Max-Eyth-See Freie Sicht bis auf den Grund

Von Christoph Kutzer 

Christoph Sonntag (3. v. l.) und seine Mitstreiter auf dem Max-Eyth-See Foto: Christian Hass
Christoph Sonntag (3. v. l.) und seine Mitstreiter auf dem Max-Eyth-See Foto: Christian Hass

Die Wasserqualität im Max-Eyth-See hat sich durch ehrenamtlichen Einsatz und Spenden in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das soll in Zukunft nicht durch einen Badebetrieb gefährdet werden.

Stuttgart - Zwei Kinder ziehen ihre Bahnen am Nordufer des Max-Eyth-Sees. Die Schwimmflügel leuchten in der Mittagssonne. Zwar ist das Baden hier nach wie vor untersagt, beim 3. Wassersporttag am Samstag drückt man aber offenbar ein Auge zu. Um die Gesundheit der Kleinen muss auch niemand fürchten: ein aktuelles Gutachten bescheinigt, dass sich die Wasserqualität in den letzten Jahren um 30 Prozent verbessert hat. Vor dem „Klassenzimmer am See“, für das während der Sommermonate jede Sekunde sieben Liter sauberes Nass in den See plätschern, dürfte der Wert sogar noch höher liegen. Christoph Sonntag spricht von bis zu 80 Prozent Qualitätsgewinn.

Der Kabarettist und Landschaftsarchitekt ist mit seiner Stiphtung und der Initiative „Der Max-Eyth-See soll sauber werden“ die treibende Kraft hinter der Aufwertung des Sees. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass hier eine regelrechte Kloake war“, blickt er zur Eröffnung des Wassersport-Festes zurück. „Der Algenteppich war zeitweise so dick, dass die Enten übers Wasser laufen konnten, die Fische starben, und hier am Ufer war die reinste Müllhalde.“ 1,3 Millionen Euro an Geld- und Sachleistungen flossen seither in die Rettung des Areals. Partner und Förderer ermöglichten 2008, kurz nach dem Start der Aktion, die Einrichtung der Frischwasserzufuhr im Norden.

2010 folgte eine Wasserleitung am süd-östlichen Ufer. Sie bringt über ein spezielles, perforiertes Rohr bis zu 33 Liter Quellwasser pro Sekunde in den See. „Innerhalb eines Jahres führen wir etwa so viel Wasser zu, wie sich insgesamt im Max-Eyth-See befindet“, macht Sonntag die Zahlen greifbar und räumt ein, er habe sich angesichts dieser Mengen noch schnellere Fortschritte erhofft. „Ungeduld ist meine Haupttugend“, bekennt er. „Von daher hatte ich gedacht, nach fünf Jahren sei das Wasser absolut sauber.“

Trotz Abtrennung vom schmutzigeren Neckar und trotz aufwendiger Bindung der Bodensedimente im See: Noch bleibt Luft für weitere Erfolgsmeldungen. Zufrieden ist man trotzdem: „Die Segler sagen, sie hätten noch nie so tief auf den Grund gesehen, und die Taucher der DLRG haben einen bessere Sicht als je zuvor“, resümiert Christoph Sonntag. Auch seien Fischlaich und Unterwasserpflanzen entdeckt worden. Wer sich ein Bild von der neu gewonnenen Reinheit machen möchte, kann am Infostand einen Tropfen Seewasser unter die Lupe nehmen.

Ein Bade-Eldorado wird der Max-Eyth-See definitiv nicht werden. Eine solche Nutzung würde Anlagen wie Umkleidekabinen notwendig machen und das fragile ökologische Gleichgewicht, das im Entstehen begriffen ist, durch Verschmutzung gefährden. Man kann das Wasser aber auch anders genießen. Das beweisen Christoph Sonntag, Ralf Bohlmann, Bezirksvorsteher von Mühlhausen, und Wolfgang Giermann, der Initiator des Wassersporttages, mit einer kleinen Kanutour vor Publikum.

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