Nur ein kleiner Teil des Gebäudeensembles steht noch an der Mauserstraße. Foto: Torsten Ströbe/e

Die Ditib-Gemeinde in Feuerbach hat mit den Abrissarbeiten an der Mauserstraße begonnen. Spätestens in vier Jahren soll die neue Moschee samt Gemeindezentrum eingeweiht werden. Die Kosten belaufen sich aktuell auf rund 22 Millionen Euro. 15 Millionen Euro möchte man an Spenden sammeln.

Von der Moschee im Gewerbegebiet Feuerbach-Ost ist nicht mehr viel übrig. Der Abrissbagger hat ganze Arbeit geleistet. Nur noch die Frontseite an der Mauserstraße ist stehengeblieben. Seit Jahren möchte der ortsansässige Moscheeverein des Verbands Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) das über 90 Jahre alte Gebäude durch ein modernes und attraktives Ensemble ersetzen. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte die Einweihung der neuen Moschee samt Gemeindezentrum schon 2022 stattgefunden. Doch die Umsetzung der ersten Entwürfe hätte etwa 45 Millionen Euro gekostet – zu viel Geld für die rund 1300 Mitglieder starke Gemeinde. Zumal auch der Ditib-Dachverband keinen Zuschuss gewährt hat.

 

Der Rotstift musste in Feuerbach mehrmals angesetzt werden. Mittlerweile sollen die Neubauten nicht mehr als 22 Millionen Euro kosten – trotz der Preiserhöhungen bei den Baumaterialien. „Wir verzichten auf einigen Schnickschnack“, betont der Vorsitzende der Feuerbacher Ditib-Gemeinde Ismail Cakir. Und man spart sich die Kreditaufnahme von 10 Millionen Euro beziehungsweise die Zinsen, die dafür fällig geworden wären. „Wir wollen nun 15 Millionen Euro an Spenden sammeln – auf der ganzen Welt“, sagt Cakir, der aktuell in der Türkei weilt – auch, um Kontakte zu knüpfen und die Werbetrommel für das Feuerbacher Projekt zu rühren. Ob das klappt? Bislang hat er nur rund 120 000 Euro im Spendenkässle.

Zwölf Container sollen in der Interimsphase helfen

Cakir macht die vorhandene Spendenzurückhaltung in Feuerbach an dem Umstand fest, dass derzeit zu wenig Leute ins Gebiet an der Mauserstraße kommen. Denn an ein typisches Freitagsgebet mit bis zu 1000 Menschen ist derzeit vor Ort nicht zu denken. Seit knapp zwei Monaten geht das wegen der Abrissarbeiten nicht mehr. Und auch die geplanten und schon bestellten zwölf Container werden keine große Hilfe sein. Rund 100 Gläubige sollen dann zwar ab August einen Raum zum Beten bekommen, aber der große Wurf ist das nicht. Eigentlich möchte die Ditib-Gemeinde während der drei- bis vierjährigen Bauzeit die Räume des Kreativzentrums IW8 nutzen, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegen. Der Antrag ist bei der Stadt eingereicht, sagt Cakir. Eine Antwort habe man aber noch nicht. Auch die Anfrage unserer Zeitung von Angang voriger Woche wurde von der Stadt noch nicht beantwortet.

Zudem wartet Cakir noch auf die Erlaubnis, nach dem Abriss auch die Erdarbeiten durchführen zu dürfen. Der Boden muss umfangreich saniert werden. Dort, wo sich die Moschee befand, hatte zuvor die Metallwarenfabrik Roth ihr Zuhause. Im Rahmen einer Untersuchung wurden erhöhte Schwermetallkonzentrationen – unter anderem Blei, Kupfer und Zink – festgestellt.

Der Gebetsraum wird verkleinert

Nach der Sanierung stehen dann die Arbeiten an den Neubauten an. Laut Ismail Cakir haben sich die Pläne der Gemeinde inhaltlich nicht geändert. Die neuen Räume sollen endlich barrierefrei erreichbar sein. Neue Flächen für Seminare und die tägliche Arbeit sollen entstehen. Kochkurse, Nachhilfeunterricht für sozial-schwächere Kinder und Jugendliche, Pekip-Kurse sowie Integrations- und Deutschkurse – all das soll es geben. „Wir wollen weiterhin für Offenheit und Transparenz stehen. Hinter verschlossenen Türen soll nichts stattfinden. „Wir wollen gute Vorbilder in der Landeshauptstadt sein. Fanatiker und Hass haben hier keinen Platz“, betont Cakir. Beim Neubau liege die Priorität auf den Gemeinschaftsräumen. Der Gebetsraum werde im Vergleich zu heute etwa um 200 Quadratmeter verkleinert. Dafür bekämen die Frauen eine eigene Empore. Auf diesem neuen Stockwerk soll auch Kinderbetreuung angeboten werden.

Der Verein plant auch weiterhin, ein frei stehendes Minarett bauen zu lassen. 27,5 Meter hoch darf es sein. Einen Muezzin, den Gebetsrufer, wird es allerdings nicht geben.