In Baden-Württemberg studieren so viele wie nie – in den Hörsälen ist’s eng. Foto: dpa

Die Landesregierung baut die Hochschulen im Land aus. In den nächsten zwei Jahren sollen 2200 zusätzliche Studienplätze für Masterstudenten geschaffen werden.

Stuttgart - Der Ansturm auf die Hochschulen im Südwesten hält an. In diesem Wintersemester studieren in Baden-Württemberg rund 360 000 Studenten – so viele wie noch nie. Vor sieben Jahren waren es knapp 260 000. Die Zahl der Studienanfänger stieg im laufenden Semester auf 63 000.

Seit Jahren zeigt sich, dass viele Studenten nach dem dreijährigen Bachelorstudium nicht sofort in die Arbeitswelt wechseln ­wollen – wie sich das Politik und Wirtschaft eigentlich von der sogenannten Bologna-Reform erhofft hatten. Anders als in den angelsächsischen Ländern streben in Deutschland viele gleich nach dem ersten Abschluss noch ein zweijähriges Masterstudium an. Deshalb baut die Landesregierung das Masterstudium weiter aus. In den Wintersemestern 2016/17 und 2017/18 sollen die Hochschulen im Südwesten insgesamt 2200 neue Studienplätze für Masterstudenten schaffen. Dafür stellt das Land ihnen rund 21Millionen Euro zusätzlich pro Jahr zur Verfügung. Damit können 64 Professuren, Mitarbeiterstellen und Sachmittel finanziert werden.

„Wir sorgen dafür, dass junge Menschen die Möglichkeit haben, sich an unseren Hochschulen exzellent auszubilden“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Dienstag in Stuttgart bei der Vorstellung des Programms. Vorgesehen sei, an allen Hochschularten und im ganzen Land neue Studiengänge einzurichten und bereits vorhandene innovative Studien­gänge auszubauen. Bei der Planung hat sich das Ministerium eng mit der Wirtschaft ­abgestimmt.

Abstimmung mit der Wirtschaft

Etwa die Hälfte der neuen Studienplätze werden in den sogenannten Mintfächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – geschaffen. In diesen Bereichen klagen die Wirtschaft, aber auch Schulen und Hochschulen seit langem über Fachkräftemangel. Weitere Masterstudienplätze werden in den Sprach- und Kulturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Gesundheitswissenschaften und Kunstwissenschaften ent­stehen.

Mit dem Aufbau neuer Masterstudiengänge setze das Wissenschaftsministerium auch Empfehlungen des Fachbeirats Kulturelle Bildung um, der 2013 entsprechende ­Kompetenzzentren an den Hochschulen ­vorgeschlagen habe, sagte Bauer.

Etwa die Hälfte aller neuen Masterstudienplätze entsteht an den Universitäten, die andere Hälfte an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und an den Pädagogischen Hochschulen. „Damit erreichen wir unser Ziel, etwa jedem zweiten ­Bachelorabsolventen einen Übergang zum Masterstudium zu ermöglichen und gleichzeitig den akademischen Fachkräftenachwuchs nachhaltig zu sichern“, sagte Bauer.

Zu viele Studienabbrecher

Bereits seit 2013 konnten die Hochschulen 4100 neue Masterstudienplätze einrichten, dafür stellt das Lands zusätzlich 39 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Der Ausbau kommt auch den Hochschulen im Großraum Stuttgart zugute. So erhält die Universität Stuttgart 20, die Universität Hohenheim 40 und die Universität Tübingen 148 zusätzliche Masterstudienplätze. Je 60 Plätze gehen an die Hochschulen Esslingen und Nürtingen-Geislingen, 25 an die Hochschule für Medien und 48 an die Hochschule für Technik in Stuttgart. Ebenfalls 25 ­Studienplätze erhält die Pädagogische Hochschule in Ludwigsburg.

Die Universität Tübingen reagierte erfreut. „Das Landesprogramm ‚Master 2016‘ ermöglicht es uns, das Angebot für Masterstudierende zu erweitern und damit noch attraktiver zu gestalten“, sagt Rektor Professor Bernd Engler. „Mit neuen Professuren, beispielsweise im Bereich der Medizininformatik oder der Islamischen Theologie der Seelsorge, trägt die Universität Tübingen zudem aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung.“

Wissenschaftsministerin Bauer sieht die Hochschulen aber auch in der Pflicht, ihre Studienangebote zu überprüfen und bei Bedarf nachzubessern. Durch die Umstellung auf Bachelor und Master sind viele neue ­Studiengänge entstanden, die nicht immer halten, was ihre wohlklingenden Namen versprechen. In manchen Bereichen brechen bis zu 40 Prozent der Studienanfänger ab. Die Hochschulen müssten Hürden abbauen.

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