Ausgeklügelte Ingenieurskunst: alles läuft wie von selbst. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Schönes Geschirr in der Mensa? Eine neue Anlage in der Universität Vaihingen macht’s möglich. Das Ungetüm packt täglich das Besteck und das Geschirr von 6000 ausgegebenen Essensportionen.

Stuttgart - Ganz langsam fährt das Tablett dem riesigen Schlund entgegen. Seine Fracht – ein Teller, Besteck und zwei kleine Schälchen – wird gleich blitzschnell verschwinden: Wie von Zauberhand fliegen Messer, Gabel und Löffel mit ohrenbetäubendem Lärm nach oben, ein Greifarm nimmt sich die Schälchen vor. Während Speiseteller und Tabletts wie bei einer normalen Spülmaschine aufrecht gesteckt weiterfahren, werden die Schälchen auf den Kopf gestellt. Im Inneren der Superspülmaschine wäscht und trocknet dann eine vollautomatische Waschanlage einfach alles – auch sich selbst. 2,3 Millionen Euro hat die neue Maschine gekostet.

Was fast wie Science Fiction klingt, ist in Wahrheit ausgeklügelte Ingenieurskunst. Und die hatte die Vaihinger Mensa der Universität Stuttgart dringend nötig. „Unsere alten Spülmaschinen waren am Ende wirklich alt – 25 Jahre hatten die auf dem Buckel“, sagt Achim Bäuerle. Jetzt hat der Leiter der größten Mensa der Studierendenwerke Stuttgart endlich eine neue Spülanlage bekommen, denn ohne könnte er seiner Aufgabe gar nicht gerecht werden: Täglich müssen mehr als 6000 Mahlzeiten aufgetischt werden – und am Ende natürlich auch wieder abgeräumt werden.

Wohin mit den Essensresten?

Aber wohin mit dem ganzen Geschirr und den Essensresten, die dabei anfallen? Wenn die Mittagspause vorbei ist, fängt die Arbeit von Bäuerle und seinem Team erst richtig an. „Mit den alten Vollautomaten hatten wir hier in der Spülküchen ein tropisches Klima“, erinnert er sich. Der 55-Jährige musste dabei gegen das Getöse der Waschanlage anbrüllen. Zwar nutzt die neue Anlage geschickt die Hitze, die beim Spülen entsteht, um Geschirr zu trocknen – unglaublich laut ist es aber immer noch: Neben dem Geräusch der Wasserdüsen trennt ein Magnet das eisenhaltige Besteck lautstark vom Rest des Geschirrs.

„Ohne den heißen Spüldampf herrscht hier endlich ein erträgliches Klima. Die Neue ist super“, findet auch Mitarbeiter Samuel Tewolde. Er arbeitet seit 16 Jahren in der Spülküche. „Die Neue“ ist dabei simpel zu bedienen. Sie wünscht ihrem Nutzer sogar einen guten Morgen, ein einziger Knopfdruck genügt und die Reinigung beginnt: 35 Tabletts pro Minute, pro Stunde sind das mehr als 4000 blitzblanke Teller und Tabletts. „Die Arbeit in der Spülküche war bis jetzt ein echter Knochenjob“, sagt Jürgen Neumann. Der Ingenieur baut für die Firma Horbat vollautomatische Großspülmaschinen, die in Großküchen auf der ganzen Welt stehen. „Sie sind umweltschonend, effizient und platzsparend“, sagt der 56-Jährige. Seit dem 8. Februar stehen zwei seiner Spülhilfen und eine Nassentsorgungsanlage in der Vaihinger Mensa.

Das Ungetüm wirk sieben Tonnen

Ein Kran musste dafür die insgesamt sieben Tonnen schweren Superspülmaschinen in das Gebäude heben. Matt glänzend wirken sie steril, auf zwei langen Fließbändern schlängelt sich das dreckige Geschirr perfekt angeordnet auf die Automaten zu. Dazu kommt die sogenannte Nassmüllentsorgungsanlage: Rohre winden sich an der Decke entlang bis hinunter in den Keller. Auf diesem Weg finden die Nassmüllüberbleibsel – sprich die Essensreste – ihren Weg in einen 10 000-Liter-Tank. Die Reste, knapp 800 Liter Müll pro Tag, werden durch ein Vakuum einfach in die Rohre gesaugt. „Nach zwei Wochen wird der Inhalt in eine Biogasanlage transportiert“, beschreibt Neumann den weiteren Weg.

Gemeinsam mit der Firma Edgar Fuchs hat der Ingenieur die Hightechanlage eigens für die Mensa in Vaihingen geplant und eingebaut. „Finanziert hat das Projekt größtenteils das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg, was uns sehr freut“, sagt Simone Hübener, Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart. „Das war schon lange unser Wunsch“, sagt Bäuerle. Angst davor, dass die Automaten seine Mitarbeiter ersetzen könnten, hat er nicht. „Wir haben jetzt mehr Mitarbeiter als davor“, so Bäuerle. Zwar arbeitet die Spülmaschine mit nur einem Knopfdruck komplett vollautomatisch. Mitarbeiter müssen aber trotzdem das Geschirr auf dem Fließband passend anordnen. Und da wäre ja noch die halbautomatische Maschine. In sie setzt Bäuerle große Hoffnungen: Während der Vollautomat nur Einheitsteller spült, reinigt der Halbautomat auch unterschiedlich große Teller. „Jetzt können wir unsere Gerichte endlich angemessen servieren“, schwärmt der Mensaleiter, der seit vielen Jahren hier arbeitet. Schön geschwungene Teller für die Pasta, große runde Pizzateller oder Porzellanschalen fürs Dessert – all das kann nun verwendet werden.

Am Ende eines Arbeitstags stapelt die Superspülmaschine die Teller zu handlichen Zehnerpacks, auch die Tabletts landen fertig gestapelt im Regal. Nur die Schälchen müssen von Hand einsortiert werden, sie stehen ja immer noch auf dem Kopf.

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