Sprachbewusster Satiriker: Max Goldt Foto: dpa/Erwin Elsner

Max Goldt hat im Theaterhaus gelesen und die Irrungen und Wirrungen des Zeitgeists in gepflegte Pointen verwandelt.

Stuttgart - Seit den 1980er Jahren hat Max Goldt gut zwei Dutzend Bücher veröffentlicht, dazu kommen noch zahlreiche Hörbücher, Comics und Schallplatten. Vorstellen musste den Popliteraten, Satiriker, „Titanic“-Kolumnisten und Rowohlt-Autor also keiner mehr im Theaterhaus, wo er nach längerer Zeit wieder einmal einen Soloauftritt hatte.

Goldt hatte keinesfalls nur neue, noch unveröffentlichte Texte mitgebracht, sondern bediente sich großzügig aus seinem reichen, in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Werk. Diesem „Best-of Goldt“ konnte man entnehmen, dass er seinem einmal gefundenen Rezept treu geblieben ist und es im Laufe der Zeit lediglich mit den jeweils aktuellen Zutaten angereichert hat. Ein Merkmal von Goldts Stil sind die langen, mit vielen Konjunktiven gespickten Sätze, deren Witz aus dem Kontrast zwischen diesem hochkulturellen Sound und den Niederungen des Menschlich-Allzumenschlichen in den erzählten Geschichten resultiert. Der Sprachkritiker Goldt spießt Stilblüten des Journalismus wie „Die Dunkelziffer dürfte höher liegen“ oder „die Banalität des Alltags“ auf, der Sprachbastler kreiert neue Wortschöpfungen wie „Floskelfreunde“, „Youngtimer“, „Aufkleberzeitalter“.

Politisch-korrekte Sprachungetüme

Der Lebensstil der neuen ökologisch korrekten Mittelschichten mit ihren Ayurveda-Kuren, Wellnessmassagen und dem Chia-Samen-Superfood kommt dem Satiriker dabei wie gerufen, und auf deren gendergerechte Sprache reagiert er mit dem Wortungetüm „Studierendenschaftsvertreterinnen“ oder der Umbenennung der „Johann-Wolfgang-Goethe“- in die „Christiane-Vulpius-Universität“. Auch wenn nicht jede Pointe sitzt und nicht alles Gold ist, was rhetorisch glänzen soll: Wer einmal die Irrungen und Wirrungen des Zeitgeists der vergangenen Jahrzehnte studieren will, dürfte an Max Goldts Beobachtungen nicht vorbeikommen.

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