Mercedes-Benz-Arena Neues Stadion braucht Nachschlag

Von Frank Rothfuss 

Umbau der Mercedes-Benz-Arena drei Millionen Euro teurer – VfB nimmt mehr ein als geplant.

Stuttgart - Schnell musste es gehen. Gerade einmal 810 Tage lagen zwischen Baggerbiss und Premiere. Das hat seinen Preis. Der Umbau der Mercedes-Benz-Arena und der Bau der Scharrena haben 77,8 Millionen Euro gekostet. Das sind drei Millionen mehr als kalkuliert.

Der Unkenrufe gab es viele. Unvergessen, wie ein Stadtrat, seines Zeichens Architekt, ausführte, er habe nachgerechnet und wisse nun, dass allein die Vergrößerung des Dachs 30 Millionen Euro kosten würde. Andere Skeptiker teilten mit, man könne so nah am Neckarufer den Rasen nicht 1,30 Meter tieferlegen, das Stadion würde mit Wasser volllaufen. Es sei denn, man würde für ungeheuer viel Geld eine Wanne bauen. Bisher haben die VfB-Kicker trockene Füße, und nun zeigt sich, dass auch die Kosten im Rahmen geblieben sind.

Insgesamt hat die Bauherrin, die Stadion Neckarpark GmbH & Co. KG, mit 74,766 Millionen Euro für den Umbau des Stadions in eine reine Fußballarena und den Einbau der 2000 Besucher fasenden Scharrena in die Untertürkheimer Kurve gerechnet. Nunmehr hat die Gesellschaft dem Aufsichtsrat die Abrechnung präsentiert. Demnach muss man 77,810 Millionen Euro zahlen. Das entspricht einer Steigerung der Kosten von 3,044 Millionen Euro, 4,07 Prozent. Die Scharrena kostet statt der kalkulierten 13,57 Millionen Euro nun 15,3 Millionen Euro. Die sei der aufwändigen Gründung und der Konstruktion der Betonträger geschuldet, die mit einer Länge von 38 Metern die Halle überspannen. Das zusätzliche Geld muss der Gemeinderat bewilligen, die Scharrena ist ein Projekt der Stadt.

2008 hat der Gemeinderat dem Umbau zugestimmt

Das Stadion kostet statt 61,2 Millionen Euro nun 62,928 Millionen Euro. Also 1,728 Millionen Euro mehr. Dafür sei vor allem der straffe Zeitplan und ein äußerst harter Winter verantwortlich. Dieses Geld muss die Stadion Neckarpark GmbH aufbringen. Deren Geschäftsführer Martin Rau sagt: „Wir sind hochzufrieden mit diesem Ergebnis.“ 2008 habe der Gemeinderat den Beschluss gefasst das Stadion umzubauen, wenn man die Steigerung über diesen Zeitraum betrachte, sei diese nicht sehr groß. Es habe sich ausgezahlt, dass man während des Baus großen Wert auf Kostenkontrolle gelegt habe. Zusätzliche Mittel brauche die Gesellschaft nicht, die höheren Kosten können „im Rahmen der ursprünglichen Kalkulation des Businessplans und durch günstigere Finanzierungskosten abgebildet werden.“

So spricht der Geschäftsmann. Um zu erklären, wo das Geld herkommt, muss man allerdings ausholen. 2008 hat der Gemeinderat dem Umbau zugestimmt. Der lange umstritten war, weil die Laufbahn entfernt wurde und damit keine Leichtathletik mehr in der Mercedes-Benz-Arena stattfinden kann. Um die Stadträte zu überzeugen, dass alle Partner dabei nur gewinnen, dachten sich VfB, Stadt und Mercedes ein kompliziertes Konstrukt aus.

VfB zahlt mehr als kalkuliert

Mercedes hatte zwar schon für die Namensrechte am damaligen Daimlerstadion bezahlt, ließ sich aber eine erneute Umbenennung in Mercedes-Benz-Arena 20 Millionen Euro kosten. Dieses Geld bekam der VfB. Er stockte die Summe um sieben Millionen Euro auf und brachte sie als Einlage an der Stadion Neckarpark GmbH & Co KG ein. Zweiter Partner ist die Stadt. Sie hält an der Gesellschaft 60 Prozent. Somit gilt sie als städtische Tochter und bekommt günstigere Zinsen als hätte der VfB alleine umgebaut. Diese Gesellschaft finanziert den Umbau über Kredite.

Zwei Tranchen über je 20 Millionen Euro hat sie aufgenommen. Man hatte kalkuliert, dafür jährlich 4,5 Prozent Zinsen zahlen zu müssen. Tatsächlich sind es 3,8 Prozent. Dadurch spart man laut Rau 260.000 Euro an Zinszahlungen. Dieses Geld ist also zusätzlich vorhanden, um die höheren Kosten zu bezahlen. Zudem zahlt der VfB mehr als kalkuliert. Eine fixe Pacht von 5,2 Millionen Euro zahlt der VfB je Jahr an die Stadiongesellschaft. Hinzu kommt eine variable Pacht, die von den Zuschauereinnahmen abhängig ist. Hier hat man für die vorige Saison mit 43 000 Zuschauern und 1,1, Millionen Euro kalkuliert. Weil aber 55.000 Zuschauer im Schnitt kamen, erhöhte sich diese variable Pacht auf 1,4 Millionen. Zusätzlich zahlt der VfB Betriebskosten sowie die Wartungs- und Instandsetzungskosten. Das sind 3 Millionen Euro im Jahr.

Trotzdem ist der VfB rundum zufrieden. Stefan Heim ist VfB-Direktor und wie Rau Geschäftsführer der Stadion Neckarpark GmbH. „Das Stadion ist ein Erfolgsmodell.“ Der VfB habe für die erste Saison nach dem Umbau mit 4,4, Millionen Euro höheren Einnahmen kalkuliert. Weil mehr Zuschauer kamen, sind es 6,1 Millionen Euro geworden. Er hat also 1,7 Millionen Euro mehr zur Verfügung, als im Etat verplant. Die Stadt spart sich die Betriebskosten von 3,5 Millionen Euro, die sie bis zum Umbau als Besitzerin des Stadions trug. Und bekommt jährlich 800.000 Euro Erbpacht von der Stadiongesellschaft.

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