Nach monatelangem Streit um das Mela-Café im Haus der Katholischen Kirche ist nun überraschend eine Lösung gefunden. Die Pacht wird neu ausgeschrieben.
Im langwierigen Konflikt zwischen dem muslimischen Pächter des Mela-Cafés im Haus der Katholischen Kirche und dem Stadtdekanat Stuttgart ist eine Lösung gefunden. Beide Seiten haben sich auf ein Ende des Mietverhältnisses spätestens zum 30. Juni 2026 verständigt. Damit ist ein Streit beigelegt, der seit Monaten die Justiz beschäftigte und an der Königstraße für erhebliche Spannungen sorgte.
Der Betreiber des Mela-Cafés, das 2022 im Erdgeschoss des Hauses der Katholischen Kirche nahe des Schlossplatzes eröffnet hat, erhält die Möglichkeit, das Mietverhältnis früher zu beenden. Dafür genüge eine schriftliche Kündigung zwei Wochen vor Monatsende, war am Montag aus dem Stadtdekanat zu erfahren. Diese Regelung habe man gemeinsam vereinbart, um beiden Seiten Planungssicherheit zu geben.
„Die Richterin hat es schön auf den Punkt gebracht: Jetzt ist für beide Seiten ein Neuanfang möglich“, heißt es aus Verhandlungskreisen.
Mit der Einigung endet eine Phase, in der das Dekanat keinen neuen Pächter suchen konnte, weil die juristische Lage ungeklärt war. Das ändert sich nun grundlegend.
„Wir werden jetzt selbstverständlich aktiv nach einem Pächter oder einer Pächterin suchen, der oder die das Café übernimmt, da wir endlich Rechtssicherheit haben“, sagt Nicole Höfle, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Katholisches Stadtdekanats. Man sei zuversichtlich, eine attraktive Nachfolge zu finden – die Lage an der Königstraße unweit des Schlossplatzes gilt als eine der besten der Stadt.
Als die Katholische Kirche 2022 einen muslimischen Gastronomen als Betreiber auswählte, wurde das Projekt überregional gelobt: Es galt als Symbol für Offenheit, Toleranz und gelebten Dialog. Doch schnell trübte sich das Bild.
Der Konflikt mündete in eine Räumungsklage
Es kam zu Streit über mögliche Vertragsverletzungen, über die Nutzung und Reinigung gemeinsamer Sanitäranlagen, über offene Zahlungen, die der Pächter nach eigenen Angaben in Raten beglichen hat. Das Dekanat betonte stets, die Kündigung habe nichts mit der Religion des Wirts zu tun.
Der Konflikt mündete in eine Räumungsklage, bei der sich Gerichtstermine mehrfach verschoben haben – wegen Krankheit oder aus organisatorischen Gründen. Mit der nun gefundenen Einigung ist das Gericht entlastet – und die drohende Zuspitzung abgewendet.
Klare Position gegen Rassismus bezogen
Der Betreiber hatte wiederholt betont, dass sein Café trotz der Auseinandersetzungen wirtschaftlich sehr gut laufe. Er wollte ursprünglich bleiben und gleichzeitig nach Alternativen suchen – bisher vergeblich. Die Atmosphäre rund um das Café war zuletzt zusätzlich angespannt, nachdem es im Umfeld zu rassistischen Beleidigungen gekommen war. Das Dekanat reagierte umgehend und positionierte sich klar: „Gastfreundschaft und Freundlichkeit sind uns wichtig, Ausländerfeindlichkeit lehnen wir ab“, stand im Aushang, unterzeichnet von Stadtdekan Christian Hermes und Geschäftsführer Roland Weeger.
Mit dem nun vereinbarten Fahrplan kann das Kapitel geordnet geschlossen werden. Beide Seiten erhalten Zeit, neue Perspektiven zu entwickeln – und das Haus der Katholischen Kirche die Chance, sein Café an der Königstraße neu zu starten.