Max Giesinger hat harte Seiten hinter sich. Foto: IMAGO//Matthias Baran

Am 14. März 2023 singt Max Giesinger in der Porsche-Arena. Im Gespräch erzählt er von seinem Durchbruch, seinem Leben als Single und seine neugefundene Yogaleidenschaft.

Mit 13 Jahren spielt er in einer Punkband, zehn Jahre später wird er Vierter bei der ersten Staffel von „The Voice Of Germany“, im Sommer 2016 wird er mit „80 Millionen“ zum Star. Mittlerweile haben sich die Dinge ein wenig beruhigt, was Max Giesinger die Zeit gab, mal all das zu reflektieren, was in den letzten Jahren passiert ist.

 

Herr Giesinger, Sie waren vier Wochen in Zentralamerika unterwegs. Ein schöner Urlaub?

Das war eine wirklich besondere Zeit. Das Wetter hier in Hamburg ist zwar regnerisch und trüb, aber ich habe immer noch diesen Südamerika-Vibe und laufe grinsend durch die Straßen. Es wird nur recht wenig zurück gegrinst. Eher denken die Leute wahrscheinlich noch, dass man nicht alle Tassen im Schrank hat. (lacht)

Was haben Sie auf dieser Reise erlebt?

Meine Freunde und ich flogen erst nach Tulum, aber da fand ich es nicht so toll. Es ist sehr touristisch und westlich, da suche ich im Urlaub etwas anderes: kleine Dörfer, Yoga und Natur. Also seilte ich mich schnell ab und ging alleine in ein Surfcamp nach Nicaragua. Das war schon eine andere Nummer, jeden Abend von morgens bis abends Action. Sogar auf einem Pferd saß ich da mal. Das erste Mal in meinem Leben! Ich wünschte mir zwar ein ruhiges Pferd, weil ich ja bald auf Tour gehe und mir dann nicht unbedingt die Hand brechen wollte, aber natürlich ging mein Pferd durch. Im Vollgalopp über den Strand, ich schreiend auf seinem Rücken, Käppi fliegt weg, Sonnenbrille hinterher, bis das Pferd auf irgendeiner Hotelanlage einfach anhielt. Das war eine starke Aktion. (lacht)

„The Voice of Germany“ liegt mittlerweile zwölf Jahre zurück. Wie bewerten Sie diese Phase im Rückspiegel?

Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich bin. Es war eine wichtige Erfahrung für mich. Ich komme vom Dorf, spielte davor mal in einer Bar oder auf einer Hochzeit … und plötzlich kennen mich alle. Also, alle! Die Endphase war dann aber wirklich hart, und es gab Zeiten, in denen es mir nicht gut ging, außerdem traf ich anfangs auch nicht die allerbesten Entscheidungen. Aber das sind Fehler, die man vielleicht einmal machen muss. Danach ging alles sehr schön weiter, und als der große Durchbruch mit „80 Millionen“ kam, war ich schon deutlich geerdeter. Ich weiß aber auch, dass alles jederzeit vorbei sein kann. Manchmal hast du einen Hype, manchmal wird es bisschen ruhiger. Bei manchen Songs kannst du gar nicht verstehen, warum sie abgehen, bei anderen wiederum erwartest du es – und es passiert gar nichts. Das ist viel diffuser als in den meisten anderen Berufen. Wenn du eine Mauer baust, hast du danach eine Mauer.

Singt man mit Anfang 20 andere Liebeslieder als mit Anfang 30?

Mit 20 war man schneller verliebt. Da gab es noch diese ganzen ersten Male. Die erste große Liebe, die erste gemeinsame Wohnung, die erste weite Reise, das erste gebrochene Herz. Mittlerweile hat man viel mehr erlebt, Gutes wie Schlechtes. Man ist weniger blauäugig, könnte man sagen. Eigentlich hätte ich das ganz gern wieder ein bisschen zurück, aber zugleich weiß ich es sehr zu schätzen, dass man sich eben nicht mehr alles gefallen lassen muss. Wenn mir was auf den Keks geht, dann sage ich das auch. Das macht die Partnersuche als Single aber natürlich schwieriger.

Die Generation unserer Eltern hat sich sehr selten scheiden lassen und ist auch dann zusammengeblieben, wenn es nicht gut lief ...

Und das finde ich schlimm. Zugleich würde ich mir wünschen, dass wir nicht immer so schnell aufgeben würden. Die Resilienz fehlt da ein wenig, weil wir ja wissen, dass wir da draußen immer wieder jemanden finden können. Für mich gehört es aber dazu, auch mal Dinge auszuhalten und gemeinsam durchzustehen. Wir laufen zu schnell weg.

Geht es Ihnen gut als Single? Sind Sie jemand, der gut mit sich allein sein kann?

Mittlerweile kann ich das sehr gut. 2018 war es aber heftig. Wir waren in diesem Jahr an 300 Tagen auf Tour, und ich hielt es danach für eine gute Idee, allein in Urlaub zu fahren. Das war total irre – vom einen Extrem ins andere. Heute habe ich Max-Tage, in denen ich Dinge allein mache. Ich gehe Stand-up-Paddeln, sitze allein mit einem Buch im Restaurant, so was. Das lädt meine Akkus sehr schnell wieder auf.

Wann sind Sie am kreativsten?

Viele Ideen kommen auf Reisen. Im Urlaub habe ich mir mal wieder das Privileg des Mittagsschlafs gegönnt, und da kamen kurz vor dem Einschlafen Melodien aus allen Richtungen. Starke Gefühle helfen auch, bei Liebeskummer bin ich zum Beispiel besonders kreativ. Ich kann mich darin auch richtig laben. Nur bei schlechter Laune läuft gar nix.

Was ist der schönste Moment auf der Bühne?

Der Moment, in dem der Funke überspringt. Das ist von Stadt zu Stadt und von Tag zu Tag unterschiedlich. Manchmal dauert es nur einen Song, manchmal braucht es vier. Aber wenn diese Energie da ist, dann ist es unbeschreiblich.

Haben Sie sich ein Pandemieritual beibehalten?

Ich komme gerade vom Yoga. Früher konnte ich damit nicht viel anfangen, doch mittlerweile habe ich die Vorzüge voll verinnerlicht. Yoga ist mein Rückzugsort geworden, ein Ort, an dem ich abschalten kann. Vor unseren Shows will ich mit meiner Band außerdem auch Atemübungen machen, das habe ich mir von Paddy Kelly abgeschaut. (grinst)

Und wo soll Ihr nächster Urlaub hingehen?

Portugal. Oder Schottland. Oder Brasilien. (lacht)

Am Dienstag, den 14. März 2023, tritt Max Giesinger in der Porsche-Arena auf, um sein aktuelles Album „Vier Einhalb“ vorzustellen. Support kommt von Sophia, die ihre Karriere ebenfalls bei einer Castingshow begann, bei „Deutschland sucht den Superstar“.