25 Jahre Selbstkochmensa am Elisabeth-Selbert-Gymnasium. Jeden Tag bereitet ein Team von Ehrenamtlichen um die Leiterin Cornelia Olbrich (Mitte) die Essen zu. Foto: Caroline Holowiecki

Die Mensa des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums im Filderstädter Ortsteil Bernhausen feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum. Das Konzept ist eine Besonderheit in Deutschland, denn die Einrichtung wird komplett ehrenamtlich geführt.

Die Brötchen sind fertig. Belegt mit Schinken, Schnittkäse oder mit Tomate und Mozzarella. Bergeweise wandern sie in die großen verglasten Kühlschränke der Mensa des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums (ESG) in Filderstadt-Bernhausen. Bald ist große Pause, dann werden viele aus der Schulgemeinschaft etwas Nahrhaftes zum Frühstück wollen. Es ist kurz vor 10 Uhr. Die sieben Frauen, die durch die Küche wirbeln, liegen gut in der Zeit. Aber es ist auch noch viel zu tun. Mehr als 200 Portionen Cevapcici mit Pommes frites wollen noch gekocht werden. Nach der sechsten Stunde werden Schüler, Lehrer und auch Besucher in die Schulmensa strömen.

 

Die Mensa des ESG ist eine Besonderheit in Deutschland: Sie ist komplett ehrenamtlich geführt und besteht seit 25 Jahren. Seit zwölf Jahren wird in einer eigenen Küche selbst gekocht, zuvor war das Essen geliefert worden. Cornelia Olbrich (67) aus Bonlanden war von Anfang an dabei und ist heute der Kopf eines Teams von 160 bis 170 Ehrenamtlichen. Die Koordination läuft über einen Verein. Cornelia Olbrich ist die Vorsitzende. Für ihren Einsatz ist sie jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Durch die vielen Freiwilligen können die Kosten für ein Essen plus Nachtisch sehr niedrig gehalten werden. Von 2,80 Euro pro Essen ist auf der Vereinshomepage die Rede. „Das alles ist möglich, weil in unserer Mensa keinerlei Personalkosten anfallen, die gesamte Arbeit wird von den ehrenamtlichen Kochteams geleistet, also Kochen, Spülen, Bestellung, Planung, Organisation“, liest man online. Hauptsächlich sind es Frauen, die sich engagieren. Weniger als zehn Männer schnippeln und brutzeln mit. Die Zutaten werden bei Lieferanten bestellt, zweimal die Woche wird aber auch bei einem landwirtschaftlichen Betrieb eingekauft. Alles muss minutiös geplant sein. Eine Person kann nur zwischen 10 und 14 Uhr, die nächste immer nur nachmittags. „Im Kern haben wir aber sogenannte Teams“, erklärt Cornelia Olbrich. Gerade jetzt in der Erkältungszeit sei immer wieder Flexibilität gefragt. „Wir haben noch nie einen Tag zumachen müssen wegen Personalmangels“, betont sie.

Noch nie war ein Tag wegen Personalmangels geschlossen

Die meisten, die sich für die Schichten einteilen lassen, haben Kinder oder Enkel am ESG. Auch zahlreiche Ehemalige sind darunter. „Diese Tätigkeit hört bei vielen nicht auf, wenn das Kind oder das Enkelkind weg von der Schule sind“, erklärt Cornelia Olbrich. Manche, aber das sind die Wenigsten, machen auch mit, obwohl sie gar keinen Bezug zum Gymnasium haben, darunter etwa Ukrainerinnen.

Die meisten Helfer kommen aus Filderstadt, aber nicht nur. Margot Bund (67) aus Aichtal ist heute zum ersten Mal dabei. „Mein Enkel ist hier eingeschult worden“, sagt sie. Ihre Tochter sei berufstätig, also sei sie als Oma eingesprungen. „Ich koche gern, schon immer“, sagt sie. „Die Kinder sollen ein gesundes Essen auf dem Teller haben“, betont Anja Steck (53) aus Stetten, während sie Tomaten abwäscht. Ihr Sohn besucht die achte Klasse am ESG, seit er hier eingeschult wurde, macht sie in der Mensa mit. Vorteil für sie und die anderen: An dem Tag, an dem ein Angehöriger kocht, zahlt der dazugehörige Mensa-Besucher nichts fürs Mahl.

Die Wertschätzung ist groß

Die Stimmung an diesem Vormittag ist ausgelassen. Jeder Handgriff sitzt. Hier werden Paprikastreifen, Gurkenscheiben und Kartoffelsalat zu einem Salatteller zusammengelegt, gegenüber wandern Erdnüsse, Lebkuchen und Schokolade auf einen Nikolausteller. 260 süße Portionen müssen bis zur Mittagspause entstehen.

„Die Wertschätzung ist sehr groß“, sagt Elfriede Brucker (71) aus Bonlanden. Kürzlich habe das ganze Team einen Ausflug nach Salzburg unternommen. Während Cornelia Olbrich den Rezepteordner wälzt, um die Zubereitung fürs vegetarische Kartoffelgulasch herauszusuchen, wird weitergeschafft – und lebhaft geplappert. Für Sybille Kroll (76) aus Möhringen ist das der Grund, einmal im Monat hierher zu kommen, und dies schon seit acht Jahren. Sie betont: „Es macht unheimlich viel Spaß.“

So viel kostet das Essen in Schulen

Staatliche Schulen
Schulessen in Filderstadt werden teurer. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einer Erhöhung der Kosten für das Mittagessen in den Mensen der Gotthard-Müller-Schule/Realschule Bernhausen und der Realschule Bonlanden ab dem 1. Januar von 4,30 auf 4,80 Euro pro Schülermahlzeit sowie von 4,80 auf 5,30 Euro pro Essen für andere Nutzer der Mensen zugestimmt. Außerdem wurde die Erhöhung der Kosten für das Mittagessen in der Schulkindbetreuung an den Filderstädter Grundschulen von 4,10 auf 4,50 Euro pro Essen gebilligt.

Gestiegene Kosten
Der Grund: gestiegene Kosten beim Lieferanten. Bei der Stadt bleiben in diesem Jahr überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 22 000 Euro für gestiegene Verpflegungskosten bei der Mensa hängen, im kommenden Jahr sind es 28 000 Euro.