Mit Sonnenbrille und Mütze rappt Henrik Brislow als MC Bruddaal über Stuttgart, den Wasen und die Kehrwoche. Foto: Peter Petsch

Die Nummer eins ist er noch nicht, aber auf einem guten Weg. Als MC Bruddaal rappt Henrik Brislow auf der OnlinePlattform You Tube: „Stuttgart, du bisch mei Number One“. Das Video wurde schon über 200.000-mal angeklickt.

Die Nummer eins ist er noch nicht, aber auf einem guten Weg. Als MC Bruddaal rappt Henrik Brislow auf der OnlinePlattform You Tube: „ Stuttgart, du bisch mei Number One“. Das Video wurde schon über 200.000-mal angeklickt.
Herr Brislow, reagieren Sie eigentlich auch auf MC Bruddaal?
Nein, eigentlich nicht.
Wie viel MC Bruddaal steckt in Ihnen?
Wir haben gemeinsam, dass wir Lokalpatrioten sind und Stuttgart mögen. Aber es gibt auch Unterschiede. MC Bruddaal ist einer, der überall dabei sein muss, wo in Stuttgart etwas los ist. Ich selbst tanze nicht auf jedem Fest.
Wir unterhalten uns auf Hochdeutsch. Sind Sie zweisprachig aufgewachsen, oder ist das Schwäbische antrainiert?
Ich bin in Schorndorf aufgewachsen, da hört man schon ein bisschen Schwäbisch. Aber eigentlich spreche ich Hochdeutsch.
Was reizt Sie an der Kunstfigur MC Bruddaal?
Eben dass es sich um eine Kunstfigur handelt und das Ganze mit einer Verwandlung einhergeht. Wenn ich die Brille und die Mütze aufsetze, bin ich ein Stück weit abgeschirmt. Die Leute gucken zwar, aber das stört mich dann nicht.
Sie gehen auch als MC Bruddaal durch die Stadt?
Manchmal. Wenn wir Videos machen oder bei einem Interview. Aber sonst nicht. Bei den Dreharbeiten auf dem Wasen haben mich sogar ein paar Leute erkannt. Das hätte ich nicht erwartet.
Das Video „Hongor ond Dorscht“, auf das Sie anspielen, spielt auf dem Cannstatter Volksfest. Gehen Sie da privat auch hin?
Ab und zu, aber mehr um etwas zu fahren oder zu essen. Ich bin keiner, der wirklich im Bierzelt sitzt.
b>"Und dann war da im Schlossgarten diese skurrile Kulisse"Wie ist die Figur MC Bruddaal entstanden?
Mein damaliger Chef hat geschwäbelt und in jedem zweiten Satz bruddaal gesagt – bruddaal hier, bruddaal da. Als Schwabe sagt man das oft. Zu dem Zeitpunkt gab es auch bei „Bauer sucht Frau“ einen Schwaben, den Martin. Den habe ich nachgemacht und alle haben sich totgelacht. Und dann war da im Schlossgarten diese skurrile Kulisse, dass die ganzen Stuttgart-21-Gegner in Tipis gewohnt haben. Irgendwann ist dann die Idee aufgekommen, das alles in einem lustigen Video zu verbinden. Das war im Herbst 2011, direkt vor dem Bürgerentscheid.
MC Bruddaal ist S-21-Gegner?
Ich glaube schon.
Und Sie?
Ich weiß nicht, ob ich dafür oder dagegen sein soll. Auf der einen Seite ist es gut, dass in Stuttgart große Projekte entstehen. Aber auf der anderen Seite finde ich es nicht so toll, dass da viel im Geheimen abgelaufen ist und ein paar Leute viel Geld damit verdienen. Ich finde, man hätte das ganze Projekt anders angehen müssen.
Wie entstehen Ihre Videos?
Am Anfang steht da immer eine Idee. Bei „ Oba Bleiba“ wollten wir den besetzten Schlossgarten als Kulisse ausnutzen, und ich habe dazu einen lustigen Text geschrieben.Was dann im Video zu sehen ist, entsteht meistens spontan. Man geht halt irgendwo hin und dreht ein paar Einstellungen. Bei „Hongor ond Dorscht“ mussten wir im Vorhinein mehr planen, weil wir Leute einbezogen haben und mit der Kamera in das Bierzelt reinkommen mussten.
Sie sagen „Wir“. Das heißt, Sie arbeiten mit einem Team zusammen?
Da ich meist kein großes Budget habe, mach ich natürlich viel selbst. Aber ich habe zwei gute Freunde, die an der Filmhochschule in Ludwigsburg waren, die mich unterstützen. Die können die Kamera übernehmen oder die Videos schneiden.
Können Sie sagen, wie viel Sie in ein MC-Bruddaal-Video investieren?
Auf jeden Fall viel Liebe und Schweiß. Wenn man die Kosten für das Fahrrad und die Klamotten dazu nimmt, kommt man vielleicht auf 500 bis 1000 Euro pro Produktion. Ich will von meinen Freunden ja nicht verlangen, dass sie ganz umsonst für mich arbeiten. Deswegen zahle ich denen ein bisschen was.
Sie sind ein typischer You-Tube-Star, verdient man dabei etwas?
Nein, bisher nicht. Ich kann auch gar nicht einschätzen, wie viel man auf You Tube verdienen kann. Aber bei Auftritten kommt natürlich ein bisschen Geld herein. Außerdem verkaufe ich „Number One“-Jutetaschen, die ich selbst gestaltet habe.

