Der Kran, der die Rotorblätter anhebt, ist 180 Meter hoch – ein richtiges Ungetüm. Foto: Gottfried Stoppel

Die erste Windkraftanlage am Goldboden (Rems-Murr-Kreis) ist nach witterungsbedingten Verzögerungen fertig montiert. Die Vollendung des zweiten Windrads soll schon am Mittwoch folgen.

Winterbach - Endlich ist das Wetter perfekt. Bei Windstille und leichten Plustemperaturen kann am Dienstagmorgen das erste Rotorblatt am Windpark Goldboden hochgezogen werden. Am Wochenende hatten die Mitarbeiter des Herstellers Nordex versucht, die Flügel so gut es geht eisfrei zu halten. Eine leichte Schneeschicht liegt zwar immer noch auf den 65 Meter langen Rotorblättern, aber offensichtlich ist das Sicherheitsrisiko nicht mehr so groß wie vergangene Woche, als die Montage witterungsbedingt kurzfristig abgesagt werden musste.

Der Mega-Kran zur Montage des Rotorblatts ist 180 Meter hoch

Der Flügel klemmt zwischen zwei Greifern eines Kranadapters, zudem sind drei Zugseile angebracht. „Mit diesen wird der Flügel bei Wind stabilisiert und austariert“, erläutert Michael Soukup, Teamleiter bei der EnBW und für den Windkraftausbau in Baden-Württemberg zuständig. Für ihn ist dieser Morgen etwas ganz Besonderes: Seit sieben Jahren begleitet er den Standort Goldboden und bereits bei seinem früheren Arbeitgeber hat er sich mit dem Projekt beschäftigt. „Jetzt wird es endlich wahr“, sagt Soukup und schaut zu, wie der 180 Meter hohe Kran den Flügel waagrecht und erstaunlich zügig nach oben zieht.

Doch bei der Montage des Rotorblattes ist nicht nur schweres Gerät im Einsatz. Oben, auf 164 Meter Höhe, ist echte Handarbeit angesagt. Der Flügel schwebt waagrecht neben der Öffnung der Nabe. Der Kranführer muss millimetergenau arbeiten: mit Hilfe einer Kamera führt er den Flügel so ein, dass die etwa 100 angebrachten Schrauben genau in die richtigen Bohrungen treffen. In der Nabe stehen zwei bis drei Mitarbeiter bereit – einer greift tatsächlich mit dem Arm hinaus und zieht den Flügel in Richtung Öffnung.

Insgesamt dauert es etwa 25 Minuten, dann steckt der Flügel wie gewünscht in der endgültigen Position. Bevor der Kranführer die beiden Greifer löst, werden im Inneren unzählige Muttern festgezogen. Sobald das Rotorblatt nicht mehr am Kran hängt, dreht sich die Nabe, damit es nach unten zeigt: „Das ist die Position mit der geringsten Belastung“, erläutert Michael Soukup. Dabei fallen auch die restlichen beiden Zugseile herunter – und einiges an Eis und Schnee.

Am Mittwoch sollen die Blätter an Anlage 1 montiert werden

Etwa eine Woche dauert es nach der Flügelmontage, bis das Windrad endgültig betriebsbereit ist und die ersten Kilowattstunden produziert. Am Stromnetz hängt die Anlage bereits – die Warnlichter für den Flugverkehr und andere Anlagenteile laufen schon. Oben am Maschinenhaus sind verschiedene Geräte zu erkennen. „Dort befindet sich zum Beispiel der Anemometer, mit dem die Windgeschwindigkeit und -richtung bestimmt wird“, sagt Soukup. Die Nabe werde immer so ausgerichtet, dass sie in der Hauptwindrichtung stehe.

An diesem Morgen wird auch an der Windkraftanlage 1 gearbeitet: Dort zieht der Kran zunächst noch das etwa 60 Tonnen schwere Maschinenhaus nach oben. Am Mittwoch sollen dort ebenfalls die drei Rotorblätter montiert werden. Damit befinden sich die Bauarbeiten endgültig auf der Zielgeraden.

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