Summ, summ, summ, Bienchen summ herum – im Falle des Alten Friedhofs in Stuttgart-Möhringen aber bitte nur in bestimmten Bereichen. Foto: dpa/Fabian Sommer

Der Alte Friedhof in Stuttgart-Möhringen, der mittlerweile ein Park ist, soll ökologisch aufgewertet werden. Aber wo und wie genau, da herrscht Uneinigkeit. Denn manch einer sieht einen Konflikt zwischen spielenden Kindern und stechenden Insekten.

Möhringen - Die Verwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht. Im Mai war sie vom Möhringer Bezirksbeirat aufgefordert worden, ein Pflanzkonzept zum Insektenschutz für den Alten Friedhof zu entwickeln. Damals waren die Mauern erneuert und dadurch der Blühstreifen davor in Mitleidenschaft gezogen worden. Nun sollte er so neu bepflanzt werden, dass er Insekten eine Nahrungsgrundlage bietet. So stand es in einem von den Grünen formulierten Antrag, der mehrheitlich angenommen wurde. Gleichzeitig sollte die Verwaltung die Kosten schätzen, damit der Beirat entscheiden könne, ob er die Neupflanzung mit Mitteln aus seinem Budget unterstützt.

In der jüngsten Sitzung erklärte Sebastian Pochert nun, dass ein Blühstreifen bei der Friedhofsmauer für Insekten nicht sehr hilfreich sei. Der Bereich sei schlicht zu schattig. Für die kleinen Tierchen könne auf dem Alten Friedhof aber durchaus etwas getan werden. Er sprach von der Schaffung von Kleinststrukturen für Bienen und Co. Diese könnten auch einen pädagogischen Wert haben. Schließlich gebe es in der unmittelbaren Nähe auch einen Kindergarten. Mit Hilfe des Alten Friedhofs könne dargestellt werden, wie ein naturnaher Garten aussehen und funktionieren könne. Als Beispiele nannte er Insektenhotels und Totholzbereiche. Denn die kleinen Summer und Brummer bräuchten nicht nur Nahrung, sondern eben auch Baumaterialien und Nistplätze, wenn es ihnen gut gehen soll.

Der Innenbereich soll freigehalten werden

Auf Pocherts Präsentation, die vorerst nur als Ideensammlung zu verstehen ist, lagen die Standorte für diese Dinge mitten auf der grünen Wiese im Innenbereich. Das habe seinen Grund, erklärte der Sachbearbeiter vom Umweltamt auf Nachfrage. Denn die Insekten bräuchten die Sonne und die Wärme. An den Rändern des Geländes sei es zu schattig, um ihnen wirklich was Gutes zu tun.

Die Grünen konnten den vorgestellten Ideen viel abgewinnen. Hartmut Ellinger lobte den pädagogischen Ansatz und sprach von einer „ökologischen Aufwertung für die Insekten und für die Möhringer“. Er schlug vor, auch Schautafeln aufzustellen, um den Besuchern des Parks zu erklären, was Bienen und Schmetterlinge brauchen und warum unter anderem abgestorbene Äste dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die CDU hingegen protestierte. Der Bezirksbeirat habe sich dafür ausgesprochen, dass der zentrale Bereich des Friedhofs freigehalten und zum Beispiel kein Weg mitten hindurch gelegt werde. Dort sollen Kinder Platz zum Spielen haben. So sei es beschlossen worden, als es um ein Gesamtkonzept für die Neugestaltung des Geländes gegangen sei. Stationen für Insekten mitten auf der grünen Wiese seien da ein Widerspruch. Und weil Insekten zuweilen auch stechen, könne das obendrein gefährlich sein.

Auch Tanja Bachmann (FDP) sprach von einem Konflikt zwischen Insekten und Kindern. Die Tiere würden sich nicht wohlfühlen, wenn in unmittelbarer Nähe getobt werde, und die Kinder könnten gestochen werden. Dieter Bernhardt (SPD) monierte, dass zumindest das Gesamtkonzept noch fehle.

Auch mit wenig Geld könnte viel gemacht werden

Das räumte Anja Neupert vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt ein. Dafür sei im Doppelhaushalt kein Geld bereit gestellt worden. Kleine Maßnahmen für Insekten könnten aber vorgezogen und später in das Gesamtkonzept eingebunden werden. Sie habe für eine eventuelle Umsetzung die Auszubildenden des Garten- und Friedhofsamts gewinnen können, so dass auch mit vergleichsweise wenig Geld viel gemacht werden könne, weil nur die Materialkosten bezahlt werden müssen.

Es brauchte letztlich eine Stunde Zeit und eine Sitzungsunterbrechung, ehe über den Tagesordnungspunkt abgestimmt werden konnte. Schließlich einigte sich das Gremium darauf, dass die Verwaltung zwei mögliche Gestaltungsvarianten und deren Kosten ausarbeiten und vorstellen soll. Im Protokoll wurde vermerkt, dass sich der Bezirksbeirat an der Finanzierung beteiligen würde.

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