Mercaden Böblingen wird zur Einkaufsstadt

Von Ulrich Hanselmann 

Das 120 Millionen Euro teure Shopping-Center am ehemaligen Busbahnhof soll 2014 öffnen.

Böblingen - Es kann losgehen: Der Bauherr und Betreiber des Einkaufstempels hat die Baugenehmigung bekommen. Die Region wird um 24.400 Quadratmeter Verkaufsfläche reicher.

Wer einige Monate lang nicht mehr in Böblingen war, reibt sich verwundert die Augen. Der Weg zum Bahnhof an der Talstraße ist versperrt. Die Straße ist eine Baustelle, neue Versorgungsleitungen werden verlegt. Auch der Bahnhof ist nur bedingt nutzbar. Er wird umgebaut und erweitert, der Aufzug ist außer Betrieb. Gleich gegenüber, auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofs, türmen sich Erdhaufen. An dieser Stelle wird aber schon bald eine tiefe Baugrube ausgehoben. Hier entsteht das neue Shopping-Center, das Böblingen wieder zu einer Einkaufsstadt machen soll.

„Ich freue mich ganz arg, dass Sie sich für diese Stadt entschieden haben“, sagt Böblingen Oberbürgermeister Wolfgang Lützner (CDU). Die Worte gelten Herbert Krämer, dem Chef der HKM Management AG in Bergisch Gladbach. Krämers Unternehmensgruppe ist Bauherr und Betreiber des Einkaufszentrums. Lützner hat am Donnerstag in Böblingen Krämer die Baugenehmigung in die Hand gedrückt. „Willkommen in unserer Stadt, Sie können anfangen.“

Die Hälfte der 100 geplanten Geschäfte ist bereits vermietet

Das wird Krämer auch tun. Doch bevor die Baugrube ausgehoben wird, greifen Abrissbagger an. Der Chef des mittelständischen Unternehmens mit Sitz in Nordrhein-Westfalen hat nämlich außer dem alten Busbahnhofgelände noch weitere Grundstücke gekauft. Das anfangs mit 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche geplante Zentrum wird so deutlich größer. 24.400 Quadratmeter auf drei Ebenen sind es nun. Dazu kommen noch Gastronomie und Dienstleistungen. Von den rund 100 Läden ist laut Krämer bereits die Hälfte vermietet. Als einen der Ankermieter kündigte er am Donnerstag die Lebensmittelkette Edeka an. Für Kunden wird es 850 Parkplätze geben. Veranschlagte Kosten: 120 Millionen Euro.

Mit 24 400 Quadratmeter Verkaufsfläche reiht sich das Böblinger Shopping-Center unter den großen Einkaufszentren in der Region Stuttgart ein. Zum Vergleich: Breuningerland Ludwigsburg ( 35.000 Quadratmeter Verkaufsfläche); Breuningerland Sindelfingen (32.600); Leo-Center Leonberg (27.000); Remspark Waiblingen (25.000); Schwabengalerie Vaihingen (23.000); Cannstatter Carré (22.000); Neckarcenter Esslingen (21.500); Sterncenter Sindelfingen (20.000).

Ein Konkurrent, das Breuningerland Sindelfingen, hat bereits auf die Entwicklung in Böblingen reagiert. Breuninger-Chef Willem van Agtmael will weitere 9800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. Er hat dies Anfang Mai mit der „dynamischen Veränderung der Handelslandschaft“ in der Region begründet. Die Bauvoranfrage liegt im Sindelfinger Rathaus. Einzelhändler in der Innenstadt haben bereits protestiert. Eine erste Diskussionsrunde im Gemeinderat soll es noch vor den Sommerferien geben.

„Wir wollen die Innenstadt beleben und verlorene Kaufkraft zurückbringen“

Die Erweiterung des Breuningerlands Ludwigsburg war Ende 2011 gescheitert. Die dortigen Stadträte wollten den Einzelhandel in der Innenstadt vor dem Ausbluten schützen. Die Breuninger-Standorte liegen an den Stadträndern. Das Böblinger Shopping-Center befindet sich im Zentrum. „Wir wollen die Innenstadt beleben und verlorene Kaufkraft zurückbringen“, sagt Krämer.

Das wünschen sich auch Lützner und die Böblinger Stadträte. Die Große Kreisstadt hat ihren einstigen Ruf als Einkaufsstadt längst verloren. 2003 gab Karstadt ein siebenstöckiges Kaufhaus am Busbahnhof auf. Es war über Jahrzehnte hinweg der Magnet für Kunden aus dem Landkreis und darüber hinaus gewesen. Hertie hatte das Kaufhaus 1966 eröffnet. Teile des Hochhauses sind inzwischen in Wohnungen umgewandelt worden, die österreichische Unternehmensgruppe Lutz-Neubert verkauft seit 2005 auf mehreren Stockwerken Möbel. In angrenzenden Einkaufsstätten, im City Center und im Kaufzentrum, ist der schleichende Niedergang seit Jahren zu beobachten.

Mit dem neuen und modernen Einkaufszentrum soll in Böblingen alles besser werden. Krämer will im Herbst 2014 eröffnen. Er rechnet mit 15.000 bis 30.000 Kunden pro Tag und spricht von 600 bis 650 neuen Arbeitsplätzen. Seit Donnerstag steht auch fest, wie das Shopping-Center heißen wird: Mercaden. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen mercatus (Markt) ab.

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