Wer radelt, muss auch mal rasten – und das Navi am Lenker darf auch mal ausruhen. Foto: Decksmann

Kolumnist KNITZ über eine wunderbare Errungenschaft der Neuzeit. Und den Begriff „selbsterklärend“.

Seit kurzem ist KNITZ stolzer Besitzer eines Navigationsgeräts fürs Fahrrad. Es ist schon der dritte Apparat dieser Art. Aber die beiden Vorläufer haben ihn mehr in die Irre geführt, als dass sie ihm den Weg gewiesen hätten.

 

Beim ersten Gerät, einem Billigheimer, musste man höllisch aufpassen, um ja nicht vom Kurs abzukommen. Geschah dies, hängte sich der Rechner auf und versagte seinen Dienst wie ein bockiges Maultier. Nummer zwei war sauteuer und hatte noch nicht mal eine Straßenkarte. Außerdem ging ihm bereits nach zwei Stunden ohne Vorankündigung die Puste aus. Aber im Umkreis von zwei Stunden kennt KNITZ so ziemlich jeden Stein, da braucht er keinen elektronischen Pfadfinder, um nicht verloren zu gehen.

Bei „mehrfacher Testsieger“ wird KNITZ weich

Nun also Gerät Nummer drei. KNITZ hat sich für einen mehrfachen Testsieger entschieden. Bei „mehrfacher Testsieger“ wird KNITZ weich. Außerdem hat ihn überzeugt, dass das Ding angeblich erst nach 16 Stunden in die Knie geht und „selbsterklärend“ sei.

Selbsterklärend stimmt. Das wurde schon nach den ersten Versuchen klar. KNITZ kam mit dem Ding zurecht, ohne sich erst durch 100 Seiten Gebrauchsanweisung kämpfen zu müssen. Sogar die Verbindung zu seinem Smartphone konnte er selbst herstellen, was wohl wichtig ist, um von dort Touren auf das Navi zu überspielen. Und wenn er mal gar nicht durchblickte, rief er eines seiner Kinder an. Die wussten weiter, ohne jemals selbst so ein Gerät besessen zu haben. Das ist wohl auch unter „selbsterklärend“ zu verstehen.

Die Alten brauchen die Jungen nicht nur für die Rente

Das ist übrigens ein Punkt, an dem augenscheinlich wird, wie wichtig es ist, für Nachwuchs zu sorgen. Es geht nicht nur darum, dass wir Renteneinzahler brauchen. KNITZ benötigt manchmal auch junge Menschen, die ihm zeigen, wie er mit den wunderbaren Errungenschaften der Neuzeit zurechtkommt.

Doch nun zur ersten Ausfahrt mit dem neuen Navi, die ihn am vergangenen Freitag nach Ravensburg führen sollte. KNITZ war angenehm überrascht, dass das Ding, anders als das Navi vom Auto, nicht spricht. Steht ein Richtungswechsel an, ertönt ein Pieps. Ein kleiner weißer Pfeil auf dem Display zeigt dann, wohin die Reise geht.

Er ging aufs Ganze, ganz ohne Karte

Gut, ein paar Mal hat KNITZ sich doch verfranzt, was aber weniger am Apparat, als an der Leseschwäche von KNITZ lag. Womöglich steht bald die Anschaffung eines neuen Lesegeräts fürs Radeln im Raum.

Irgendwo muss in KNITZ ein Zocker-Gen stecken, deshalb beschloss er aufs Ganze und ohne Kartenmaterial aus Papier auf Tour zu gehen. Das erhöhte insofern die Spannung, da KNITZ für die Strecke deutlich länger brauchte, als vom Navi vorhergesagt. Wäre das Ding ausgefallen, hätte er auf gute alte Methoden zurückgreifen und sich am Sonnenstand orientieren oder ortskundige Mitmenschen nach dem Weg fragen müssen. Als KNITZ schließlich am Ziel war, hatte der Navi-Akku noch Power, die auch für die Rückfahrt gereicht hätte. Nur der Akku von KNITZ war leer.

Beginn einer großen Freundschaft

Neulich war KNITZ auf einer Ausstellung, bei der es um KI ging. Ein Themenbereich war, inwiefern der Mensch zu Rechnern eine emotionale Beziehung aufbauen kann. KNITZ will, was das Rad-Navi betrifft, nicht zu hoch greifen, aber das könnte der Beginn einer großen Freundschaft sein.