Trockenheit in Deutschland: Beim Klimawandel ist die Landwirtschaft ein Teil des Problems. Sie könnte aber auch Teil der Lösung sein. Foto: dpa

Die Menschheit nutzt die vorhandenen Landflächen viel zu intensiv und zerstört damit ihre eigene Existenzgrundlage. Doch es gebe auch Hoffnung, heißt es im neuesten Bericht des Weltklimarates.

Berlin - Der Weltklimarat schlägt Alarm: Im Kampf gegen den Klimawandel müsse die Menschheit die Wälder und Landflächen auf dem Planeten besser schützen. Andernfalls werde die Erhitzung der Erdatmosphäre an Fahrt gewinnen und die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit Lebensmitteln in Gefahr geraten, heißt es in einem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Sonderbericht des einflussreichen Gremiums. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte, nicht länger zu warten und jetzt ambitionierte Entscheidungen für mehr Klimaschutz zu fällen. Ein Überblick.

Was ist überhaupt der Weltklimarat?

Der Rat ist das führende Wissenschaftler-Gremium zum Thema Klimawandel. Ihm gehören Experten aus allen Weltregionen an. Gegründet wurde der Rat 1998 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen sowie der Weltorganisation für Meteorologie. Der offizielle Name lautet Intergovernmental Panel on Climate Change, abgekürzt IPCC. Der Weltklimarat legt regelmäßig Sachstandsberichte und Sondergutachten zur Erderhitzung vor. Hunderte Wissenschaftler tragen dafür ihre Erkenntnisse zusammen. Meinungsunterschiede zwischen den Experten werden in den Berichten benannt. Der IPCC hat seinen Sitz in Genf, 2007 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Worum geht es in demneuesten Sonderbericht?

Der Report beleuchtet den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landnutzung. Wälder, bewachsene Landflächen und Moore sind gigantische Kohlendioxid-Speicher. Verschwinden sie oder werden sie in ihrer Funktion gestört, können auch weniger Treibhausgase gebunden werden. Der Mensch nutzt die Flächen immer intensiver, insbesondere durch eine auf Leistung getrimmte Land- und Forstwirtschaft. „Die Nutzung durch den Menschen beeinflusst über 70 Prozent der globalen, eisfreien Landoberfläche“, heißt es in dem Bericht. Etwa ein Viertel davon sei bereits in seiner Funktion gestört. Auch der Klimawandel selbst schädigt die Landflächen – etwa durch Extremwetter-Ereignisse wie Hitzewellen, Starkregen oder Überschwemmungen.

Wie lauten die Kernaussagen?

Die Landflächen auf der Erde stehen unter großem Druck. Sie können allerdings auch einen Beitrag dazu leisten, den Klimawandel zu bekämpfen. Dafür müsste der Mensch etwa im großen Stil Wälder wiederaufforsten, Ökosysteme renaturieren und sorgsamer mit Agrarflächen umgehen. „Das Land kann aber nicht alle Probleme lösen“, betonte am Donnerstag einer der Co-Autoren, Professor Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Es führe kein Weg daran vorbei, auch den Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren. Bis zu 37 Prozent der menschengemachten Treibhausgas-Emissionen stammen laut Bericht aus der Produktion von Nahrungsmitteln. Verbraucher sollten nach Ansicht der Experten weniger Fleisch essen und verstärkt auf pflanzliche Kost setzen. Mit Blick auf die Ernährung der Menschheit heißt es: „Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken, da das Ausmaß und die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, die die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen, steigen wird.“

Wie weit ist der Klimawandel fortgeschritten?

Laut dem IPCC-Bericht beträgt der weltweite Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit 0,87 Grad. Über den Landflächen, die sich schneller erhitzen als die Meere, sind es bereits 1,53 Grad. Die Staatengemeinschaft hatte sich Ende 2015 im Pariser Klimaabkommen dazu verpflichtet, die Erwärmung der Atmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts nach Möglichkeit auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Wie reagiert die deutsche Politik?

Umweltministerin Schulze nahm die Präsentation am Donnerstag zum Anlass, erneut für eine ambitionierte Klimapolitik zu werben. „Der Bericht des Weltklimarats zeigt: Klimaschutz ist eine Existenzfrage für uns Menschen. Denn der Klimawandel gefährdet unsere Ernährungs- und Lebensgrundlagen“, sagte sie. Die Land- und Forstwirtschaft sei ein Opfer dieser Entwicklung. Aber als wichtiger Verursacher derselben sei sie zugleich auch ein Teil der Lösung beim Klimaschutz. Schulze sagte, die anstehende Reform der EU-Agrarförderung sei eine gute Gelegenheit, in Europa mehr Anreize für mehr Klimaschutz zu setzen. Auch ihre eigenen Kabinettskollegen nahm Schulze in die Pflicht. Am 20. September will die Regierung grundlegende Entscheidungen in Sachen Klimapolitik fällen, zahlreiche Ressorts sind daran unmittelbar beteiligt. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte mit Blick auf den jüngsten IPCC-Bericht und das Klimakabinett: „Ich erwarte, dass dort wirklich relevante Vorschläge gemacht werden, kein Klein-Klein mehr, keine Minischritte, sondern relevante, klare Vorschläge zum Kohleausstieg, zur Verkehrswende und zur Flächennutzung.“

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