Möbel von Walter Knoll wie das elegante „Bundle“ Sofa und die legendären „Healey Lounge“ Sessel stehen für Qualität, Handwerk und Innovation „Made in Germany“. Die handgefertigten Charakterstücke harmonieren so in angemessener Weise mit den Automobilen von Mercedes-Benz. Foto: Wackenhut

Wie richtet man heute ein Autohaus von Mercedes-Benz ein? Barbara Benz, Geschäftsführerin des Einrichtungsunternehmens architare, erklärt, wie ausgewählte Möbel den Markeneindruck bestimmen und in Bürogebäuden eine Wohlfühlatmosphäre ab des Mainstreams entsteht.

Das Mercedes-Benz Autohaus Wackenhut präsentiert sich am Standort Baden-Baden in einer völlig neuen Dimension. Zweieinhalb Jahre wurden Verwaltungsgebäude, Showroom, Lackierhalle, Gebrauchtwaren-Center und Fahrzeuglieferung umgebaut und neu gestaltet. Heute schafft die elegante Architektur im International Retail Design von Mercedes-Benz eine einheitliche Markenarchitektur.

Mit der Einrichtung des Verwaltungsgebäudes beauftragte der Inhaber Ernst-Jürgen Wackenhut Barbara Benz. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte die Geschäftsführerin des Einrichtungsunternehmens architare ein ganzheitliches Office-Konzept. Ziel war es, die Traditionen und Werte von Mercedes-Benz und Wackenhut mit einer modernen und flexiblen Arbeitsatmosphäre in Einklang zu bringen. Wie das Konzept gelang, erzählt Barbara Benz im Interview.

Frau Benz, ein Autohaus einzurichten, ist eine spezielle Aufgabe. Worauf haben Sie hier besonders geachtet?

Zunächst einmal ist es natürlich wichtig, dass die Qualität der Möbel, aber auch der Teppiche und Stoffe, mit denen wir die Räume eingerichtet haben, mit den Automobilen von Mercedes-Benz in angemessener Weise harmonieren. Schließlich stehen sie in direkter Nachbarschaft.

Welche Möbelmarken kamen hier für Sie in Betracht?

Neben Schreibtischstühlen und Tischen von Vitra finden sich in den von uns eingerichteten Räumen vor allem die Möbel unseres Partnerunternehmens Walter Knoll.

Was verbindet Mercedes-Benz und Walter Knoll?

Beide Marken sind Traditionsunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, die nach Perfektion und Innovation streben. Die Sessel, Sofas und Tische von Walter Knoll werden auch noch heute am Firmensitz in Herrenberg produziert, gepolstert und genäht. Sie stehen für Qualität und Handwerk „Made in Germany“, sind moderne Klassiker und werden nach Entwürfen internationaler Designer gefertigt.

In einem früheren Interview sagten Sie, dass Sie mit Ihrem Team von architare keine standardisierte Wohlfühlatmosphäre abliefern, sondern Räume „kuratieren“ möchten. Wie haben Sie diesen Anspruch bei Wackenhut umgesetzt?

Die Einrichtung der neu gestalteten Etage für Wackenhut zeichnet sich nicht nur durch Möbel aus, deren Qualität den Automobilen entspricht. Sie nimmt auch Bezug auf die Markenbotschaft von Mercedes-Benz und Wackenhut. Gleichzeitig verweist sie auf den Standort Baden-Baden.

Das zeigt sich zum Beispiel in der Auswahl der Farben: Dunkles Tannengrün, sonniges Orange, leuchtendes Himmelblau und warmes Braun bringen das Farbspektrum des Schwarzwaldes in die Räume. Die Materialien spiegeln ebenfalls die regionale Verbundenheit wider. Bei einigen Wänden wurden Holzschindeln angedeutet, wie sie für die Schwarzwaldhäuser typisch sind.

Bei dem Verwaltungsgebäude von Wackenhut handelt es sich um eine Bestandsimmobilie. Wie haben Sie es geschafft, hier eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich sofort wohlfühlt?

Für die Wohlfühlatmosphäre sorgen warme Farben und natürliche Materialien wie Holz und Leder, aber auch hochwertige Stoffe und Teppiche. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Hüppi-Lounge, die ihren Namen einer modernen Installation des Künstlers und Bildhauers Thaddäus Hüppi verdankt.

Eingerichtet mit elegantem Ledersofa, individuell angefertigtem Seidenteppich und den „Healey Lounge“-Sesseln von Walter Knoll, die eine Hommage an die Sitze legendärer Classic Cars sind, entsteht hier eine moderne Wohlfühlatmosphäre. Sie unterscheidet sich klar von einem kühlen Businessumfeld und erinnert bewusst an ein elegant eingerichtetes Wohnzimmer.

Welche Gestaltungskriterien spielten bei den Büros der Mitarbeiter die größte Rolle?

Herrn Wackenhut war es sehr wichtig, Büroräume zu schaffen, in denen sich seine Mitarbeiter wohl- und wertgeschätzt fühlen. Das Backoffice sollte deshalb genauso repräsentativ sein wie der Verkaufsraum. Hier waren hochwertige Designermöbel gefragt.

Die Gesundheit der Mitarbeiter spielte bei der Einrichtung ebenfalls eine große Rolle. Wir haben deshalb die Büros mit variablen Sitz- und Steh-Tischen für ergonomisches Arbeiten ausgestattet. Ein besonderes Detail sind die Schreibtischstühle von Vitra. Sie sind mit verschieden farbigen Stoffen bezogen. Die Idee dahinter ist, dass jeder Mitarbeiter seinen ganz persönlichen Lieblingsstuhl auswählen kann.

Sie beschäftigen sich bei architare seit vielen Jahren mit neuen Arbeitswelten. Gehört zur Realisation eines „New Work“-Konzepts unweigerlich die Abschaffung des Chefbüros?

Nein, das kommt immer ganz auf das Unternehmen an. Mit Sicherheit ist heute für viele Branchen das Open-Space-Büro, in dem der Chef mitten unter seinen Mitarbeitern sitzt, das passende Arbeitsumfeld. Auch wir haben in den letzten Jahren zahlreiche Office-Konzepte mit Collaboration-Area realisiert, die die Kommunikation und das kreative Arbeiten fördern.

In vielen Firmen wird aber zusätzlich auch das Chefbüro, in dem vertrauliche Gespräche hinter verschlossenen Türen stattfinden können, weiter Bestand haben.

Wie haben Sie das Büro der Geschäftsleitung bei Wackenhut gestaltet?

Herr Wackenhuts Anliegen war es, dass sein Büro nicht Ausdruck von hierarchischen Strukturen innerhalb des Unternehmens ist. Er wünschte sich die gleiche Wertigkeit wie in den Büros seiner Mitarbeiter.

Diesen Wunsch haben wir auch hier mit den eleganten Möbeln von Walter Knoll umgesetzt. Sie stehen auf der einen Seite für Understatement, gleichzeitig hinterlassen sie mit hochwertigen Materialien wie Nussbaum und Leder einen nachhaltigen Eindruck. So entsteht ein Ambiente, das der Bedeutung der Gespräche mit Kunden und Gästen gerecht wird.