Der sogenannte Düker ist gut 50 Meter breit und 53 Tonnen schwer. Foto: Gottfried Stoppel

Nach monatelanger Wartezeit ist es endlich so weit: Die Erdgas-Pipeline quert jetzt die Rems in Waiblingen. Wir waren dabei, als der riesige Düker in der Rems versenkt wurde.

Zentimeter um Zentimeter senkt sich der 53-Tonnen-Koloss nach unten, Richtung Wasser. Jetzt ist Präzisionsarbeit gefragt: An jedem Ende des riesigen Bauteils dirigieren Männer seinen Weg nach unten, indem sie an filigran wirkenden Seilen ziehen. Endlich ist es so weit: Das Mega-Rohr berührt das Wasser, sinkt immer tiefer und kommt schließlich zum Liegen.

 

Das Pipeline-Projekt Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) passiert damit einen wichtigen Meilenstein. Denn nur durch dieses riesige Rohrstück aus Stahl und Beton kann die Leitung die Rems bei Waiblingen passieren. Der seit Monaten erwartete Einbau des sogenannten Dükers hatte sich etwas verzögert, ursprünglich war ein Zeitpunkt Mitte Januar oder Anfang Februar kommuniziert worden. Auch in letzter Minute gibt es noch einige Unwägbarkeiten – wie das Leben auf einer Baustelle eben so spielt.

Hightech sorgt dafür, dass das Mega-Bauteil an den richtigen Platz gelangt

Lange lag der Düker am Remsufer – jetzt ist er im Fluss. Foto: Gottfried Stoppel

Auf der Rems schwimmt während der Verlegung auch ein seltsames kleines Vehikel – der sogenannte „Otter“ sorgt dafür, dass die Mitarbeiter oben den Grund trotz des trüben Wassers im Blick haben. Das GPS-gesteuerte Mini-Boot tastet den Untergrund mittels Fächer-Echolot ab. Sediment und Steine, die vom Fluss in die vorbereitete Grube getragen werden, werden mithilfe einer Spülpumpe entfernt.

Damit der Düker sicher an den Ort seiner Bestimmung kommt, ist am Ufer ein noch größerer Trumm nötig: Dort steht ein nagelneuer Schwerlastkran. Für ihn ist das 53-Tonnen-Leitungsstück ein Klacks: Bis zu 700 Tonnen kann er heben. Immer wieder blicken die Arbeiter besorgt nach oben, während der Düker in der Luft zu seinem Bestimmungsort schwebt. Das Wetter ist definitiv ein Faktor, und das beginnende Aprilwetter scheint heute besonders unberechenbar.

„Wenn es zu stürmisch wird, beginnt der Düker sich zu drehen – das können wir nicht gebrauchen“, erklärt ein Mitarbeiter, der die Verlegung beobachtet. Nachdem der Termin im Lauf des Tages immer weiter nach hinten verschoben wird, klappt es am Ende doch und der Düker versinkt in der für ihn vorbereiteten Rinne.

Das Projekt stößt auf einiges Interesse: Auf beiden Seiten des Ufers stehen Waiblinger mit Handys und Videokameras, um das Ereignis festzuhalten. Der Düker, der in der Vorbereitungsphase einige Monate am Remsufer lag, hat einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen – kein Wunder, bei einer Länge von mehr als 50 Metern.

Hin und wieder kommen an der Absperrung am Ufer auch Radfahrer vorbei. Trotz des erfolgreichen Dükereinbaus müssen sie sich weiterhin gedulden. Für die umfangreichen Nacharbeiten bleibt der Abschnitt zwischen der Geheimen Mühle Beinstein und dem VfL-Sportpark bis voraussichtlich Anfang Juli gesperrt. Die Umleitung führt nun über die Brücke am Mühlweg und die Waiblinger Straße bis zur Brücke an der Rundsporthalle. Auch Wassersportler sind von den fortgesetzten Arbeiten betroffen. Der Bereich der Rems zwischen dem Wehr an der Geheimen Mühle und der B14-Brücke bleibt während der Dauer der Bauarbeiten gesperrt.

Pipeline durch Süddeutschland: Das ist der Plan

Der Bau der Süddeutschen Erdgasleitung ist ein Großprojekt, das langfristig die Energieversorgung Baden-Württembergs sichern und die Energiewende unterstützen soll. Die insgesamt 250 Kilometer lange Leitung wird ab Herbst 2026 zunächst moderne Gaskraftwerke mit Erdgas versorgen und ist zukünftig für den Transport von Wasserstoff ausgelegt. Der 43 Kilometer lange Abschnitt zwischen Löchgau und Esslingen, der auch Waiblingen durchquert, wird seit Frühjahr 2025 gebaut und soll im Herbst dieses Jahres an das Bestandsnetz von Terranets BW angeschlossen werden. Die gesamte Pipeline soll laut Plan im Jahr 2032 fertig sein.