Beim Coffee to Go stellt sich dem Kunden die Frage: Mehrweg- oder Plastikbecher? Foto: dpa

Einweg ist kein Weg? Diese Überzeugung teilen viele Anhänger des Kaffees zum Mitnehmen nicht, obwohl Mehrwegbecher immer häufiger beworben werden. Nicht nur bei Kunden, auch in Cafés gibt es Vorbehalte.

Tübingen - Routine am Morgen: Ist der „Coffee to Go“ ausgetrunken, fliegt der Becher immer noch oft in den Müll - trotz der Verbreitung von Mehrwegbechern. Die umweltfreundliche Variante verbreitet sich aus Sicht mehrerer Initiatoren von Mehrwegangeboten nicht schnell genug. „Die Kunden nehmen es nur zurückhaltend an“, sagte der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das württembergische Bäckerhandwerk, Andreas Kofler.

Um den Pappbechern den Kampf anzusagen, fordert der Bäckerinnungsverband Baden die Unterstützung der Politik. Der Verbrauch von Plastiktüten sei nur durch eine Vereinbarung des Bundesumweltministeriums mit dem Handel zurückgegangen, wonach die Tüten nicht mehr umsonst sein sollten, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes, Ute Sagebiel-Hannich. „Ich denke, das wird bei den Bechern auch so laufen müssen.“ In Deutschland landen laut der Deutschen Umwelthilfe jedes Jahr fast drei Milliarden Einwegbecher auf dem Müll.

Probleme beim Pfandbecher „FreiburgCup“

Sagebiel-Hannich rechnet damit, dass es noch zwei Jahre dauert, bis der Gebrauch von Mehrwegbechern zur Normalität bei Verbrauchern wird. Die badischen Bäckereien beteiligen sich an der grenzüberschreitenden Becheraktion „Coffee To Go - Noch E Mol“ (Kaffee zum Mitnehmen - Noch ein mal), bei der die Becher verkauft wurden. Die Zahl der Kunden, die sie zum Wiederbefüllen dann auch mitbringen, lässt laut Sagebiel-Hannich aber zu wünschen übrig.

Auch beim Pfandbecher „FreiburgCup“ gibt es Probleme beim Rücklauf. „Leider wird ein Teil der gebrauchten Pfandbecher nicht zurückgegeben, sondern zuhause gelagert“, sagte der Pressesprecher der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH, Dieter Bootz. „Diese Trägheit entzieht dem Pfand-Kreislauf einige Becher und erhöht den Nachlieferungsbedarf.“ 28 000 „FreiburgCups“ sind im Umlauf, 105 Geschäfte machen beim Pfandsystem mit. Bootz spricht trotzdem von einer guten Akzeptanz in der Stadt.

Die Alternative zum Pfandsystem ist der Verkauf der Becher, der auch in Tübingen seit April 2016 läuft. Durch die Aktion „Besser Bechern“ wurden dort schon mehr als 8000 Trinkgefäße verkauft, wie eine Universitätsmitarbeiterin sagt, die die Aktion verantwortet.

Vorbehalte gegen mitgebrachte Mehrwegbecher der Kunden

Wer mit dem Ziel der Müllvermeidung seinen Mehrwegbecher im Café auf die Theke stellt, bekommt ihn allerdings nicht überall gefüllt. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga verteidigt Cafés, die Mehrwegbecher nicht in ihre Kaffeemaschine stellen. „Das hat nichts mit Trägheit, sondern mit Hygienevorschriften zu tun“, sagt Dehoga-Sprecher Daniel Ohl. Jeder Cafébesitzer müsse Hygienerisiken in seinem Betrieb kennen und beherrschen. Wer fremdes Geschirr annehme, verliere diese Kontrolle leicht - es sei denn, der Gastronom übernimmt das Spülen. Auch Befürworter müssten sich fragen, wie die Ökobilanz des Kaffeekaufs aussehe, wenn auch wegen weniger Becher die Spülmaschine angeworfen werden muss, so Ohl.

Für die Hygieneproblematik bei mitgebrachten Bechern haben beide Bäckerverbände im Südwesten eine pragmatische Lösung: Der Kaffee wird in ein Kännchen gefüllt und über die Theke gereicht, der Kunde kann dann umfüllen, erklären die Geschäftsführer. Die Lebensmittelüberwachung der Stadt Stuttgart vertraut indes auf das Augenmaß der Verkäufer, wenn sie Becher hinter die Theke nehmen müssen, um sie etwa in die Kaffeemaschine zu stellen. „Wir sagen: Nehmt keine total verdreckten Becher an“, so der Leiter der Dienststelle Lebensmittelüberwachung, Thomas Stegmanns. Es werde auch empfohlen, danach die Hände zu waschen. Der Grundsatz sei, dass Lebensmittel nicht nachteilig beeinflusst werden dürfen. „Es geht um heißen Kaffee - was soll damit passieren?“

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