Zehn bis 20 Millionen Deutsche leiden an einer nicht alkoholischen Fettleber. Die Zahlen variieren so stark, weil die Dunkelziffer vermutlich hoch ist. Foto: Jürgen Fälchle/Adobe Stock

Eine Fettleber wird nicht nur durch Alkohol, sondern auch durch falsche Ernährung verursacht. Die statistischen Zahlen variieren stark, die Zahl der Erkrankten ist vermutlich sehr hoch.

Stuttgart - Drei Millionen Leberzellen haben tagtäglich eine Menge zu tun: Sie entgiften den Körper, produzieren und speichern Eiweiße, verwerten im Körpergewebe freigesetzte Fettsäuren, verbrennen oder speichern sie und produzieren auch selbst Fette. Die Leberzellen machen einen guten Job, solange sich das Fett nicht ungezügelt in ihnen ansammelt und eine nicht alkoholische Fettleber (NAFDL) vorliegt. Von einer NAFLD spricht man, wenn zumindest zehn Prozent der Leberzellen Fettansammlungen enthalten. Die Fettleber bleibt zunächst unbemerkt, weil sie erst mal nicht wehtut. Aber sie kann ihre Aufgaben bei der Stoffwechselkontrolle nicht mehr richtig erledigen. Deshalb entgleisen allmählich die Blutzucker- und Blutfettwerte. Und es drohen noch viel mehr Schäden.

Dass eine Fettleber nicht nur durch Alkohol, sondern auch durch falsche Ernährung verursacht wird, ist noch nicht allen Menschen bewusst. Dabei leiden inzwischen zehn bis 20 Millionen Deutsche an einer nicht alkoholischen Fettleber. Die Zahlen variieren so stark, weil die Dunkelziffer vermutlich hoch ist. Man geht von 25 bis 35 Prozent der Erwachsenen hierzulande aus. Auch die Leber übergewichtiger Kinder und Jugendlicher kann „verfettet“ sein. Im Ul­traschall wird die mit einer Fettleber auftretende Größenzunahme leider erst erkennbar, wenn bereits 30 Prozent der Leberzellen betroffen sind. Leberwerte wie GOT, GPT und Gamma-GT, die einen Leberschaden anzeigen, geben bei einer Blutuntersuchung im ersten Stadium noch keinen Hinweis. „Hat jemand einen Prädiabetes mit Nüchternblutzuckerwerten zwischen 100 und 125 mg/dl und eine Insulinresistenz, ist das Risiko groß, dass er auch eine Fettleber hat“, so der Fettleber- und Diabetes-Experte Norbert Stefan, Professor für klinisch-experimentelle Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen. Doch nicht jede NAFLD ist eine Folge von Überernährung. „Etwa 30 Prozent der Menschen mit Fettleber sind insulinempfindlich. Bei ihnen kommt es genetisch bedingt ohne Insulinresistenz zur Fettleber“, berichtet Stefan.

Eine Fettleber kann schwere Erkrankungen nach sich ziehen

Eine Fettleber ist erst einmal harmlos. Aber sie kann Basis weiterer schwerer Erkrankungen sein. Das ist der Fall, wenn aufgrund der Fettansammlungen die Leberzellen zerstört werden und eine chronische Entzündungsreaktion in der Leber auftritt. „Eine nicht alkoholische Fettleberhepatitis, auch als nicht alkoholische Steatohepatitis (NASH) bezeichnet, entwickelt sich bei rund 30 Prozent der Patienten mit Fettleber“, sagt Christian Trautwein von der Klinik für Gastroenterologie der Uniklinik RWTH Aachen. In diesem Fall werden dann die Leberwerte auffällig.

Eine Entzündung kann bei ganz unterschiedlichen in das Stoffwechselorgan eingelagerten Fettmengen entstehen. „Bei manchen Menschen reicht bereits eine leichte Leberverfettung. Wenn jemand prädisponierende Gene hat, die zum Beispiel das Ausschleusen von Fett aus den Leberzellen verschlechtern, tritt eine Entzündung bereits bei leichter Fettleber auf. Je mehr dieser Gene vorhanden sind, desto leichter entsteht die Entzündungsreaktion“, so Trautwein. Bindegewebe ersetzt zerstörtes Lebergewebe. Es kann sich allmählich eine Leberzirrhose und im weiteren Verlauf ein Leberkrebs entwickeln.

„Zusätzlich kommt es bei Vorliegen einer NASH zu einer Entzündungsreaktion im ganzen Körper. Dieser Vorgang erklärt, warum sich die NASH negativ auf den Stoffwechsel, das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sowie auf das Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs auswirkt“, warnt Trautwein. Entzündungsvorgänge in der Leber führen bei Diabetes zu einem erhöhten Cholesterinspiegel und begünstigen so eben auch Gefäßkrankheiten. Außerdem kommt es infolge der Entzündungsreaktion zu schädigenden Eisenablagerungen in den Leberzellen.