"Vermutlich finden viele schwäbischen Rap anfangs peinlich"

Wer schaut Ihre Videos?
Ich denke, das ist generationenübergreifend und da ist für alle was dabei: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Und ältere, die den rappenden Schwaben witzig finden. Die ­Videos sind eher Comedy als ernst gemeinte Rapmusik.
Kann man MC Bruddaal auch live sehen?
Ich bin bisher ein paar Mal auf Partys, zum Beispiel im Club „Schräglage“ aufgetreten. Aber vor kurzem war ich bei SWR3 im Radio. Und bei der Holzfällermeisterschaft in der Porsche-Arena bin ich vor mehr als 5000 Leuten aufgetreten. Das war sehr aufregend.
Was machen Sie, wenn Sie nicht MC Bruddaal sind?
Ich mache viel Musik und lege ab und zu als DJ auf. Eigentlich habe ich aber Kommunikationsdesign studiert und arbeite in dem Bereich freiberuflich.
Gibt es außer Ihnen noch andere Musiker, die auf schwäbisch rappen?
Die gibt es schon, aber die kenne ich nicht persönlich. Ich kenne eher Leute, die auf Hochdeutsch rappen. Mit denen arbeite ich aber nicht zusammen, ich mache ja etwas ganz anderes. Vermutlich finden viele schwäbischen Rap anfangs peinlich und ungewohnt. Meine Musik soll aber in erster Linie einfach Spaß machen.
Wie haben Ihre Bekannten auf MC Bruddaal reagiert?
Am Anfang hat das Projekt ja nur im kleinen Rahmen stattgefunden. Da fanden es alle lustig. Als „Number One“ dann so viele Klicks auf YouTube hatte, ist die Dimension natürlich größer geworden. Meine Schwester hat mir davor private Nachrichten auf meine Seite bei Facebook gestellt. Das geht jetzt nicht mehr.
Was plant MC Bruddaal als Nächstes?
Ich versuche bis Frühling 2014 eine CD fertig zu bekommen. Der Name steht schon: „Bollahits“. Aber ich will nichts übers Knie brechen. Lustige Sachen kann man nicht planen. Die müssen sich entwickeln. Wenn ein guter Song kommt, dann kommt der halt. Und wenn nicht, dann geht es halt nicht. Ich will etwas Witziges machen. Oder gar nichts.
Wann kommt das nächste Video?
Anfang November habe ich ein neues Musikvideo auf YouTube hochgeladen, das heißt „Kehrwoch“. Außerdem will ich einen schwäbischen Jahresrückblick 2013 machen. Das macht mir am meisten Spaß. Zu vielen verschiedenen Themen recherchieren und eine witzigen Text schreiben.
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