Mathias Richling und Gerhard Woyda Foto: Kolin

Im Jahre 1976 hat Gerhard Woyda, Gründer und langjähriger Leiter des Stuttgarter Renitenz-Theaters, den Kabarettisten Mathias Richling entdeckt und mit ihm einen Karl-Valentin-Abend entwickelt. Jetzt sind die beiden mit einer aktualisierten Fassung damit wieder im Renitenz-Theater zu erleben.

Stuttgart - Warum nicht mal einen begriffsstutzigen Elektriker spielen oder einen grantelnden Ehemann, dem die Suppe entweder zu heiß oder zu kalt ist? Spätestens mit seiner eigenen Fernsehshow ist Mathias Richling als Politsatiriker sehr präsent: Eine Persiflage auf den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann ist ein Muss in jeder Sendung, gerne lässt er auch den kettenrauchenden Helmut Schmidt zu Wort kommen.

Doch angefangen hat alles anders, und davon kündet jetzt das Programm „Richlings Valentin“. 1976 hat Gerhard Woyda, Gründer und langjähriger Leiter des Renitenz-Theaters, Richling entdeckt und auf der Basis von Karl-Valentin-Texten das Programm „Riesenblödsinn? – Sie ham halt a andere Weltanschauung“ entwickelt. Wie Richling heute bekennt, war dies im Lauf seiner Karriere sein einziges Programm mit Texten eines anderen Autors.

Weiß-blaue Rauten dominieren das Bühnenbild. Richling kann ganz gut Bayerisch auch ohne die sonst für ihn typischen Versprecher oder Stotteransätze. Mit wenigen Gesten schafft er ein passendes Szenario für Valentins Wortakrobatik. Doch Richling macht heute noch einiges mehr als 1976: Er zitiert aus seiner Magisterarbeit, die er über Valentin geschrieben hat. Und er bringt eigene Nummern, die im Geiste Valentins geschrieben sind. Dazu gehören etwa der Dauerfernsehgucker oder die Frau, die eine Badehose ihres Mannes umtauschen will oder die Theaterkarten für vier Personen kaufen will und dabei verzweifelt nach Sparmöglichkeiten sucht.

Woyda ist auch dabei. Am Anfang erzürnt als Künstler über die Begriffsstutzigkeit und Wurstigkeit des Elektrikers, der einen Scheinwerfer reparieren soll. Dann als verlässlicher Begleiter am Flügel, der zwischen den Sketchen passende Lieder zitiert. Geht es etwa um den Kauf eines Ziervogels, spielt er die Papageno-Melodie aus Mozarts „Zauberflöte“. Und er begleitet Richling bei den Valentin-Liedern, etwa wenn er die „Jahreszeiten“ oder „Das Lied vom Sonntag“ singt. Da knödelt und überdramatisiert Richling dann in ziemlich alter Manier. Doch ganz von der Politik kann Richling nicht lassen. So hat er die Kanzlerin Angela Merkel mitgebracht, die er zu Siegmund Freud auf die Psycho-Couch schickt. Der Anlass: Sie hat das Gefühl, dass man hinter ihrem Rücken über sie lacht.

Weitere Aufführungen am Sonntag um 19 Uhr. Karten unter 07 11 / 29 70 75.

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