Ex-VfB-Trainer Matthias Sammer ist als Bundesliga-Experte für Eurosport im Einsatz. Foto: dpa

Vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt analysiert Matthias Sammer die Situation beim Team von Markus Weinzierl. Der Ex-Trainer der Roten findet dabei deutliche Worte.

Stuttgart - Matthias Sammer sieht die jüngste Entwicklung beim VfB Stuttgart äußerst skeptisch. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen den amtierenden Pokalsieger Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr, Liveticker) hat sich der ehemalige Spieler und Trainer der Roten im Eurosport-Vodcast „bwin Sammer Time“ zur Situation bei den Schwaben geäußert.

Deutscher Meister mit dem VfB

Als Spieler wechselte Matthias Sammer nach der Wende 1990 aus Dresden nach Stuttgart, wurde mit dem VfB Stuttgart 1992 Deutscher Meister und kehrte 2004 als Trainer zurück. Gegenwärtig ist der 51-Jährige als externer Berater für Borussia Dortmund tätig. Nun hat sich der Europameister von 1996 zum Verein mit dem Brustring geäußert. Das sagt Matthias Sammer...

...über seine aktive Zeit beim VfB und die Bruddler-Mentalität:

„Nach dem Weggang von Dresden habe ich in meiner Veränderung die wichtigste Zeit in Stuttgart und bei diesem Verein erlebt. Handelnde Personen wie Gerhard Mayer-Vorfelder, Dieter Hoeneß, Willi Entenmann und Christoph Daum haben mich sehr geprägt. Mit der Meisterschaft von 1992 trägst du natürlich etwas in dir, was immer eine Verbindung zu diesem Klub herstellen wird.

Ich weiß, dass die Stuttgarter vom Anspruchsdenken und von der Art und Weise manchmal auch von mir die Bruddler-Mentalität wollen. Bruddeln ist zu meckern, also erst einmal grundsätzlich ein bisschen rumzumeckern. Aber wer Leistung bringt, den erkennen sie an. Sie können es nur nicht immer so ausdrücken. Deshalb diese Bruddler-Mentalität.“

…über die extremen VfB-Schwankungen in den letzten Jahren:

„Es ist aufgrund der Schwankungen sehr ärgerlich. Nach dem Super-Gau mit der zweiten Liga kam Hannes Wolf, der die Mannschaft wieder nach oben geführt hat. Am Anfang funktioniert das einigermaßen, aber plötzlich geht nichts mehr. Dann kam Tayfun Korkut und es geht wieder nach oben. Und dann kommt genau der entscheidende Punkt, dass auf einmal wieder gar nichts mehr geht. Ich bin kein Prophet. Aber wenn die Situation etwas Positives hat, dann dass sie sich antizyklisch darstellt.“

…über die aktuelle Situation beim Team von Markus Weinzierl:

„Sie müssen für sich eine eigene Identität erkennen. Es hat gar keinen Sinn, die Spieler nicht in die Verantwortung zu nehmen. Im Verein ist es aktuell so, dass immer die Trainer eine Rolle spielen, nun wird über Sportvorstand Michael Reschke diskutiert. Das geht alles übertrieben schnell im Fußball – sowohl in die positive als auch in die negative Richtung. Man kann von einer Mannschaft nur etwas verlangen, wenn man sie ordnet, eine Achse bildet und Führungsspieler herauskristallisiert.

Vom Torhüter Ron-Robert Zieler etwa, und im zentralen Bereich hat man immerhin einen Weltmeister. Ich glaube, in Führungsaufgaben könnte Holger Badstuber eine wichtige Rolle einnehmen – ohne mich da einmischen zu wollen. In der Zentrale spielt Christian Gentner aktuell nicht optimal, aber er ist Kapitän. Und im Sturm hat man Mario Gomez. Man kann vieles sportlich diskutieren, aber eine Achse ist da.

Ich glaube, dass die Stuttgarter grundsätzlich begreifen müssen: Wenn sie die Mannschaft in die Pflicht nehmen wollen, müssen sie ein paar Dinge ordnen - und gleichzeitig Vertrauen, Respekt und Liebe entgegenbringen. Das muss man intern und extern auch spüren. Trotzdem muss man den Spielern und Zuschauern zeigen: Wir stehen in der Verantwortung. Es sind am Ende die, die auf dem Spielfeld stehen. Die Schwankungen beim VfB sind nicht normal.“

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