Mauereidechsen in Esslingen Die Kleintierzüchter atmen auf

Von Jürgen Veit 

Die Mauereidechse ist ein gar stolzes Tier, das vor allem  keine Zauneidechsen neben sich duldet. Foto: SanGero/AdobeStock
Die Mauereidechse ist ein gar stolzes Tier, das vor allem keine Zauneidechsen neben sich duldet. Foto: SanGero/AdobeStock

Die auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Esslingen lebenden Mauereidechsen werden nicht auf das Areal des Kleintierzüchtervereins Mettingen-Brühl umgesiedelt. Doch jetzt steht für die Stadtverwaltung die Suche nach Alternativen an.

Esslingen - Wohin mit den Eidechsen? Diese Frage stellen sich nicht nur die Macher von Stuttgart 21, sondern auch die Stadt Esslingen, nachdem auf dem Baufeld am ehemaligen Güterbahnhof – dort wird die Esslinger Hochschule neu gebaut – einige Exemplare der geschützten Mauereidechse entdeckt worden waren.

Angedacht war, den Kriechtieren eine alternative Bleibe auf dem Gelände des Kleintierzüchtervereins Mettingen-Brühl einzurichten. Allerdings wäre dessen Existenz gefährdet, müsste er den Platz räumen. Dieses Szenario ist nun vom Tisch, der Einsatz des SPD-Landtagsabgeordneten und Stadtrats Wolfgang Drexler für die Kleintierzüchter hat sich gelohnt. Der Verein kann demnächst mit der Stadt über eine Verlängerung seines zum Ende dieses Jahres auslaufenden Pachtvertrags verhandeln und zusätzlich sogar einem Brieftaubenzüchter eine Heimat bieten. Die Verwaltung ist laut eines Sprechers „zuversichtlich“, eine Alternative zu finden, wenngleich es eine „Herausforderung“ sei.

„Blinde Passagiere“ aus Südeuropa

Seit den 1960er-Jahren residiert der Kleintierzüchterverein Mettingen-Brühl in den Mettinger Wiesen. Doch seit dem vergangenen April mussten die Mitglieder um ihr Domizil für ihre Hühner und Kaninchen bangen. Denn die Esslinger Stadtverwaltung wollte dort andere Tiere ansiedeln – noch kleinere übrigens. Denn mehrere hundert Mauereidechsen, die einem Naturschutzgutachten zufolge auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs residieren, sollten dorthin umziehen. Bis Ende des nächsten Jahres muss die Stadt für die unter Artenschutz stehenden, ehemals als „blinde Passagiere“ aus Südeuropa eingereisten, Kriechtiere einen neuen Lebensraum schaffen.

Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger habe erkannt, dass der Verein in seiner Existenz bedroht wäre, würde sein Gelände als Ausgleichsfläche genutzt, erklärt der städtische Pressesprecher Roland Karpentier auf Anfrage. Mögliche neue Reviere für die Mauereidechsen würden deshalb zurzeit geprüft. Konkret wolle er sich zu infrage kommende Flächen nicht äußern. Viel Spielraum gebe es ohnehin nicht, schließlich müsse das Areal groß genug und zudem geeignet sein. Geeignet heißt in diesem Fall, dass es sich auf der gleichen Neckarseite befinden müsse wie das Gelände der Kleintierzüchter. Denn an anderen Standorten seien Zauneidechsen heimisch, „die sich nicht mit den Mauereidechsen vertragen und von diesen verdrängt würden“, sagt Karpentier.

Das ist auch der Grund, weshalb die Mauereidechsen nicht in den Weinbaulagen von Esslingen angesiedelt werden können – ein Esslinger Eidechsenkrieg muss im Sinne des Naturschutzes in jedem Fall vermieden werden. Damit blieben nicht mehr viele Areale entlang des Neckars übrig, so Karpentier. Entsprechend stelle die Suche nach eine neuen Eidechsen-Heimat eine echte „Herausforderung“ dar. Zudem drängt die Zeit. „Bis Ende 2019 müssen wir das erledigt haben“, betont der Pressesprecher. Denn das Gelände müsse dem Land „bereinigt, ohne Altlasten“ übergeben werden, damit dieses mit dem Neubau der Hochschule beginnen könne.

Kleintierzüchter können für die Zukunft planen

Für Wolfgang Vetter, den Vorsitzenden des Kleintürzüchtervereins Mettingen-Brühl, ist das jetzt kein Thema mehr. Er hofft, dass in Bälde der Pachtvertrag für das Gelände in den Mettinger Wiesen verlängert wird. Hätte die Stadtverwaltung darauf bestanden, denn Verein von dort zu verbannen, um die Eidechsen ansiedeln zu können, „wäre das für uns der Tod gewesen“, sagt Wolfgang Vetter. Zumal die Kleintierzüchter selbst auch noch die Kosten für den Abriss ihrer Gebäude hätten tragen müssen. So aber können sie zudem einem Brieftaubenzüchter ein neue Bleibe bieten, der seinen einige hundert Meter entfernten Schlag räumen muss. Nun könne der Verein wieder für die Zukunft planen, sagt Wolfgang Vetter, der zugibt, „einige schlaflose Nächte“ hinter sich zu haben.

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