Eine gut gefüllte MHP-Arena wird trotz der aktuellen Lockerungen für die Bundesliga-Basketballer aus Ludwigsburg noch in weiter Ferne liegen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Landesregierung hat die Regeln für die Zuschauerzahlen bei Sportveranstaltungen genauer gefasst. Sportministerin Susanne Eisenmann erhält dafür allerdings nicht von allen Seiten begeisterten Applaus.

Stuttgart - Fans willkommen? Ja – aber mit Einschränkung. Die Landesregierung hat die Bestimmung bei Profi-Spielen für eine Testphase bis 3. November konkretisiert. Bis dahin dürfen in Arenen mit einer Kapazität von bis zu 5000 Personen bis zu 1000 Menschen einen Wettkampf live verfolgen. Ist die Kapazität höher, sind maximal 20 Prozent der im Regelbetrieb zulässigen Zuschauer möglich. Voraussetzung: Feste Sitzplätze und das Einhalten der Mindestabstandsregel. „Viele Vereine, gerade in den Teamsportarten fernab der ersten und zweite Ligen im Fußball, leben ganz überwiegend von Ticketeinnahmen. Diese Lösung ist für die Vereine ein Schritt in die richtige Richtung“, betont Sportministerin Susanne Eisenmann. Das sehen jedoch nicht alle Clubvertreter rundum positiv.

Eishockey 20 Prozent oder 1000 Fans, das sind für die Schwenninger Wild Wings (DEL/Start 13. November) und die Bietigheim Steelers (DEL 2/6. November) viel zu wenig zum Leben, aber zu viel zum Sterben. Die Schwenninger Helios Arena hat 5200 Plätze, die erlaubte Zuschauerzahl liegt knapp über 1000, dürfte wegen der Abstandsvorgabe aber sinken. „Wir hatten ein wesentlich positiveres Signal für die Hallensportarten erwartet“, sagt Geschäftsführer Christoph Sandner, der 40 Prozent Auslastung als überlebensnotwendig erachtet, auch mit Blick auf die Nachwuchsarbeit.

Volker Schoch von den Steelers, die eine Etage tiefer antreten, schnappt bei den Worten „20 Prozent“ nach Luft. „Als Testphase für sechs Wochen ist dies akzeptabel“, sagt der Geschäftsführer, „das ist ein Anfang, dabei können alle Beteiligten beweisen, dass die Konzepte funktionieren. Und ich hoffe sehr, dass als Abschlussergebnis steht: Es geht, und es geht auch mit mehr Fans.“ Die Ege-Trans-Arena hat 4517 Plätze, es dürften somit 1000 Fans auf die Ränge, falls der Abstand gewahrt ist. Bestenfalls also etwas mehr als 20 Prozent. Für die Steelers nennt Schoch jedoch eine Auslastung zwischen „60 und 70 Prozent“, um wirtschaftlich ohne Verluste über die Runden zu kommen. Mit dem Get-Ready-Cup, einem Vorbereitungsturnier, wollen die Steelers bei drei Heimspielen ihr Hallenkonzept testen.

Handball Eine Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, doch der TVB Stuttgart tendiert dazu, seine drei Heimspiele gegen TuSEM Essen (7. Oktober), TBV Lemgo (18. Oktober) und SC DHfK Leipzig (29. Oktober) nicht in der Scharrena, sondern in der Porsche-Arena auszutragen. Dort wären gut 1200 Zuschauer möglich. Trotz des Entgegenkommens der Stadt in Sachen Miete, würde ein Umzug zum Zuschussgeschäft. „Die höheren Einnahmen in der Porsche-Arena werden von den Mehrkosten aufgefressen“, sagt Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, stellt aber klar: „Wir wollen alles dafür tun, dass so viele Menschen wie möglich zu unseren Spielen kommen können.“ Der TVB hat gut 1500 Dauerkarten-Inhaber. Allerdings müsse das Infektionsgeschehen stabil bleiben. Schweikardt: „Sonst kann das wie beim Fußball-Bundesligastart in München zum Stolperstein werden.“

Basketball Die MHP Riesen Ludwigsburg begrüßen die Regelung als ein „positives Zeichen“, so Sprecher Lukas Robert. Weniger die Zahl der zugelassenen Zuschauer wird beim Bundesligisten erfreut zur Kenntnis genommen, als vielmehr der damit eingeschlagene Weg der kleinen Schritte. Da die Riesen erst nach der Testphase ihr erstes Heimspiel austragen (6. November gegen BG Göttingen) hoffen sie darauf, sogar 30 oder 50 Prozent der maximalen Zuschauerzahl in der MHP-Arena (Kapazität: 4129 Besucher) ausschöpfen zu können. Für beide Werte wurde ein Hygiene- und Sicherheitskonzept beim Gesundheitsamt vorgelegt.

Volleyball Bundesligist Allianz MTV Stuttgart hat, unter Berücksichtigung der Abstandsregel, ein neues Konzept für die Scharrena aufgestellt – für 925 Zuschauer. Dieses liegt zur Genehmigung bei der Stadt Stuttgart. „Dann wären insgesamt rund 1000 Personen in der Halle. Das wäre eine Größenordnung, mit der wir einerseits finanziell einigermaßen über die Runden kommen würden“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „andererseits hätten wir auch wieder eine schöne Atmosphäre bei den Spielen.“ Trotzdem sieht Irion die neue Verordnung, die mehr Fans erlaubt, auch mit ein bisschen Skepsis, weil er die Entwicklung der Corona-Infektionszahlen alles andere als beruhigend findet. „Ich bin zwiegespalten. Knapp 1000 disziplinierte Fans beim Volleyball sind sicher machbar“, erklärt er, „doch klar ist: Je voller die Hallen und Stadien werden, umso schwieriger wird es, die Einhaltung der Hygienekonzepte zu gewährleisten.“

Amateurfußball Da die Verordnung nur für die drei höchsten Ligen gilt, dürfte sich für Oberligist Stuttgarter Kickers nichts ändern. „Die Botschaft ist erst einmal ernüchternd“, sagt Kickers-Geschäftsführer Matthias Becher, „doch wir kämpfen um mehr als 500 Zuschauer und befinden uns in guten Gesprächen mit der Stadt.“

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