Die Vollbeflaggung könnte täuschen: Das Rathaus in Mengen ist freitags künftig geschlossen. Foto: Stadt Mengen

Freitags sind sie nie da: alles redet von der Vier-Tage-Woche, eine kleine Stadt führt sie jetzt ein. Für die Mitarbeiter – und die Bürger – hat das allerdings einen kleinen Haken.

Als erste Stadt in Baden-Württemberg bietet Mengen im Kreis Sigmaringen ihren Mitarbeitern an, auf eine Vier-Tage-Woche zu wechseln. Man wolle damit auch einen Anreiz setzen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen, sagte der Bürgermeister Stefan Bubeck (CDU) laut einer Mitteilung der Stadt. Alle 220 Beschäftigten der Verwaltung und der Eigenbetriebe der 10 000-Einwohner-Stadt im Süden des Landes können nun künftig freitags daheim bleiben. Im April hatte schon die Stadt Wedel bei Hamburg ein ähnliches Modell verabschiedet.

 

Die Neuregelung, die in Mengen zum 1. Juni in Kraft tritt, gelingt ohne Lohnverzicht – allerdings auch ohne Arbeitszeitverkürzung. „Das ist nicht ganz so, wie die IG Metall sich das vorstellt“, räumte Bubeck gegenüber unserer Zeitung ein. Für Vollzeitangestellte bleibt es bei der wöchentlichen Regelarbeitszeit von 39 Stunden. Beamte müssen sogar 41 Stunden arbeiten. Es sei aber künftig zulässig, diese Zeit auf vier statt fünf Tage zu verteilen, wobei aus organisatorischen Gründen lediglich der Freitag zum Freimachen in Frage kommt. Dies entspreche auch dem Wunsch vieler nach einem längeren Wochenende und hat noch einen weiteren Vorteil: die verwaisten Büros müssen an diesem Tag nicht beheizt werden.

Und was ist mit dem Arbeitszeitgesetz?

Laut dem Arbeitszeitgesetz dürfen Arbeitnehmer pro Tag bis zu zehn Stunden arbeiten, allerdings nicht regelhaft. Dennoch soll das mit dem Personalrat ausgearbeitete Modell funktionieren. Denn im öffentlichen Dienst sind schon bisher sogarr bis zu zwölf Stunden am Tag erlaubt – wenn die Mehrarbeit innerhalb einer gewissen Zeit ausgeglichen wird. Das wäre bei der Vier-Tage-Woche der Fall. Zum anderen ist es auch möglich, so zu arbeiten, dass nur alle zwei Wochen ein freier Freitag anfällt.

Der Wunsch nach der so genannten Work-Life-Balance, also einem guten Gleichgewicht zwischen Beruflichem und Privatem, wachse auch innerhalb der Verwaltung. Das flexiblere Arbeitszeitmodell sei insbesondere für Teilzeitbeschäftigte interessant. Bubeck hofft darauf, dass manche Teilzeitkraft ihr Stundenkontingent nun erhöht – weil sie dennoch einen Tag mehr frei haben kann. Auch mit dem Homeoffice sei das Modell gut zu kombinieren.

Der Bürgermeister sieht sich als Trendsetter

„Mit der Vier-Tage-Woche sind wir Pioniere im öffentlichen Dienst. Ich bin mir aber sehr sicher, dass dieses Arbeitszeitmodell in fünf bis zehn Jahren zur Selbstverständlichkeit wird und branchenübergreifend bei vielen Arbeitgebern eingeführt wird“, sagte Bubeck. In vielen Stadtverwaltungen gebe es Überlegungen, bestätigte ein Sprecher des Städtetages. Noch sei aber nichts spruchreif.

Wie viele Mitarbeiter auf das neue Modell einsteigen, kann Bubeck noch nicht sagen. Vor allem bei der Kernverwaltung komme es wohl gut an. Allerdings werden die Bürger die Auswirkungen spüren. Künftig bleibt das Mengener Rathaus freitags für den Publikumsverkehr geschlossen. Auch werde die Verwaltung telefonisch nicht erreichbar sein. Um den Betrieb der Strom- und Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung sicher zu stellen, werde die Rufbereitschaft der technischen Mitarbeiter ausgebaut.

Und wie hält es Bubeck selbst mit der Vier-Tage-Woche? „Für mich kommt das eigentlich nicht in Frage“, sagte Bubeck gegenüber unserer Zeitung. „Ein Bürgermeister ist vielleicht nicht immer da, aber immer im Dienst.“