Lange Schlangen vor Geldautomaten. Die Menschen in Russland beginnen die Sanktionen zu spüren. Foto: dpa/Christian Thiele

Pharmaprodukte sind von den Russlandsanktionen ausgenommen. Es ist aber wichtig, dass sie bei den Menschen auch ankommen, sagt Andreas Geldner.

Erinnert sich noch jemand an Sputnik? Jenen Impfstoff, den vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder über den Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn so mancher deutscher Politiker als Rettungsanker im Impfstoffmangel propagierte? Alle Projekte zu einer Produktion sind versandet, es gibt noch nicht einmal eine Genehmigung, weil die Russen den europäischen Genehmigungsbehörden nicht die nötigen Informationen geben konnten. Wladimir Putin hat damit über Monate Propaganda gemacht. Unwidersprochen.

 

Ende der Naivität

Und gerade deutsche Politiker gingen ihm dabei auf den Leim. Insofern ist dies eine Parabel für die Naivität des Umgangs mit Russland. Seit Jahren hat das Land auch aus strategischen Gründen versucht, im Pharmabereich unabhängig von Importen zu werden. Aber trotz aller Schikanen, trotz der relativ geringen Bedeutung des Pharmamarktes für deutsche Exporte wurde das Land auch von dieser Branche weiter hofiert.

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Es gibt in Russland bei der Medikamentenherstellung weiterhin eine Achillesferse: Die Produktion von vielen Arzneimitteln hängt von westlichen Vorprodukten ab. Auch wenn diese von Sanktionen ausgeschlossen sein sollten, ist noch offen, ob etwa Behinderungen des Zahlungsverkehrs solche Importe faktisch unmöglich machen. Viele Kranke in Russland kommen jetzt schon nicht mehr ohne Weiteres an für sie teils lebenswichtige Medikamente.

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Wer die russische Propaganda kennt, der ahnt, dass sie sich Bilder verzweifelter Patienten, die wegen westlicher Sanktionen nicht mehr ihre lebensrettenden Medikamente erhalten, sofort zunutze machen würde. Auch wenn dies angesichts des Elends in der Ukraine vollkommen zynisch wäre.

Keine Vorlage für die Propaganda

Der unter dem Diktator Saddam Hussein lange boykottierte Irak hat sich solche Kampagnen zunutze gemacht. Auch hier ist deshalb Klugheit gefragt. Solchen Beispielen sollte man frühzeitig nachgehen und gegensteuern. Abgesehen vom humanitären Aspekt ist das auch politisch geboten: Denn schließlich ist nicht das russische Volk der Gegner, sondern Wladimir Putin und seine Führungsriege.