Katharina Przybilla und Sylvia Anwender (von links) Foto: Claudia Leihenseder

Wie war das eigentlich, als es noch kein Telefon gab? Und wie funktioniert eigentlich so ein Smartphone? Ein Medienprojekt der Diözese bringt Alt und Jung zusammen. Die Ergebnisse sind in einer Ausstellung zu sehen.

Bad Cannstatt - Was war das mühsam früher, als es in vielen Häusern noch nicht einmal ein Telefon gab. Wer seine Hausaufgaben vergessen hatte, konnte nicht mal schnell nebenher eine Whatsapp loslassen, um nur Sekunden später an die begehrten Informationen zu kommen. Die Kinder und Jugendlichen von damals mussten teilweise kilometerweit laufen bis zum nächsten Klassenkameraden. So erzählen es Senioren aus dem Sommerrain den heutigen Zehntklässlern des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG).

Gut drei Monate lang haben sich die Schüler und Rentner regelmäßig getroffen und sich im Rahmen des Medienprojekts „Vom Grammophon zum Download“ über den Wandel der Medien und Technik und die Auswirkungen auf den Alltag ausgetauscht. Projektpartner sind dabei das Seniorenzentrum Haus im Sommerrain, das AMG und die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Ergebnisse des Projekts, das als AG am Gymnasium lief, sind nun einige Wochen lang im Haus im Sommerrain zu sehen und sollen auch beim Sommerfest des AMG ausgestellt werden. Bei der Vernissage vergangene Woche gab es auch einen Film mit Interviews zu sehen.

Angst vor Lesesucht

„Die Teilnehmer des Medienprojekts haben sich toll aufeinander eingelassen“, sagt Sylvia Anwender, die Koordinatorin für das Quartiersmanagement vom Haus im Sommerrain. So sah Anwender zu, wie über die Wochen hinweg die Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Generation bröckelten. Dass ein Handy oder Smartphone nicht nur Nachteile hat, bekamen die Senioren mit. Oder dass die Jugendlichen gar kein Radio mehr hören, sondern nur Musik.

Die Jugendlichen wiederum erfuhren von den Senioren, wie schwer es früher unter anderem war, an aktuelle Fußballergebnisse heranzukommen. Einer der älteren Teilnehmer berichtete, dass er lange am Kiosk anstehen musste, um eine Zeitung zu ergattern. Heute müssen die Jugendlichen nur eine App auf dem Smartphone öffnen – und bekommen sogar die Zwischenergebnisse live mit.

Überraschend für die Jungen von heute war auch, dass früher die Angst vor einer Lesesucht umging. „Das war im Prinzip nicht anders als heute – nur dass es inzwischen die Smartphonesucht ist, vor der die Eltern Angst haben“, sagt die Medienpädagogin Katharina Przybilla von der Fachstelle Medien der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Austausch zwischen Generationen

Ursprünglich war es ihre Idee, Jung und Alt in einem Projekt zusammenzubringen. Die Nähe des Seniorenzentrums Haus im Sommerrain zum Albertus-Magnus-Gymnasium führte die Pädagogin nach Bad Cannstatt. „Heute leben noch Menschen, die früher nicht einmal ein Telefon hatten. Das wird in zehn Jahren nicht mehr so sein“, sagt Przybilla und freut sich über den regen Austausch zwischen den Generationen: „Durch die Projektarbeit haben sich die Teilnehmer über Themen unterhalten, die man sonst nicht mit den Großeltern beziehungsweise den Enkeln im Alltag anspricht – aus Zeitmangel oder weil vielleicht andere Dinge wichtig sind.“

So diskutierten Schüler und Rentner während des Projekts darüber, ob sie jeweils ein E-Book nutzen würden, ob sie Radio hören oder welche Musik bei ihnen läuft. Ein Senior brachte sogar seinen allerersten Laptop mit, auf dem die Jugendlichen dann ausprobieren konnten, wie eines der ersten Computerspiele – nämlich ein Autorennen – funktioniert. „Ein Schüler war immer zu schnell“, berichtet Sylvia Anwender.

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