Die Ausgestaltung des neuen G9-Gymnasiums läuft noch immer auf vollen Touren. Die Zeit drängt. Foto: Armin Weigel/dpa

Der Weg zurück zur neunjährigen Gymnasialzeit ist holprig. Die Zeit drängt, noch ist einiges nicht abschließend geklärt. Nun hat das Kultusministerium die vorliegende Stundentafel für G9 nochmals geändert. Kritik blieb auch in diesem Fall nicht aus.

Die Umstellung der derzeit achtjährigen auf eine wieder neunjährige Gymnasialzeit sorgt weiter für Unruhe an den Schulen. So hat das Land die Stundentafel, welche die Kultusministerin im Oktober bekannt gegeben hatte, nochmals verändert. So soll die erste Fremdsprache, die nach dem bisherigen Entwurf in den Klassenstufen fünf bis elf mit insgesamt 22 Wochenstunden vorgesehen war (wie im G8-Stundenkontingent), nun drei mehr und damit in dem Zeitraum 25 Schulstunden erhalten. So waren in den Klassenstufen fünf, sechs und sieben zuvor vier, drei und drei Wochenstunden vorgesehen, nun sind fünf, vier und vier Wochenstunden geplant.

 

Das Fach Religion/Ethik, das bis jetzt mit einer Summe von elf Wochenstunden in den Klassen fünf bis elf eingeplant war (ebenfalls wie in der G8-Stundentafel), soll nun 12 Stunden erhalten. Die zusätzliche Stunde ist in der elften Klasse vorgesehen.

Das Plus für diese beiden Fächer wird durch ein entsprechendes Minus bei den Wochenstunden anderer Fächer kompensiert. So sollen in Deutsch in der fünften bis zur elften Klasse nun doch keine 26, sondern 25 Wochenstunden unterrichtet werden (G8: 24). Auch Mathematik wird nach dem neuesten Plan von 26 auf 25 Wochenstunden reduziert (in G8 waren es 24). Überdies muss die Geografie eine ihrer bisher vorgesehenen neun Stunden abgeben (G8: sieben Stunden) und hat dann noch acht Wochenstunden. In der neunten Klasse wird dann gar keine Geografie unterrichtet. Und in der achten Klasse fällt eine von zwei Wochenstunden im Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung (WBS) weg, dann sind es insgesamt noch vier (G8: drei).

Erst am 18. Dezember wird das Gesetz beschlossen

Auch diese Tafel sei aber möglicherweise noch nicht die definitive Stundenverteilung. Man befinde sich noch in der Anhörungsphase, während der Verbände ihre Meinung dazu abgeben können, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Auch die jüngste Änderung ist als Folge der laufenden Beratungsphase zu sehen. Das neue Schulgesetz soll am 18. Dezember im Landtag beschlossen werden. An der nun vorliegenden neuen Stundenverteilung dürfte sich bis dahin vermutlich aber kaum mehr etwas ändern.

So könnte die künftige Stundentafel des neuen G9-Gymnasiums aussehen. Die Entscheidung fällt am 18. Dezember. Foto: Simone Kruljac

Das Ministerium erklärt die jüngsten Änderungen damit, dass „die Stärkung der ersten Fremdsprache mit insgesamt 25 Stunden von Klasse 5 bis 11 insbesondere vor dem Hintergrund der ähnlichen Stundenkontingente in der ersten Fremdsprache in anderen Bundesländern und der gemeinsamen Abiturprüfung (KMK-Abitur) in den Fremdsprachen Englisch und Französisch erfolgt“. Die zusätzliche Stunde im Fach Religion begründet das Kultusministerium „mit dem besonderen verfassungsrechtlichen Rang des Faches“.

Auch diese neue Stundentafel hat bereits Kritik hervorgerufen. So moniert das Netzwerk geographische Bildung Baden-Württemberg, dass in G9 neu für die Geografie „angesichts der immensen Bedeutung von Klimawandel und Nachhaltigkeit ein Aufwuchs an Stunden vorgesehen war“. Mit der jüngsten Änderung seien von den vorgesehenen „Innovationselementen“ nun aber „nicht mehr viel übrig“.

Dies weist das Ministerium zurück. Die neue Stundentafel enthalte „weiterhin die Innovationselemente, die Ministerin Schopper im Sommer vorgestellt hat“. Dabei kommt der Stärkung des MINT-Bereichs von Anfang an ein besonderes Gewicht zu. Im Vergleich zum Stundenkontingent von G8 gebe es „acht zusätzliche Stunden zur Stärkung der Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie, aber insbesondere auch zur Implementierung eines von Klasse 5 bis 11 durchgängigen Faches Informatik und Medienbildung“. Mit der „Stärkung des Grundlagenfaches Mathematik“ bekomme der MINT-Bereich neun zusätzliche Schülerwochenstunden. Die Fächer Deutsch, Mathematik, Geografie und WBS würden „weiterhin um eine Stunde gestärkt“.

Mit Pool-Stunden Schwerpunkte setzen

Ein Sprecher des Ministeriums weist darauf hin, dass die Schulen noch acht Pool-Stunden hätten. Zwar seien drei von diesen für bestimmte Zwecke vorgesehen (zwei fürs Mentoring, eine für Sport oder Musik), aber die verbleibenden fünf Stunden könnten mit eigenen Akzenten fürs Schulprofil oder für andere Themen verwendet werden.