Beim Medizin-Studium in Baden-Württemberg soll es erstmal beim bisherigen Numerus Clausus bleiben. Foto: shutterstock

Wenn es um Änderungen des Numerus Clausus beim Medizin-Studium in Baden-Württemberg geht, will die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer die Zulassungsvoraussetzungen nicht korrigieren. Trotz Ärztemangels.

Stuttgart – Trotz eines immer größer werden Ärztemangels gerade in ländlichen Regionen lehnt es die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) ab, die Zulassungsvoraussetzungen für das Medizinstudium zu korrigieren. „Es gibt derzeit keine Anlass, Änderungen in den Auswahlverfahren herbeizuführen“, sagte Bauer unserer Zeitung und wies damit einen Vorstoß ihrer Kabinettskollegin, Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD), zurück.

Altpeter hatte sich in der vergangenen Woche in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) bei einer Podiumsveranstaltung zum Ärztemangel für eine Senkung des Numerus Clausus (NC) ausgesprochen. „Man muss nicht selbst einen Mangel produzieren“, hatte Altpeter gesagt und darauf hingewiesen, das es viele junge Menschen gebe, die sich für ein Medizinstudium interessieren würden, aber „kein Einser-Abi“ hätten: „Der Notendurchschnitt sagt doch aber längst nicht alles über die Qualifikation eines jungen Menschen für den Arztberuf aus.“ Wenn die jungen Leute allzu lange in der Warteschleife verharren müssten, um auf einen Medizin-Studienplatz zu hoffen, „entscheiden sie sich dann oftmals für einen anderen Studiengang.“

Doch Altpeters Kabinettskollegin Bauer teilte diese Ansicht nicht und will am Numerus Clausus für Medizin nicht rütteln. „Für die Berechnung des Numerus Clausus zur Zulassung zum Medizinstudium wird nicht nur die durchschnittliche Abiturnote herangezogen, sondern eine Kombination aus mehreren Kriterien“, sagte die Wissenschaftsministerin unserer Zeitung. Dazu gehörten das Abschneiden beim Medizinertest, Wartezeiten oder das Absolvieren sozialer Dienste und freiwilliges Engagement.

Widerspruch gegen das geltende Verfahren kommt aber nicht nur von der Sozialministerin, sondern nun auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). „Wir wissen, dass in den nächsten Jahren etwa 500 der 5200 Hausarztpraxen in Baden-Württemberg nicht wieder besetzt werden, weil die Ärzte altershalber aufhören und keinen Nachfolger finden“, sagte KV-Sprecher kai Sonntag dem Blatt. Angesichts der demografischen Entwicklung wachse aber der Bedarf an Medizinern. „Baden-Württemberg hat eindeutig zu wenig Ärzte“, sagte Sonntag und hielt dem Land vor, das Medizin-Studium an den Universitäten bedürfe dringend einer Reform. „Die Ärzte werden am Bedarf vorbei ausgebildet“, so Sonntag.

Der Großteil der ausgebildeten Ärzte bleibe an den Kliniken, wechsle in die Pharmabranche oder mache eine Facharztausbildung. „95 Prozent der Behandlungen finden aber ambulant statt.“ Das gesamte Medizinstudium gehöre deshalb „auf den Prüfstand“. Derzeit gibt es in Baden-Württemberg laut Ministerium rund 11000 Medizinstudenten.

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