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Gerhard Mayer-Vorfelder glaubt an eine baldige Einigung mit  Bundestrainer Joachim Löw.

Frankfurt - Machtkampf statt Handschlag-Vertrag: Die Weiterbeschäftigung von Bundestrainer Joachim Löw ist zu einem zähen Ringen geworden. Obwohl DFB-Präsident Theo Zwanziger bereits im Dezember des Vorjahres die Einigung mit "Bundes-Jogi" über einen neuen Kontrakt bis zur EM 2012 verkündet hatte, musste am Donnerstag die Verbandsspitze in einer Sondersitzung über Löws Zukunft befinden.

Trotz der brisanten Details, die das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt behandeln musste, sahen beide Seiten zunächst die grundlegende Verabredung über eine weitere Zusammenarbeit noch nicht gefährdet. "Meiner Meinung nach sind das Probleme, die man lösen kann", erklärte der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der als Ehrenmitglied an der Sondersitzung in der DFB-Zentrale teilnahm.

Beim Poker um einen neuen Vertrag für Löw und seinen gesamten Trainerstab soll es nicht nur um noch deutlicher abgegrenzte Kompetenzen, sondern auch um Geld gehen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung würde die sportliche Leitung der Nationalmannschaft für einen neuen Zweijahreskontrakt eine sogenannte "Signing Fee" in Höhe eines Jahresgehalts erwarten. Damit könnte der von DFB-Chef Zwanziger schon voreilig verkündete neue Handschlag-Vertrag mit Löw, dessen derzeitiger Kontrakt nach der WM im Sommer endet, trotz der grundsätzlichen Bereitschaft sogar nochmals ins Wackeln kommen. Die Bonuszahlungen würde sowohl für Löw als auch für Teammanager Oliver Bierhoff und die Bundestrainer-Assistenten fällig.

Zudem soll Manager Bierhoff in seinem neuen Vertrag ein Veto-Recht bei der Suche nach einem späteren neuen Bundestrainer haben wollen. Bisher kann Bierhoff, der seit 2004 als Teammanager arbeitet und inzwischen auch dem DFB-Präsidium angehört, einen Bundestrainer- Kandidaten aussuchen und auch verhandeln. Die Entscheidung aber liegt beim DFB-Präsidium. "Ich kommentiere das nicht", sagte DFB- Mediendirektor Harald Stenger zu den neuesten Veröffentlichungen. Bierhoff hatte seinen Vertrag eigentlich schon im vergangenen Sommer unabhängig von Löw verlängern wollen.

Bei der Brisanz der noch zu klärenden Themen - auch die Kompetenzen für das U 21-Nationalteam sollen noch klarer festgeschrieben werden - ist es derzeit völlig offen, ob es zu einer schnellen Einigung kommt. "Das kann ich nicht sagen", hatte DFB- Generalsekretär Wolfgang Niersbach vor der Sondersitzung erklärt. Auch eine Vertagung des Themas auf Mitte/Ende Februar scheint möglich. Zu viel Unruhe könnte aber die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, die am 3. März mit einem Testspiel gegen Argentinien in die nächste Phase tritt, negativ beeinflussen. Eine Verschiebung der Verhandlungen auf die Zeit nach dem WM-Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika scheint deshalb die risikoreichste Lösung.

In Fragen der U 21, um die ein Kompetenzstreit zwischen Löw, Bierhoff und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer tobt, stellte sich Mayer-Vorfelder klar auf die Seite des Bundestrainers. "Es ist klar, dass Joachim Löw die letzte Verantwortung für die U 21- Nationalmannschaft haben muss", sagte der 76 Jahre alte Ex-Politiker.

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