In Menstruationszelten werden Alternativen zum Tampon vorgestellt. Foto: goalgirls

Für viele ist die Monatsblutung immer noch ein Tabuthema. Dabei sollte sie gefeiert werden, findet Kaddie Rothe. Zusammen mit ihrer Schwester hat sie Menstruationszelte auf deutsche Festivals gebracht. Wir haben gefragt, wieso.

Berlin - Ohne die monatliche Menstruationsblutung gäbe es keine Menschen auf der Erde. Sie macht die weibliche Bevölkerung fruchtbar und trotzdem wird der Tampon in der Hosentasche versteckt und die Periode oft als unrein empfunden. Die Schwestern Kaddie und Helena Rothe wollen sich das nicht länger mit ansehen.

Mit ihrer Werbeagentur „goalgirls“ bringen sie im Sommer sogenannte „Red Tents“ (englisch für „rote Zelte) auf drei deutsche Festivals, um dem Tabudenken ein Ende zu setzen. In den roten Zelten soll die Monatsblutung mit einem Cocktail in der Hand gefeiert werden. Kaddie Rothe erklärt, wieso.

Frau Rothe, etwas Vergleichbares gibt es noch nicht. Wie kam es zu Ihrer Idee ein „Red Tent“ aufzumachen?
Unsere Agentur ist mit Girlpower angetrieben. Female Empowerment ist der Antrieb hinter den meisten unserer Projekte. Die Idee zum Red Tent war ein Impuls aus unserer Kooperation mit dem Menstruationstassenhersteller Lunette. Die Konversationen und Fragen, die bei diesem Projekt aufkamen, waren der Grund, warum wir uns so ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben. Wir haben festgestellt, dass es vor allem in der Generation vor sozialen Medien immer noch als Tabuthema behandelt wird. Unter anderem um darüber aufzuklären soll es das Red Tent geben.
Auf welche Informationen sind Sie bei Ihren Nachforschungen gestoßen?
Es gibt viel zu wenig Aufklärung zu Produktalternativen zum Tampon und den Zyklus im Allgemeinen. Wir sind bei unserer Recherche auf die Problematik und die Schädlichkeit von Tampons bis hin zur Versteuerung der sogenannten ‚Damenhygieneartikeln’ als Luxusgüter gestoßen. Es kann nicht sein, dass die Hälfte der Gesellschaft sich im Stillen mit diesen Dingen abfinden muss, einmal im Monat nachweislich leistungsschwächer ist und das Ganze von Arbeitgebern und dem Großteil der Gesellschaft ignoriert wird.

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Wir haben von Cocktails und bequemen Kissen im Zelt gelesen. Welches Programm erwartet Besucher in den „Red Tents“?
Unser Red Tent ist Teil einer Kampagne die einen offeneren Umgang mit dem weiblichen Zyklus unterstützt. Das Red Rent wird ein Ort des Austauschs aber auch einfach eine lockere Art das Periodenthema anzugehen. Neben Aufklärung, „Period Pampering“ [Anm. d. Red.: Methoden, um Periodenschmerzen erträglicher zu machen] und Ernährungstipps bieten wir auch Workshops mit Experten rund um das Thema Zyklus an und verschiedene neue Unternehmen werden revolutionären Produkte verstellen. Man kann aber auch einfach abhängen, Bloody Marys trinken und über einer stigmafreien und gleichberechtigten Zukunft diskutieren.
Müssen Besucherinnen ihre Periode haben, um beim Menstruations-Yoga teilnehmen zu können?
Nein, auch Frauen, die gerade nicht ihre Periode haben, sind eingeladen, am Menstruations-Yoga teilzunehmen. Yoga tut der Seele immer gut! Es wird erklärt, worauf man beim Yoga während der Periode achten sollte und welche Übungen sich besonders gut bei Periodenkrämpfen eignen. Wertvolle Tipps die ausprobiert werden können, wenn es das nächste Mal so weit ist.
Nun wollen Sie sicher niemanden aus den Zelten ausschließen. Sind männliche Interessierte auch willkommen?
Männer sind ebenfalls herzlich willkommen. Es wird auch zu dieser Thematik Talks und Workshops geben – wir bekommen da tolle Unterstützung aus dem Team von Einhorn, einem anderen Berliner Start-Up. Wir werden Männerbärte rot färben - so können sie zeigen, dass sie Teil der Bewegung sind. Denn während Männer oft noch einen Teil des Problems darstellen, wollen wir sie aufklären, mit einbeziehen und sie so zum Teil der Lösung machen.
Auf einem Festival ziehen die Zelte sicher nicht nur Interessierte, sondern auch betrunkene Schaulustige an. Wie gehen Sie damit um?
Da vertrauen wir auf unsere weibliche Intuition und bleiben souverän. Dass das Thema eine solche Aufmerksamkeit hervorruft, ist genau der Grund, weshalb wir tun, was wir tun. Periode sollte nichts sein, wofür Mädchen sich schämen und worüber Jungs lachen.
Das Projekt erfreut sich im Moment großer Aufmerksamkeit. Haben Sie vor die „Red Tents“ auch in den Süden Deutschlands zu bringen?
Vorerst sind das Tech Open Air, Melt Festival und Lollapalooza [Anm. d. Red.: Die Festivals sind alle in und um Berlin] geplant. Aber wir starten nun eine Crowdfunding Aktion, um das Projekt weiter ausbauen zu können. Wir merken, dass der Bedarf da ist und freuen uns sehr über den großen Support. Wir hoffen also, dass die Nachricht hinter dem „Red Tent“ auch Süddeutschland erreicht.

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