Jugendlichen bei der Nutzung von Smartphone und Co. über die Schulter schauen – das versucht eine jährliche Studie mit einer Befragung. Die Ergebnisse zeigen: Information, Austausch und Freizeitgestaltung finden immer stärker im Netz statt. Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch.
Wie Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren Medien nutzen, das nimmt jährlich eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest unter die Lupe. Dabei wird vor allem erhoben, in welchem Umfang die Heranwachsenden Medien nutzen.
Die Studie versteht unter dem Begriff Medien sowohl Geräte (wie etwa Smartphone, Tablet, TV-Gerät, Radio, Bücher) als auch Anwendungen und Plattformen (wie etwa WhatsApp, Instagram, Netflix, Spieleanbieter). Außerdem versuchen die Studienmacher unter den 1200 befragten Jugendlichen in Deutschland unter anderem die Kompetenz im Umgang mit den konsumierten Inhalten zu erheben.
Problematische Inhalte erkennen
Für das Jahr 2024 gibt es in diesem Bereich einen positiven Befund. Problematische Inhalte werden der neuen JIM-Studie (JIM = Jugend, Information, Medien) zufolge häufiger erkannt als in den Jahren zuvor.
„Generell zeigt sich, dass mit steigendem formalen Bildungsgrad auch die Häufigkeit zunimmt, mit der Jugendliche angeben, auf problematische Inhalte im Netz gestoßen zu sein“, heißt es in der Studie. Gemeint sind damit Desinformation, Fake News, extreme politische Ansichten, Verschwörungstheorien oder ungewollt zugestellte pornografische Inhalte.
Allerdings gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, solchen Inhalten ausgesetzt zu sein. 61 Prozent der Jugendlichen gaben an, im Verlauf des letzten Monats solchen Inhalten begegnet zu sein (2023 waren es 58 Prozent). Von beleidigenden Kommentaren im Netz berichteten 57 Prozent der Befragten (2023 waren es 51 Prozent), während 54 Prozent der 12- bis 19-Jährigen über negative Erfahrungen mit extremen politischen Ansichten berichteten (2023 waren es 42 Prozent).
43 Prozent der Jugendlichen haben Verschwörungstheorien wahrgenommen (2023: 40 Prozent), von Hate Speech berichteten 40 Prozent (2023: 39 Prozent). Ein Viertel der Befragten berichtete von Erfahrungen mit ungewolltem Kontakt zu pornografischen Inhalten (2023: 23 Prozent), 11 Prozent wurden online persönlich beleidigt (2023: 14 Prozent).
Eine weitere abweichende Entwicklung im Vergleich zu den Erhebungen der Vorjahre ist die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz. KI-Tools (ChatGPT und andere KI-Anwendungen) nutzen 62 Prozent der Befragten – am häufigsten im schulischen Kontext, etwa bei Hausaufgaben.
Besonders häufig wird KI dabei von älteren Jugendlichen (12-15 Jahre: 59 Prozent, 16-19 Jahre: 70 Prozent) und von Schülerinnen und Schülern am Gymnasium (70 Prozent, Haupt-/Realschule: 58 Prozent) eingesetzt. „Die wachsende Nutzung von KI im schulischen Umfeld spiegelt die generelle Zunahme digitaler Bildungsangebote wider“, so die Studie.
Je älter, desto mehr Interesse an Politik und Gesellschaft
Die Studie nimmt auch nicht medienbasierte Freizeitaktivitäten wie Treffen mit Freunden, Sport und anderes in den Blick.
Hinsichtlich der täglichen Mediengewohnheiten ist keine andere Tätigkeit so fest im Alltag der Jugendlichen verankert wie die Nutzung eines Smartphones (93 Prozent) und die damit einhergehende Nutzung von Internet (für 90 Prozent der Befragten gehört diese zu den täglichen Aktivitäten).
Für sieben von zehn Jugendlichen gehört das Musikhören zum Alltag. Mehr 12- bis 19-Jährige als im Vorjahr schauen täglich Online-Videos, 38 Prozent nutzen täglich digitale Spiele – zugleich sinkt die Nutzung des linearen Fernsehens, und Zeitungen, Zeitschriften sowie E-Books haben kaum Relevanz im Alltag von Jugendlichen.
Dennoch sind die Befragten nicht uninteressiert am Weltgeschehen. Das Interesse an Politik und Zeitgeschehen steigt mit zunehmendem Alter. Auf Platz eins auf diesem Gebiet liegen bei den befragten 12- bis 19-Jährigen die Kriege in der Ukraine und in Nahost (44 Prozent). An zweiter Stelle (27 Prozent) wurden die sportlichen Großereignisse 2024 genannt – die Fußball-EM und Olympia.
Meinungsbildung findet verstärkt in digitalen Medien statt
Für ein Viertel der Jugendlichen ist das Thema Klimawandel sehr präsent, für ein Fünftel sind die Wahlen in Europa und den USA von großem Interesse.
An Politik und Parteien allgemein sind 16 Prozent interessiert, für jeweils fünf Prozent stehen die Themen Migration und Einwanderung sowie Wirtschaft oben auf der Interessensliste, so die Studie.
Klar ist, die Nutzung digitaler Möglichkeiten zum Austausch, zur Information und zur Freizeitgestaltung nimmt immer weiter zu, traditionelle Medien werden in diesem Altersspektrum kaum genutzt. Das bedeutet auch, dass Meinungsbildung verstärkt in digitalen Medien stattfindet. Die Ergebnisse der JIM-Studie 2024 verdeutlichen, dass es entscheidend ist, mit den Entwicklungen im Medienverhalten Jugendlicher Schritt zu halten, um einen sicheren und kompetenten Umgang mit Medien zu fördern. Besonders im Bereich Künstlicher Intelligenz ist es wichtig, diese Entwicklung pädagogisch zu begleiten, fasst die Studie zusammen.
Der kompetente Umgang mit Medien bereits im frühen Nutzungsalter sollte wichtiger Bestandteil von Bildungsarbeit werden, damit jungen Menschen eine fundierte Meinungsbildung möglich ist. Und die ist für die Persönlichkeit und für die Gesellschaft wichtig. Am 23. Februar ist Bundestagswahl. Zugelassen sind dann auch rund 2,3 Millionen Erstwählerinnen und Erstwähler.
Medienkompetenz
Möglichkeiten
Es gibt online viele Angebote, sich mit der eigenen Medienkompetenz auseinanderzusetzen und dazuzulernen. Unter anderem etwa zum Umgang mit Fake News und Desinformation. Zum Beispiel bietet die ARD Videos und Erklärstücke auf einer eigenen Homepage dazu an.
Alle Infos unter www.ard.de/die-ard/medienkompetenz/Gemeinsam-Medienkompetenz-staerken-Ein-Angebot-der-ARD-100
Studie
Herausgeber der Studienreihe JIM ist der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs), gemeinsam getragen von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und dem Südwestrundfunk (SWR). Die gesamte Studie ist hier abrufbar.