In dem Ärztehaus in Leinfelden befindet sich auch ein Augenzentrum. Dort sind sogar ambulante Operationen möglich.Foto: dpa/Jens Wolf Foto: dpa

In Leinfelden haben sich drei Praxen zusammengetan. Wir haben mit der Privatdozentin Julia Lamparter über die Vorteile eines Ärztehauses gesprochen.

Wie kam es zu der Gründung des Ärztehauses in Leinfelden?

 

Im Gebäude des jetzigen Ärztehauses befanden sich früher neben der weiterhin bestehenden Zahnarztpraxis Dr. Stapf eine Anwaltskanzlei, eine Bank und eine Krankenversicherung. Die Räume wurden kurz nacheinander frei. Das Augenzentrum unter Dr. Lamparter und das Hausarztzentrum unter Dr. Wertenauer haben ähnliche Vorgeschichten. Beide Praxen waren unter ihren Vorbesitzern seit über 30 Jahren in Leinfelden etabliert. Im Zuge der Praxisübernahmen sind sie aufgrund eines Versorgungsengpasses stark gewachsen. Auch das Behandlungsspektrum hat sich vergrößert. Das Augenzentrum bietet mittlerweile beispielsweise auch ambulante Operationen oder intravitreale Injektionen an. Die alten Praxisräume waren daher nicht mehr ausreichend. Die Idee eines Ärztehauses mit eigenem OP-Zentrum war so schnell geboren, und die drei Disziplinen – Augenheilkunde, Hausarztpraxis und Zahnarztpraxis – haben sich perfekt ergänzt.

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Welche Vorteile bietet aus Ihrer Sicht ein Ärztehaus?

Für die Ärztinnen und Ärzte ist der medizinische Austausch in der eigenen Praxis sowie auch fächerübergreifend ein großer Pluspunkt. Genaugenommen sind es ja noch mehr Fachdisziplinen: Augenheilkunde, Anästhesie für die Betreuung der Augen-OP-Patienten, Innere Medizin, Notfallmedizin, Zahnmedizin. Jeder Arzt hat wiederum Spezialgebiete. Das macht es sehr vielseitig und interessant. Patienten und ihre Krankheitsbilder können so unter Umständen viel ganzheitlicher und umfänglicher betrachtet werden, als dies früher in einer für sich alleine lokalisierten Einzelpraxis der Fall war. Auch sind hier die kurzen Wege sehr praktisch, die immer wieder auftretende, interdisziplinäre Rückfragen und Absprachen möglich machen.

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Und was die Arbeitszeiten betrifft?

Das Arbeiten in einem großen Ärzte- beziehungsweise Praxisteam innerhalb einer Praxis, wie sie sich im Ärztehaus befinden, hat da ganz wesentliche Vorteile: Es können deutlich flexiblere Arbeitszeitmodelle geschaffen werden, die im Vergleich zur Einzelpraxis ein deutlich familienfreundlicheres Arbeiten ermöglichen. Im Augenzentrum beispielsweise starten einige Ärztinnen, Ärzte und Fachangestellten bereits morgens um 7 Uhr die Sprechstunde, um nachmittags für die Familie da zu sein oder früher Feierabend zu haben. Andere starten, nachdem sie die Kinder in Schule und Kindergarten gebracht haben. Wieder andere arbeiten überwiegend am Nachmittag und Abend. Durch dieses überlappende Arbeiten können Arbeitszeiten also sehr auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Dies wird auch von den Patientinnen und Patienten sehr positiv aufgefasst. Denn Termine sind morgens vor oder abends nach der Arbeit oder einfach zwischendrin in der Mittagspause möglich.

Welche weiteren Vorteile bietet ein Ärztehaus für die Patienten?

Für sie ist der Nutzen wahrscheinlich am größten. Viele hatten schon die Jahre davor zwei oder sogar alle drei Praxen besucht und zeigten sich nun begeistert, alle Ärzte in einem Haus vereint zu haben. Dazu kommen die nun optisch sehr ansprechenden und mit neuester Technik ausgestatteten Praxis- und OP-Räume. Auch die zentrale Lage direkt neben der U-Bahn-Haltestelle Leinfelden-Unteraichen und dem Filder-Einkaufszentrum sowie die gute Parksituation sind zu nennen. Alle Praxen sind zudem barrierefrei zu erreichen. Auch wenn es bei den Disziplinen Hausarzt, Augenarzt und Zahnarzt auf den ersten Blick nicht den Anschein macht, kommt es bei verschiedensten Krankheitsbildern immer wieder zu Überschneidungen – da können kurze Wege von Vorteil sein.

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Im Leinfeldener Ärztehaus sollen zehn Ärztinnen und Ärzte arbeiten. Hinzu kommt weiteres Personal. War es schwierig, ausreichend Personal zu akquirieren?

Alle Praxen haben den Vorteil, schon lange etabliert zu sein. Aber gerade die Hausärzte am Weilerwald wie auch das Augenzentrum haben sich deutlich vergrößert und in diesem Zuge neues Personal eingestellt. Um gutes, engagiertes und motiviertes Personal zu finden, muss man den Mitarbeitern etwas bieten können. Dazu gehört neben einem guten Arbeitsklima und einer modernen, ansprechenden Atmosphäre natürlich auch die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Diese Möglichkeiten sind in einem modernen Ärztehaus mit großem Spektrum um ein Vielfaches größer und attraktiver als in einer für sich alleine stehenden Einzelpraxis. Flexible Arbeitszeiten, Teilzeitstellen und die Möglichkeit, sich persönlich und fachlich zu entwickeln, sind hier sicherlich ein maßgeblicher Schlüssel zum Erfolg. Auch das Ausbilden von Fachkräften wird bei uns im Ärztehaus großgeschrieben, was sowohl für die Auszubildenden wie auch für die Ausbilder eine große Bereicherung ist.

Ärztehaus Leinfelden

Zur Person
Julia Lamparter studierte Humanmedizin an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Nach ihrer Promotion arbeitete sie an der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz sowie am Moorfields Eye Hospital in London. Ihre Habilitation schrieb sie über den Grünen Star

Praxen
In dem Ärztehaus an der Max-Lang-Straße 72 in Leinfelden befinden sich die Zahnarztpraxis von Dr. Joachim Stapf, das Augenzentrum von Privatdozentin Julia Lamparter und die Hausarztpraxis von Dr. Hans-Jörg Wertenauer.