Lebensstil ändern

Was den Stoffwechsel anbelange, verschlechtere sich zumeist die Insulinresistenz, das Diabetes-Risiko verdreifache sich. Laut Studien von Norbert Stefan liegt dies hauptsächlich an einer veränderten Abgabe von Lebereiweißstoffen – sogenannten Hepatokinen – in das Blut, die oft negative Wirkungen auf die anderen Organe ausüben. Auch der Gelenkknorpel leidet, wie eine Studie in „Scientific Reports“ kürzlich festgestellt hat. Es ist also in mehrfacher Hinsicht wichtig, so früh wie möglich eine Fettleber rückgängig zu machen.

Was können Betroffene tun? Zunächst mal ihren Lebensstil ändern. Dazu gehört eine fettreduzierte Ernährung und regelmäßig Bewegung. Doch nicht jeder Patient profitiert davon. Deshalb planen Mediziner wie der Fettleber-Experte Jörn Schattenberg vom Universitätsklinikum Mainz individualisierte Empfehlungen zu entwickeln. Wichtig ist hierfür das Beratungsgespräch zwischen Arzt und Patient und eine Online-Feedback-Plattform.

Forscher arbeiten auch an neuen Medikamenten. Die Wunderpille gegen die Fettleber gibt es derzeit leider noch nicht. Bei Patienten, die eine Fettleber und einen Typ 2-Diabetes haben, liegen Hinweise vor, dass das Medikament Liraglutid helfen kann. „Es wird zur Therapie des Typ-2-Diabetes und zur Blutzuckersenkung eingesetzt. Dabei hat sich gezeigt, dass Patienten dadurch auch Gewicht verlieren“, erzählt Stefan. Diesen Effekt wolle man bei der Fettleber ausnutzen. Bei Patienten mit fortgeschrittener Fettlebererkrankung und Typ-2-Diabetes kann das blutzuckersenkende Medikament Plioglitazon hilfreich sein, das die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen verbessert. Und es bewirkt, dass nicht zu viele freie Fettsäuren im Blut sind, die sich in der Leber ablagern können. „Allerdings ist Plioglitazon für diese Anwendung noch nicht zugelassen“, so der Tübinger Mediziner.

Diverse Präparate werden derzeit in Phase-II- und -III-Studien erprobt. „Wahrscheinlich ist für die medikamentöse Therapie der nicht alkoholischen Fettleber eine Medikamentenkombination nötig, um mehrere Krankheitsmechanismen gleichzeitig zu behandeln“, so Trautwein. Das klingt teuer und nach Nebenwirkungen. Besser wäre es, einer NAFLD vorzubeugen.

So beugt man einer Fettleber vor

Fett

Gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren ersetzen. Tierische Fette sind allesamt gesättigt und begünstigen die Leberverfettung. „Menschen, die nur wenige gesättigte Fettsäuren zu sich nehmen, haben tatsächlich seltener eine Fettleber“, betont Fettleber-Experte Norbert Stefan.

Kohlenhydrate

Schnell ins Blut aufnehmbare Kohlenhy­drate, wie sie etwa in Weißmehlprodukten enthalten sind, möglichst vermeiden. „Sie erhöhen innerhalb kurzer Zeit den Insulinspiegel. Hohe Insulinspiegel erhöhen die Fettsäurebildung zum Beispiel in der Leber und stehen in Verdacht, diverse Krebserkrankungen zu begünstigen“, so Stefan.

Proteine

Eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährung (DIfE) hat untersucht wie es sich auswirkt, wenn Fette durch Proteine in der Nahrung ersetzt werden. Das Ergebnis: Die Probanden nahmen zwar nicht viel Gewicht ab – bei vielen Patienten ging die Fettleber jedoch um 35 bis 48 Prozent zurück. Der Austausch führt zu einer Umstellung des Fettstoffwechsels.

Kalorien

Kein Fast Food und kompakte kalorienhaltige Nahrung essen, weil das Sättigungsgefühl erst verspätet einsetzt und zu große, dick machende Nahrungsmengen verzehrt werden.

Getränke
Keine Softdrinks, die letztendlich nur zusätzlich Kalorien bedeuten. Stattdessen besser Wasser trinken.

Suchtfaktoren

Nikotin und Alkohol sollte man als Kofaktoren für eine Fettleber meiden.

Sport

Möglichst viel körperliche Aktivität in den Alltag einbauen und regelmäßig Sport treiben. Bewegungsmangel begünstigt eine Gewichtszunahme

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