Lange wurde über den Mensa-Neubau in Gerlingen diskutiert. 200 Schüler sollen dort gleichzeitig essen können. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Nach vielem Hin und Her wird am Mittwoch der erste Spatenstich für die neue Schulmensa in Gerlingen gesetzt. Der offizielle Fördermittelbescheid liegt aber noch nicht vor.

Die Älteren werden sich vielleicht noch erinnern: Es war Mitte der 2010er-Jahre, als in Gerlingen bereits darüber debattiert wurde, dass im Zuge der damals schon beschlossenen Sanierung und Erweiterung der Realschule auch ein großer zentraler Ort für die Speisung der Schüler des gesamten Schulzentrums benötigt werde.

 

Vermutlich, weil man in Gerlingen zu dieser Zeit aus der Vergangenheit noch gewohnt war, mit Ansprüchen nicht haushalten zu müssen – Stichwort „Gerlinger Standard“ – liefen die kalkulierten Kosten für das Bauprojekt bald aus dem Ruder. Mehr als zehn Millionen Euro waren schon anno 2018 des Guten zu viel: Gegen den Willen der Grünen zog der Gemeinderat die Reißleine.

Mensa-Frage kommt wie ein Bumerang zurück

Die Sache sollte verschoben werden, auch weil man sich plötzlich gar nicht mehr sicher war, ob eine zentrale Mensa für Grundschule, Realschule und Gymnasium überhaupt notwendig sei. Ein Fehler, wie sich zeigte: Denn spätestens mit der Verabschiedung des GaFög im Jahr 2021, dem Gesetz zur Förderung der Ganztagesbetreuung an Grundschulen, kam die Mensa-Frage wie ein Bumerang zurück.

Der Standort für die neue Gerlinger Mensa grenzt an das Schulgelände an. Foto: Simon Granville

Das Gesetz verpflichtete Kommunen nun, ab dem Schuljahr 2026/2027 die Ganztagesbetreuung an Grundschulen schrittweise einzuführen. Die verlässliche Versorgung mit Mittagessen für alle Grundschulkinder schließt das logischerweise mit ein.

Hinzu kommt: Weil auch Fünft- und Sechstklässler immer häufiger nachmittags Unterricht haben, war schnell klar, dass auch bei dieser Schülergruppe der Bedarf an Mittagessen steigen würde. 2024 musste die Stadt genau deshalb interimsmäßig sogar einen bis dahin fehlenden Mittagstisch für die Realschule und das Robert-Bosch-Gymnasium einrichten.

Trotz Einsparungen kostet die Mensa 6,5 Millionen Euro

Alles auf Anfang also: 2022 verabschiedete der Gemeinderat die Wiederaufnahme der auf Eis gelegten Mensapläne. Gestritten wurde in der Folge über vieles: von der Kapazität der neuen Mensa über deren Standort bis zum Verpflegungskonzept. Über Letzteres besonders ausgiebig. Einig war man sich im Gemeinderat dieses Mal jedoch beim Geld: Auch aufgrund der Erfahrung von 2018 sollte ein Kostendeckel die Selbstbeschränkung garantieren.

Das klappte nur so halb gut: 2024 ergaben die Kostenberechnungen des mit dem Mensabau beauftragten Stuttgarter Büros Wulf Architekten, dass auf der Grundlage der Vorgaben das Projekt 2,2 Millionen Euro über dem Kostendeckel von fünf Millionen Euro liegen würde. Eine lange Liste an meist kleinen Einsparungen sowie eine kreative Haushaltsjonglage bei den Kosten für die vorgesehene Photovoltaik-Anlage sorgten dann dafür, dass sich die Gesamtkosten für die neue Mensa schließlich bei prognostizierten 6,5 Millionen Euro einpendelten.

Nun wird also gebaut: Am sogenannten roten Platz auf rund 620 Quadratmetern. Das Gebäude in Holzbauweise soll zunächst 200 Schülern gleichzeitig Platz bieten, wobei in zwei Schichten gegessen werden soll. Sogar ein kleiner Außenbereich ist vorgesehen, der bei Bedarf Erweiterungspotenzial für die Mensa darstellt. Auf der Grundlage einer sogenannten Mischküche sollen die Speisen vor Ort frisch gekocht werden. Dabei sollen sowohl frische Produkte als auch vorgefertigte Komponenten zum Einsatz kommen.

Gerlingen hofft auf große Finanzspritze von Bund und Land

Etwas getrübt sein dürfte die Freude am Spatenstich am Mittwoch aufgrund der Tatsache, dass der Förderbescheid des Landes noch nicht vorliegt. Bis zu vier Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln, hieß es zuletzt, erwartet die Kommune als Unterstützung für das Großprojekt.

Angesichts der aktuellen Haushaltslage ist das kein Pappenstiel, zumal nachträgliche Baukostensteigerungen eher die Regel als die Ausnahme sind. Schon einmal war ein Förderantrag für den Mensaneubau wegen Überzeichnung des Fördertopfes gescheitert. Wie eine Sprecherin der Stadt mitteilt, liege aktuell zwar noch keine Förderzusage vor, sie „wurde uns jedoch für Anfang 2026 signalisiert“. Läuft alles nach Plan, soll die neue Mensa zum Schuljahresbeginn 2027/2028 in Betrieb gehen.