Auch im neuen Wohnhaus an der Holzwiesenstraße werden die künftigen Bewohner wie hier im bereits bestehenden Wohnhaus an der Griebenäckerstraße gemeinsam mit den Mitarbeitenden kochen. Foto: Diakonie Stettten

Die Diakonie Stetten errichtet in Plattenhardt ein Wohnhaus für 16 Menschen, die Unterstützung brauchen. Sie leben dann in kleinen, familiären Wohneinheiten.

Plattenhardt - Philipp Jickeli weiß schon genau, wie sein neues Zimmer aussehen soll: „Ich will eine grüne Wand“, sagt der 28-Jährige. Er ist geistig behindert und kann deshalb nicht alleine leben. Zurzeit wohnt er in einer Wohngruppe im Schloss auf dem Gelände der Diakonie Stetten, doch die Wohnungen entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Daher baut die Diakonie Stetten ein Wohnhaus in Plattenhardt an der Holzwiesenstraße, in dem Philipp Jickeli und 15 Mitbewohner aus dem Schloss wohnen können. Der Umzug ist im Oktober 2021 vorgesehen. „Das Wohnhaus gliedert sich in seine Umgebung ein und ist nicht als Wohnheim zu erkennen“, sagt Hannah Kaltarar, eine Sprecherin der Diakonie Stetten. Der soziale Träger baue bewusst kleinere Wohneinheiten, dezentral und mitten in der Gesellschaft.

Ziel sei es, dass die Hausbewohner so normal wie möglich leben können. „Die Wohngruppen sind relativ kleine Wohneinheiten. Sie sind familiär. Somit haben die Bewohner und Bewohnerinnen eine hohe Lebensqualität und können durch die entsprechende Assistenz so selbstständig wie möglich leben“, sagt Kaltarar. Selbstbestimmung und Selbstverantwortung würden bei den Bewohnern zu einer hohen Zufriedenheit beitragen, „da sie die Akteure ihres Lebens sind“.

So viel Normalität wie möglich

Geplant sind im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss jeweils eine Wohnung für sechs Personen mit Einzelzimmern. Es gibt gemeinsame Wohn- und Essbereiche mit Terrasse oder Balkon. Für selbstständigere Bewohner gibt es im zweiten Stock vier Einzelappartements mit eigener Küche und eigenem Bad.

Nur unweit des Neubaus hält die Diakonie Stetten an der Griebenäckerstraße bereits seit 2012 ein Gebäude, in dem ebenfalls Menschen mit Unterstützungsbedarf leben. „Wir sehen uns als einen Standort an, der sich in allen Dingen unterstützt. Sowohl personell als auch bezogen auf gemeinsame Aktivitäten, Ausflüge und so weiter“, sagt Hannah Kaltarar. In der Nachbarschaft fühle man sich willkommen. Das bestätigt Lena Jenny, Wohnverbundleiterin des Kommunalen Wohnverbunds Filderstadt der Diakonie Stetten: „Wir fühlen uns im Ort gut angenommen. Die Leute hier kennen uns und sind uns wohlgesonnen.“

Einleben und teilnehmen

Auch zur evangelischen Kirchengemeinde gebe es guten Kontakt. Vor Corona seien einige Bewohner aus der Grieben­äckerstraße regelmäßig von Ehrenamtlichen in die Gottesdienste begleitet worden, sie nahmen an Gemeindefesten oder am Liederkranz teil.

Lena Jenny ist optimistisch, dass sich auch die Bewohner des neuen Wohnhauses schnell in Plattenhardt einleben werden. Die Sozialarbeiterin setzt sich dafür ein, dass die bestehenden Kontakte zum Treff Uhlberg 25, einem Begegnungsraum verschiedener Akteure, ausgebaut werden. „Zwar kam uns jetzt Corona dazwischen, aber ich hoffe, dass wir uns hier in Zukunft noch mehr einbringen können“, sagt Lena Jenny.

Für die Menschen mit Behinderung sei die Pandemie eine schwere Zeit, sagt Kaltarar. Ihre Tagesstruktur sei durcheinandergeraten. Viele Werkstätten, in denen die Hausbewohner arbeiten, würden ein Wechselschichtmodell fahren, um die Mindestabstände einhalten zu können. „Für viele sind Strukturen außerordentlich wichtig, sie geben Sicherheit und Orientierung, und dies fehlt immer wieder in diesen Zeiten“, sagt Kaltarar.

Info Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich einzubringen, kann sich bei Lena Jenny melden unter Telefon 07 11/21 74 38 81 01 oder per Mail an Lena.Jenny@diakonie-stetten.de.

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