Analytisches Denken und schnelles Einarbeiten in neue Aufgabenfelder werden auf dem Arbeitsmarkt geschätzt. Mathe-Absolventen können mit einer Zusatzausbildung Aktuar werden.

Im Unterschied zu vielen anderen Fachrichtungen wie Medizin, Maschinenbau oder Jura erschließt sich bei der Mathematik nicht sofort, auf welchen Berufszweig die Studierenden vorbereitet werden. Das Studium deckt neben abstrakten Gebieten der Mathematik auch die unterschiedlichsten Anwendungsmöglichkeiten ab. 'Mathematikerinnen und Mathematiker sind universelle Problemlöser', bringt es Professor Dr. Burkhard Kümmerer von der Technischen Universität Darmstadt auf den Punkt. Analytisches Denken und ein schnelles Einarbeiten in neue Aufgabenfelder sind die Fähigkeiten, für die Mathe-Absolventen am Arbeitsmarkt geschätzt werden - ob in der Bildung, Wirtschaft, Raumfahrt, Versicherung oder bei Unternehmensberatungen.

'Mathematik ist das Studium der Muster und Strukturen, die sich hinter der Vielfalt in allen Bereichen der Wirklichkeit verbergen', erklärt Professor Kümmerer. 'Und so können Mathematiker überall dort tätig werden, wo präzises und strukturiertes Denken gefragt ist.' Zukünftige Lehrer müssen sich gleich nach dem Schulabschluss für den entsprechenden Lehramtsstudiengang entscheiden, wer einen Master of Science in Mathematik abschließt, hat später die Qual der Wahl. 'Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Berufsfeldern in Unternehmensberatungen bis in sämtliche Bereiche der heutigen Hochtechnologie, der IT-Branche und Logistik. Je nach Einsatzgebiet sind spezielle mathematische Kenntnisse gefragt, wie Numerik für Simulatoren, Algebra für Datensicherheit oder Optimierung für Fahrpläne', bringt Kümmerer einige Beispiele.

Der Job eines Aktuars ist vielseitig

Absolventen können auch Ingenieurberufe ausüben. In der Medizin oder Pharmazie erstellen Mathematiker Studien, modellieren menschliche Organe oder optimieren die Möglichkeiten der Computertomografie. Auch bei der Verkehrs- oder Netzplanung und bei der Wettervorhersage sind Mathematiker gefragt. Gut dotierte Jobs winken in der Versicherungs- und Finanzwelt. 'Aktuare sind Experten der Risikosteuerung', sagt ein Sprecher der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV) aus Köln und erklärt das Auf­gabenfeld: 'Sie setzen sich auf Grundlage von mathematisch-statistischen Methoden vor allem mit der finanziellen Bewertung und Steuerung von künftigen Ereignissen auseinander. Dazu gehören unter anderem Entwicklungen an den Finanzmärkten oder Fragen zur finanziellen Vorsorge fürs Alter oder den Pflegefall.' Der Job eines Aktuars kann durchaus vielseitig sein, denn darüber hinaus beschäftigen sich die Experten auch mit Fragestellungen der Lebens- sowie der Schaden-, Unfall- und Krankenversicherung.

Nur aufgrund der Berechnungen der Aktuare können Versicherungsunternehmen die Absicherung eines Risikos wie Todesfall, Diebstahl, Erdbeben oder Krankheitskosten zu einer attraktiven Prämie anbieten. Und so arbeiten Aktuare inzwischen nicht mehr nur für Erst- und Rückversicherungen oder Träger der Altersversorgung wie Pensionskassen, sondern auch für Banken und Bausparkassen oder Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Immer häufiger sind auch Verbände, Ministerien und Aufsichtsbehörden Arbeitgeber von Aktuaren. Die Deutsche Aktuarvereinigung erklärt das Prinzip: 'Grundlage ist in der Regel ein Studium der Mathematik oder der Wirtschaftsmathematik.

Einige Aktuare haben auch andere Fachrichtungen wie Physik, Statistik, Betriebswirtschaftslehre oder Informatik studiert.' Um anschließend den Titel 'Aktuar DAV' / 'Aktuarin DAV' zu erlangen, muss zum einen das zumeist dreijährige, berufsbegleitende Ausbildungsprogramm der Deutschen Aktuarvereinigung absolviert werden und zum anderen auch prak­tische Berufserfahrung im aktuariellen Umfeld nachgewiesen werden. Eine aktuelle Studie zeigt eine große Nachfrage nach Finanz- und Versicherungsmathematikern auf. Die Entwicklung spiegelt sich in den Gehältern wider, ein Aktuar erhält im Schnitt ein Jahresgehalt von 80 000 Euro. Im vergangenen Jahr stiegen die durchschnittlich jährlich erzielten Saläre um 4,3 Prozent. 'Die Studie belegt, dass das schwierige Mathematikstudium hervorragende Karrierechancen eröffnet. Und in den kommenden Jahren wird die Expertise von hoch qualifizierten Aktuaren aufgrund der neuen europäischen Aufsichtsvorgaben für die Versicherungen gefragter sein denn je', unterstreicht der DAV-Vorstandsvorsitzende Rainer Fürhaupter.

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