Rund um die Mauserstraße Foto: Torsten Ströbele

Eine Interessengemeinschaft möchte mit der Stadt an der Zukunft des Quartiers arbeiten.

Feuerbach - Am Donnerstag wird der Gemeinderat wohl die Veränderungssperre für den Bereich zwischen der Siemens-, Borsig- und Albrechtstraße um ein weiteres Jahr verlängern. Die Stadt möchte verhindern, dass in dem rund 45 000 Quadratmeter großen Gebiet links und rechts der Mauserstraße mehr Fläche für den Verkauf von Waren genutzt wird. „Wir möchten das Feuerbacher Zentrum schützen und wollen deshalb nicht, dass sich in diesem Quartier mehr Einzelhändler ansiedeln“, sagt Baubürgermeister Matthias Hahn. Solange es aber noch keinen neuen Bebauungsplan gebe, der die rechtliche Grundlage dafür schaffe, sei es wichtig, die Veränderungssperre aufrecht zu erhalten.

An dem Bebauungsplan wird schon gearbeitet. „Er soll nun im Sommer ausgelegt werden“, sagt Hermann-Lambert Oediger vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Er gelte dann für das gesamte Gebiet Feuerbach-Ost. Mit dem Gebiet rund um die Mauserstraße, das bei den Feuerbachern liebevoll „Klein Istanbul“ genannt wird, hat sich Oediger schon intensiv befasst: „Der Einzelhandel dort hat eine klare Berechtigung.“ Auch wenn über die Jahre hinweg dort Strukturen gewachsen seien, die teilweise genehmigt, manchmal auch nur geduldet und in seltenen Fällen auch ungenehmigt stattfinden würden. „Wir werden aber dort kein Tabula rasa machen. Wir versuchen soweit es möglich ist, die bestehende Nutzung zu sichern. So, wie es derzeit aussieht, wird uns das größtenteils gelingen“, sagt Oediger.

Auch Fahri Aralan ist frohen Mutes, dass sich die Situation rund um die Mauserstraße in den nächsten Wochen und Monaten verbessert. Mitte der 1990er Jahre siedelte er sich mit seinem Geschäft in diesem Gebiet an und bietet dort unter anderem Schmuck und Haushaltswaren an, wie sie für traditionelle, türkische Hochzeiten gerne gekauft werden. Das Sortiment locke sogar Menschen aus Österreich, Frankreich und Luxemburg an, sagt Aralan. Seit rund zwei Jahren gehört ihm eine rund 6000 Quadratmeter große Fläche im Quartier, die er gerne noch erweitern möchte. „Das ganze Gebiet weist erhebliches Entwicklungspotenzial auf. Ich sehe hier eine große Chance, das Quartier aufzuwerten“, sagt Aralan.

Kommunikation soll besser werden

Gemeinsam mit Halil Aydin und Halil Selvi, die das ehemalige Behr-Werk 8 beleben möchten sowie dem türkisch-islamischen Kulturverein DITIB, der sich um die Flächen rund um die größte Moschee in Baden-Württemberg kümmert, hat er eine Interessengemeinschaft gebildet. „Wir wollen nicht mehr Fläche für den Einzelhandel, sondern das Gebiet neu strukturieren. Und das wollen wir gemeinsam mit der Stadt tun. Wir wollen uns mit den Vertretern zusammensetzen und über alles sprechen“, sagt Aralan. Für ihn und viele andere Menschen rund um die Mauserstraße sei es in den vergangenen zwei Jahren nicht leicht gewesen, mit der Situation vor Ort umzugehen. Viele hätten gerne ihr Gebäude oder das Gebiet verschönert, „aber wer keine Genehmigung, sondern nur eine Duldung für sein Geschäft hat, tut sich schwer damit, zu investieren, wenn er nicht weiß, wie es weitergeht“, sagt Aralan. „Wir brauchen mehr Sicherheit.“

Zudem gehe es in den kommenden Wochen und Monaten nun darum, Vertrauen aufzubauen und die Kommunikation zwischen der Stadt Stuttgart und Interessengemeinschaft zu verbessern, sagt Rainer Mertes. Der Diplom-Ingenieur und Architekt arbeitet mit der Interessengemeinschaft an dem Projekt. „Es könnte einen Neubeginn geben.“

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