Manche Kinder brauchen professionelle Hilfe. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

Mit insgesamt 52 Maßnahmen möchte Baden-Württemberg den Schutz von Kindern und Jugendlichen fördern. Dafür gibt es auch deutlich mehr Geld als bisher.

Als sich das Sozialministerium an die Arbeit gemacht hat, eine Strategie für den Kinderschutz im Land zu erstellen, da lag die aktuelle bundesweite Studie zu diesem Thema noch nicht vor. Bundesweit gaben demnach 12,7 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Kinder- und Jugendalter von sexualisierter Gewalt betroffen gewesen zu sein. Das seien in Deutschland nahezu sechs Millionen Menschen, so Sozialminister Manne Lucha (Grüne). Es unterstreiche, wie wichtig die Arbeit gewesen sei.

 

Es braucht mehr Aufklärung

Der am Dienstag vorgestellte Plan umfasst 52 einzelne Maßnahmen. Schwerpunkte sind die Aufklärung der Öffentlichkeit, die bessere Schulung von Fachkräften und die Entwicklung von Schutzkonzepten, etwa in Vereinen. Menschen, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, sollen dafür sensibilisiert werden, welche Formen und Dynamiken von Gewalt es gibt – und welche Anzeichen ein frühes Erkennen und Handeln möglich machen.

Ebenfalls im Blick: die Gefahren in digitalen Medien. Dafür sollen unter anderem eine zentrale Webplattform für Experten sowie E-Learning-Angebote geschaffen werden. Vor allem Eltern sollen dafür sensibilisiert werden, was für Gefahren für ihre Kinder im Netz lauern. Zu einem Nutzungsverbot der sozialen Medien für Kinder unter einem entsprechenden Alter wollte sich Lucha allerdings nicht durchringen. Ihm seien gebildete und entscheidungsfähige junge Menschen lieber als eine Verbotsdebatte, so Lucha. Eine Ansicht, der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zustimmt. Sinnvoller, als Kindern und Jugendlichen etwas zu verbieten, sei es, die Netze besser zu regulieren, so Kretschmann. Bei den so genannten sozialen Medien sei zudem darüber nachzudenken, ob man nicht eine europäische Plattform einrichte, die „unsere Werte“ hoch halte, so der Ministerpräsident. Das allerdings übersteige die Zuständigkeit des Landes.

Netze besser regulieren

Baden-Württemberg ist hingegen für die Finanzierung des nun beschlossenen Jugendschutz-Plans zuständig. Im Haushalt seien dafür fünf Millionen Euro jährlich eingestellt worden. Bisher waren es 700 000 Euro gewesen.