und Ferrari würden nach fünf Mercedes-Titeln endlich mal wieder für eine willkommene Abwechslung sorgen, so wurde diese Hoffnung in Melbourne plötzlich vom Wind verweht.

„Erwartet wurde in Melbourne eine Morgenröte, stattdessen kam es zur Dämmerung“, schreibt die italienische Zeitung „La Repubblica“ – und verfällt wie offenbar ganz Formel-1-Italien in einen Zustand der Ohnmacht. „Bis vor zwei Wochen war der Ferrari SF90 im Test die versprochene Königin der Formel 1“, stellt indes „La Stampa“ fest, doch Mercedes hat Ferrari dann doch wieder brutal in die Realität zurückgeholt. Wie konnte das passieren? Rätselhaft ist es auch vor dem Hintergrund, dass sich der Mercedes-Sportchef Toto Wolff noch kurz vor dem Saisonstart zitieren ließ mit den Worten: „Wir sehen Ferrari vorne.“

Das Potenzial entfesseln

Pustekuchen! Ob die Motorsportabteilung des Daimler-Konzerns bei den Testfahrten geblufft hat? Es wird kaum herauszufinden sein. Fakt ist, dass bereits nach dem ersten Rennen in Maranello Unruhe aufkommt. „Da ist ein großes Potenzial im Auto, das wir entfesseln müssen“, sagt Vettel und formuliert seine Forderung nach konsequenter Fehleranalyse etwas holprig. Der neue Teamchef ist derweil kaum im Amt – und schon als Krisenmanager gefordert. „Wir müssen zuhause jetzt die Daten analysieren. Wenn wir das Problem finden, dann können wir noch viel stärker zurückkommen“, sagte Mattia Binotto, blieb bei seinen Ausführungen jedoch eine Antwort schuldig auf die Frage: Schneller als wer? Etwa als Mercedes? Das Team, das in Australien eine Sekunde pro Runde schneller war und Ferrari sportlich vernichtet hat?

Dass die Scuderia in knapp zwei Wochen beim nächsten Grand Prix in Bahrain ein Formel-1-Wunder schafft ist kaum vorstellbar. Toto Wolff, dem man ein gewisses Talent nicht absprechen kann, die eigene Lage düsterer zu zeichnen als sie ist, räumt den roten Rivalen die Chance auf eine Starke Rückkehr durchaus ein. „Es ist schwer, bei diesen neuen Autos die punktgenaue Abstimmung zu finden. Sie haben eine falsche Abzweigung genommen, aber haben sicher kein grundsätzliches Problem“, sagt der Mercedes-Sportchef und spricht den Italienern damit Mut zu.

Eine riesige Lücke

Wenn sie ihm nur glauben könnten. Oder auch die Fans, die unterschiedliche Sieger sehen wollen: mal einen in Rot, mal einen in Blau, mal einen in Silber. „Niemand hätte so eine Lücke vor dem Wochenende erwartet. Ich weiß nicht, was ihr Problem war, aber sie werden in den nächsten Rennen sicher wieder stark sein – wir müssen wachsam bleiben“, sagt derweil Lewis Hamilton über das große Formel-1-Rätsel Ferrari.

Sein Wort in Gottes Ohr: Ein weiterer Mercedes-Alleingang – auch wenn dem Besseren für seine Leistung stets höchster Respekt gezollt werden muss – wird die Zuschauer nicht begeistern.

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