Deutsche Premiumhersteller wie Mercedes und BMW werden weniger von der neuen E-Autoförderung profitieren als Volumenhersteller – obwohl sie viele ihrer E-Autos in Deutschland bauen. Foto: AP, dpa

Die neue E-Auto-Prämie soll die Mobilitätswende voranbringen. Laut Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nützt das Geld vor allem Importeuren. Mercedes & Co. hilft das nur wenig.

Die neue Förderung für den Kauf von E-Autos leistet nach Ansicht des Bochumer Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer keinen nennenswerten Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der deutschen Automobilindustrie. Stattdessen förderten die milliardenschweren Zuschüsse vor allem den Kauf von Elektroautos, die nach Deutschland importiert werden.

 

Dudenhöffer, der als Experte für Handel, Vertrieb und Preispolitik der Autobranche gilt, stützt seine Einschätzung auf eine umfangreiche Marktanalyse. Darin vergleicht er die Preisentwicklung von Elektro- und Verbrennerfahrzeugen in den vergangenen Monaten. Demnach sind die durchschnittlichen Rabatte auf die Top-20-Elektroautos seit Januar kontinuierlich gesunken. Die Nachlässe für die Top-20-Verbrennerfahrzeuge blieben dagegen weitgehend unverändert.

Ferdinand Dudenhöffer ist Experte für den Vertrieb und die Preispolitik von Autoherstellern. Foto: red

Seit Januar fördert Deutschland die Zulassung eines neuen E-Autos mit einer staatlichen Förderprämie von bis zu 6000 Euro, deren Höhe vom Einkommen und von der Kinderzahl der Käufer abhängt. Seit dem 20. Mai können die Zuschüsse beantragt werden, auch rückwirkend für Neuzulassungen seit Jahresbeginn.

Die höchste Förderung erhalten Personen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von höchstens 45.000 Euro und mindestens zwei Kindern. Keine Förderung erhält, wer mehr als 80.000 Euro verdient. Für das erste und zweite Kind erhöht sich diese Einkommensgrenze jedoch jeweils um 5.000 Euro.

Die Förderung komme vor allem den Anbietern von Importautos zugute, weil sie an das Einkommen der Käufer anknüpft und damit an vielen Kunden deutscher Premiumhersteller vorbeigehe, so Dudenhöffer. Ein erheblicher Teil dieser Kundschaft dürfte die Einkommensgrenzen überschreiten.

Mercedes hat ein anderes Preissystem

Laut Dudenhöffers Daten gewährt BMW für diejenigen seiner Modelle, die zu den 25 meistverkauften Elektroautos zählen, weiterhin Rabatte von bis zu 26,7 Prozent. Bei Mercedes liegen die ausgewiesenen Nachlässe dagegen bei lediglich fünf Prozent. Diese Rabatte sind allerdings nicht miteinander vergleichbar. Denn Mercedes hat das klassische Listenpreissystem weitgehend abgeschafft und setzt stattdessen auf sogenannte Transaktionspreise.

Der Begriff kommt daher, dass der Kauf – also die Transaktion – tatsächlich zu den vorab genannten Preisen erfolgt. Der Händler tritt gegenüber den Kunden als Agentur auf, der Fahrzeuge im Auftrag des Herstellers verkauft – und damit zu dessen Preisen. Das Feilschen um Rabatte ist dadurch weitgehend entfallen. Ebenso sind Preisunterschiede zwischen Händlern derselben Marke kaum noch vorhanden.

Bei Mercedes arbeitet der Handel im Agenturmodell

Dem Wettbewerb mit der Konkurrenz müssen sich jedoch auch Hersteller mit Agenturmodell stellen. Sieht sich ein Hersteller gezwungen, seine Verkaufspreise zu senken, tritt dies aber nicht mehr als Rabatt auf einen einmal festgelegten Listenpreis in Erscheinung, sondern wird direkt im ständig angepassten Transaktionspreis berücksichtigt. In diesem System fehlt der Orientierungspunkt, anhand dessen ein Rabatt berechnet werden könnte – auch wenn im Transaktionspreis ein „Kundenvorteil“ oder Ähnliches ausgewiesen sein kann, eine Art Rabatt ohne Verhandlungen.

Unabhängig von den stark unterschiedlichen Rabattniveaus stellt der ADAC allerdings fest, dass beide ihre Nachlässe für die betreffenden Modelle in den vergangenen Monaten nicht wie andere zurückgefahren haben. Das deutet darauf hin, dass sie die Steuerprämie nicht wie andere für Rabattkürzungen nutzen können.

Förderung soll E-Autos erschwinglich machen

Ziel der neuen Förderung ist es, E-Autos auch für weniger Begüterte erschwinglich zu machen. Diese Autos sind aber eher kleiner – und werden zunehmend im Ausland gebaut, da die hohen deutschen Kosten die Gewinnspannen stärker drücken als bei teuren Fahrzeugen.

Dagegen werden die E-Autos der Premiumhersteller weiter zu einem beträchtlichen Teil in Deutschland gebaut. Mercedes produziert den EQA sowie den CLA in Rastatt und den EQE sowie den neuen GLC in Bremen. Das Elektro-Flaggschiff EQS wird allein in Sindelfingen gebaut und dürfte von der Förderung faktisch ausgenommen sein.

Experte: Prämie verteuert Preisniveau der E-Autos

Die sinkenden Rabatte deuten nach Ansicht Dudenhöffers auf eine weitere unerwünschte Folge der staatlichen Förderung hin. Man könne „sagen, durch die Prämie werden die Elektroautos teurer statt preisgünstiger“, so der Leiter des Bochumer Center Automotive Research (CAR). „Wer eine Prämie erhält, profitiert zwar, aber das Marktpreisniveau für Elektroautos steigt durch die Prämie.“

Zudem ist der Preisabstand zwischen Elektroautos und Verbrennermodellen deutlich gewachsen. Allein seit Januar stieg dieser Abstand um nahezu zehn Prozent auf 1971 Euro. Gegenüber Dezember, dem letzten Monat vor Einführung der Förderung, erhöhte er sich sogar um 48 Prozent. Die relative Verteuerung der Elektroautos sei vor allem auf das Abschmelzen der Rabatte zurückzuführen, während sich die Preisnachlässe bei den meistverkauften Verbrennermodellen kaum verändert hätten.

Teil der Steuergelder landet bei den Herstellern

Der Teil der Förderung, der durch sinkende Rabatte nicht bei den Käuferinnen und Käufern ankommt, landet faktisch bei den Herstellern. Sie können ihre Fahrzeuge dank der Prämie zu höheren Preisen verkaufen, weil die staatlichen Zuschüsse die Belastung der Kunden auch dann noch reduzieren, wenn sie ihre Preise erhöhen.

Allerdings profitieren nach Einschätzung Dudenhöffers auch von diesem legalen Griff in die Staatskasse am wenigsten die deutschen Premiumhersteller wie Mercedes-Benz, BMW und Audi.