Foto: Ines Rudel

Sebastian Krupp, der bisher die Klinik in Ruit leitete, ist neuer Geschäftsführer der Medius Kliniken. Auf den 39-Jährigen warten große Aufgaben. Unter anderem muss das Krankenhaus in Ruit fit gemacht werden für die Zukunft.

Kreis Esslingen - Wir setzen auf Kontinuität und Stabilität“, sagte Landrat und Aufsichtsratschef Heinz Eininger, als er am Freitag den neuen Geschäftsführer der Medius Kliniken vorstellte. Sebastian Krupp folgt Thomas Kräh nach, der 2012 in finanziell schwierigen Zeiten – damals schrieb man ein Rekordminus von 14 Millionen Euro – die Verantwortung für die kreiseigenen Krankenhäuser übernommen hatte und sich nach erfolgreicher Konsolidierung nun zurückzieht, um sich mehr seinen Aufgaben als Unternehmensberater im Gesundheitswesen zu widmen. Der neue Kopf der gemeinnützigen, vom Landkreis Esslingen getragenen Gesellschaft ist ein Eigengewächs. Seit 2013 fungierte Krupp als Leiter der Klinik in Ostfildern-Ruit und gehörte in dieser Funktion als Prokurist der Geschäftsführung an. Nun steht er selbst an der Spitze der 3200 Mitarbeiter und 1066 Betten zählenden Medius Kliniken.

 

Die Bewältigung der Coronapandemie sieht der neue Geschäftsführer als seine derzeit größte Herausforderung. Aktuell seien an allen drei Klinikstandorten 34 an Covid-19 erkrankte Patienten in Behandlung, acht davon auf Intensivstationen, berichtet Krupp. Dank großer Routine, die sich Ärzte und Pflegekräfte in den vergangenen Monaten angeeignet hätten, sei die Lage an den drei Klinikstandorten Nürtingen, Kirchheim und Ruit im Gegensatz zu manch anderen Häusern im Bundesgebiet „gut beherrschbar“. Das Durchschnittsalter der Coronapatienten liege im Augenblick bei 59 Jahren.

Nahtloser Übergang

Man tue sehr viel dafür, um in diesen schwierigen Pandemiezeiten für größtmögliche Sicherheit und Vertrauen in der Bevölkerung zu sorgen, so Landrat Eininger. Das zeige sich beispielsweise an der Impfquote unter den Beschäftigten, die mit 81 Prozent schon bemerkenswert hoch sei. Mit Sorge sieht er, dass viele schwerstkranke Menschen aus Angst vor einer Infektion den Weg ins Krankenhaus scheuen. Diese Tendenz schmälere bei schweren Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt die Genesungschancen erheblich.

Er sei froh über den nahtlosen Übergang in der Unternehmensführung, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Krupp war schon vor seiner Zeit bei den Medius Kliniken im Management anderer Krankenhäuser tätig und sei, wie Eininger betonte, mit den Menschen, den Strukturen und den Prozessen bestens vertraut. Ebenfalls aus dem eigenen Stall kommt Krupps Nachfolger als Klinikleiter in Ruit. Philipp Henßler, der mit der Aufgabe betraut wurde, ist 31 Jahre alt und ein gebürtiger Esslinger. Bislang war er als kaufmännischer Leiter des Unternehmensbereichs Klinikservice tätig und dort auch mit den aktuellen Sanierungsprojekten in Ruit beschäftigt. In zwei großen Bauabschnitten soll die Klinik bis 2026 von Grund auf modernisiert und erweitert werden. Weit mehr als 100 Millionen Euro werden die Medius Kliniken dafür investieren. Ebenfalls eine große Baustelle ist derzeit die Klinik in Nürtingen, wo unter anderem ein Anbau für 72 Betten sowie ein Verwaltungsgebäude errichtet wird. Das Investitionsvolumen in Nürtingen liegt laut Geschäftsführer Krupp derzeit bei rund 30 Millionen Euro.

Weiter staatliche Hilfe nötig

Diese gewaltigen Aufgaben müssen die Medius Kliniken aus eigener Kraft sowie mit Hilfe von staatlichen Fördermitteln stemmen. Seit der Umstrukturierung sei der Landkreis bei der Finanzierung nicht mehr mit im Boot, betonte Landrat Eininger. Auch aus der Kreisumlage werde dafür kein Geld verwendet. Der Kreischef ist optimistisch, dass man diesen Kurs weiter fahren kann. Obwohl die Fallzahlen wegen der Coronakrise um rund zehn Prozent gesunken sind, schreiben die Medius Kliniken weiter schwarze Zahlen. Nach vorläufigen Ergebnissen habe man 2020 ein Plus von 9,3 Millionen Euro erwirtschaftet, erklärte Einiger. Das sei allerdings nur dank der staatlichen Rettungsschirme möglich gewesen. „Ohne diese Hilfen stünden wir viel schlechter da.“ Auch für dieses Jahr seien die Krankenhäuser dringend auf Unterstützung von Bund und Land angewiesen.

An Herausforderungen mangelt es den neuen Führungskräften nicht. Wie anderswo hat man in den Medius Kliniken mit Fachkräftemangel zu kämpfen, nicht nur in den Pflegeberufen. Ebenfalls ein großes Thema ist die Digitalisierung. Online-Terminbuchungen, Patientenportale, bessere Vernetzung mit den Kooperationspartner – da stünden viele Aufgaben an, sagte der neue Klinikleiter Henßler. Das sogenannte Krankenhauszukunftsgesetz eröffnet Möglichkeiten, dafür Mittel aus einem mit drei Milliarden Euro gefüllten Topf des Bundes zu bekommen.