In Sachen Kinderschutz hat sich das Land auf den richtigen Weg gemacht, kommentiert Christian Gottschalk. Doch ausruhen auf dem Erreichten reicht nicht.
Es sind schon ein gutes Stück weit Binsenweisheiten, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Thema Kinderschutz von sich gegeben hat: Kinder seien das Wichtigste, es brauche eine Kultur des Hinschauens, für Kinder gebe es eine zentrale Verantwortung der Gesellschaft. Was man halt so sagt. Allerdings hat das Land beim Thema Kinderschutz nicht nur warme Worte gefunden, sondern auch seine Haushaltsmittel aufgestockt, und zwar kräftig – von 700 000 Euro im Jahr auf fünf Millionen. Das ist schon ein deutlicher Wumms. Das Sozialministerium hat eine Strategie erarbeitet, wie sich das finanzielle Plus in ein Plus für Kinder- und Jugendschutz übersetzen lassen soll. Dabei geht es unter anderem darum, wichtige Stellen zu sensibilisieren und die Zusammenarbeit der Hilfseinrichtungen zu fördern.
Versäumnisse sind hier besonders gravierend
Beides tut Not. Wer Hilfe braucht, der braucht die oft schnell. Der erste Ansprechpartner muss nicht der richtige sein. Aber er muss das Problem erkennen, und er muss schnell zum Richtigen weiterleiten können. Dass es daran hapert, ist kein exklusives Problem des Kinderschutzes, aber die Folgen eines Versäumnis können hier besonders gravierend sein. Das nun erarbeitete Konzept ist ein notwendiger Ansatz, und dass der Kinderschutz finanziell unterlegt worden ist, ist richtig. Wie beim verteidigungspolitischen 100-Milliarden-Wumms gilt aber auch hier: Alles gut wird damit nicht. Es ist erst ein Anfang.