Vom 1. Juni an kann in weiteren Gebieten in der Stuttgarter Innenstadt nicht mehr kostenlos geparkt werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Vom 1. Juni an kann in weiteren Gebieten in der Stuttgarter Innenstadt nicht mehr kostenlos geparkt werden. 17 Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung sollen die Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Stuttgart - Im Westen war 2011 der Auftakt, 2015 folgten die City und Zonen im Norden und Süden. Vom 1. Juni an legt die Stadtverwaltung beim Parkraummanagement in der Innenstadt nach. Alle Parkplätze werden allen Nutzern zur Verfügung gestellt, die Bewohnerparkgebiete mit ausgewiesenen Stellplätzen fallen weg. Das trifft Einwohner im Kernerviertel genauso wie im Justizviertel und am Stöckachplatz, in der Hack- und der Neckarstraße.

Lawine aus dem Europaviertel

Geradezu überschwemmt mit Autos aus halb Baden-Württemberg wird vor allem an Samstagen die Nachbarschaft des Europaviertels. Die Magnetwirkung des Einkaufszentrums Milaneo umschreibt die Verwaltung als „städtebauliche Entwicklung im Bereich der Wolframstraße“, die zu einem „überarbeiteten Ansatz“ beim Parkraummanagement geführt habe. Es wurden weitere Straßenzüge einbezogen. Ob der Parksuchverkehr und die Nutzung der gegenüber den Parkhäusern im Europaviertel billigeren Straßenstellplätze unterbunden werden kann, muss sich weisen.

380 Automaten wurden in Teilen der Bezirke Mitte, Nord, Süd und Ost aufgestellt, 13 Stellen zur Kontrolle geschaffen. Vier weitere Kräfte werden aus dem Westen abgezogen. Der Aufwand soll den Parkdruck für die rund 30 500 Einwohner in den neuen Gebieten mindern und vor allem Pendler von den Wohngebieten fernhalten.

17 Kräfte sollen kontrollieren

Nur mit Schildern und Automaten geht das nicht. Deshalb wird stark kontrolliert werden. Zumindest in den ersten beiden Jahren rechnet die Fachverwaltung pro Kontrollkraft mit jährlich 7500 Knöllchen. Die Falschparker würden demnach in den nächsten zwölf Monaten rund 130 000 Strafzettel liefern.

Gebühren sind im Oktober 2015 erhöht worden

Die Gebühren, die zum 1. Oktober 2015 erhöht wurden und die von 8 bis 22 Uhr bezahlt werden müssen, gelten auch in den neuen Zonen. Acht Minuten kosten zehn Cent, das Tagesticket 7,20 Euro. Bewohner mit Parkausweis (30,70 Euro pro Jahr) können ihr Auto kostenlos abstellen. In den Kurzparkzonen bleibt die Brötchentaste (30 Minuten kostenlos), acht Minuten kosten dann für alle zehn Cent, die Höchstparkdauer liegt bei zwei Stunden.

Als die Stadt das Parkraummanagement im Oktober erstmals ausweitete, wurde Kritik laut: „Der Handel braucht Verkehr“, sagte etwa Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. „Isoliert bringt die neue Parkordnung nichts“, argumentierte sie. Ihre Logik: wenn schon weniger Autos in die Stadt fahren sollen, müssten parallel der öffentliche Nahverkehr und das Parkleitsystem deutlich verbessert werden. Das sei nicht geschehen. „So wie es jetzt gemacht wird, ist das keine gute Idee“, so Hagmann. Die Händler litten wegen der Konkurrenz im Internet und der Einkaufszentren ohnehin unter weniger Kunden. Die Kritik von Hagmann wurde auch von Stuttgarts City-Managerin Bettina Fuchs geteilt. Der ÖPNV müsse attraktiver werden, so Fuchs.

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